Preisexplosion

Das sagen Tankstellenbesitzer, Kunden und Taxifahrer zu den hohen Spritpreisen

Spitzenpreise: Die Kosten für Autofahrer erreichen momentan ungeahnte Höhen. Den Pächtern sind die Hände gebunden. Unternehmen und die Verkehrsbetriebe müssen deutliche Mehrkosten schultern. Fotos: Michael Schütz
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Spitzenpreise: Die Kosten für Autofahrer erreichen momentan ungeahnte Höhen. Den Pächtern sind die Hände gebunden. Unternehmen und die Verkehrsbetriebe müssen deutliche Mehrkosten schultern.

Tankstellenbetreiber Ralf Tesche fordert geringere Steuern. Stadtwerke erwarten hohe Mehrkosten.

Von Timo Lemmer und Sven Schlickowey

Ralf (l.) und Max Tesche fordern, dass der Staat bei den Kraftstoffen weniger zulangt: „Die Steuern müssen auch in Deutschland runter.“

Remscheid. Über der Tankstelle an der Oberhölterfelder Straße lacht am Donnerstagnachmittag die Sonne. Zum Lachen ist den meisten Kunden allerdings nicht zumute – oder doch, gerade jetzt? Hoch über der Tankstelle thront die Preistafel, gerade weist sie über 2,30 Euro pro Liter Diesel aus. Ein Transporter biegt zum Tanken ein. Er verbrauche zehn Liter, mindestens, sagt der Fahrer lachend und winkt gleich ab: „Dazu sage ich besser nichts.“ Das Lachen dabei: eher Galgenhumor.

Die Betreiber, Ralf und Max Tesche, kennen das. Viele versuchen es mit Galgenhumor, nur wenige sind wirklich so verärgert, dass sie an der Tankstelle meckern. „Die Kunden sind aufgebracht, aber aufgeklärt“, erklären die Chefs. Gemeint ist: Sie finden, dass der Staat eine viel zu hohe Energiesteuer für die Kraftstoffe sowie Mehrwertsteuer verlangt – genau das müsse sich in der aktuellen Preissituation zügig ändern. Eben diese Meinung würden auch die meisten Kunden in Gesprächen offenbaren.

Dr. Benjamin Scharein hatte schon mit steigenden Preisen kalkuliert.

Dann fährt Dr. Benjamin Scharein vor. Er ist erst vor vier Wochen von einem Gas- auf einen Diesel-Wagen umgestiegen. Beim Blick auf den weniger als halb so hohen Preis für Gas wird ihm dennoch nicht übel. Gas rechne sich eher im Stadtverkehr, nicht bei Vielfahrern, weiß Tesche. Zum Glück habe er zuvor bereits kalkuliert, dass der Dieselpreis mittelfristig auf 2 Euro ansteigen könne, sagt Scharein. Der Biologe arbeitet in Stuttgart und kommt alle zwei Wochen nach Remscheid: Der Umstieg rechnet sich daher immer noch. „Wenn man so helfen kann, den Krieg zu beenden“, empfindet er die deutlich höheren Kosten als ein vertretbares Opfer.

Der ÖPNV kann eine Alternative in der Krise sein.

Beim Tanken ist der Leidensdruck noch einmal viel höher als beim Heizöl.

Max Tesche verkauft Heizöl und Sprit – die Explosion der Spritpreise wirke sich auf alle aus

Apropos Autogas: Da wurde Tesche gerade seitens des Lieferanten der Vertrag gekündigt. Zu viel Nachfrage, zu wenig Angebot. Aber die Suche nach (teurerem) Ersatz läuft. „Auch daran wird am Ende der Kunde leiden.“ Max Tesche weiß: „Beim Tanken ist der Leidensdruck noch einmal viel höher als beim Heizöl.“ Und doch steht das Telefon nicht still, weil Kunden nach Heizöl fragen – auch das vertreiben sie hier (siehe unten).

Verbraucherzentrale berät zum Umstieg auf Heizungen, die keine fossilen Brennstoffe benötigen.

Remscheid: Stadtwerke erwarten Mehrkosten, Taxi-Unternehmen leiden bereits

Auch bei den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke hat die kaufmännische Abteilung das Thema längst ins Auge gefasst, berichtet Prokurist Armin Freund. Zwar verfüge man über Diesel-Vorräte, doch wenn die zu Ende gehen, müsse man nachordern. „Und dann zahlen wir die üblichen Marktpreise.“

Weil kaum Chancen bestehen, die Einnahmen zu erhöhen – die Ticketpreise setzt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) fest –, wird das wohl ein ordentliches Loch in die Kasse reißen, schätzt Freund: „Das werden wir mit voller Kraft zu spüren bekommen.“ Abhängig insbesondere davon, wie lange die Preise noch so hoch bleiben: „Wenn sich das nicht bald entspannt, wird das ein hoher sechsstelliger Betrag.“

Ganz ähnlich ergeht es den Taxi-Unternehmen. Mit 400 bis 600 Euro Mehrkosten schlagen die aktuellen Spritpreise zu Buche, rechnet Armin Schötz, Geschäftsführer der Funktaxi-Vereinigung, vor. Und das pro Fahrzeug und Monat. Da Diesel bei vielen Firmen einer der größten Ausgabenposten nach den Personalkosten sei, sei der aktuelle Zustand für einige Betriebe bereits existenzbedrohend, sagt Schötz: „Da wird es jetzt schon eng.“

Darum blickt die Taxibranche mit Sorge in die Zukunft.

Zumal auch die Taxi-Firmen ihre Preise und damit ihre Einnahmen nicht selber festsetzen können, den Tarif legt der Stadtrat fest. Da sei zwar derzeit eine Erhöhung in Arbeit, berichtet Schötz: „Aber das nutzt uns jetzt erstmal nichts.“ Was bleibe, sei die Hoffnung, dass der derzeitige Zustand nicht allzu lange anhält, sagt Armin Schötz: „Wenn das aber dazu beiträgt, dass der Krieg in der Ukraine aufhört, wäre ich persönlich auch bereit, drei, vier Wochen lang drei Euro pro Liter zu bezahlen.“

Riesige Nachfrage nach Heizöl

Die Leute haben Angst, berichten Ralf und Max Tesche. „Die Kunden sorgen sich, dass der Preis für Heizöl noch ins Unermessliche steigt.“ Bei nahezu doppelten Preisen im Vergleich zum Vorjahr „erwerben die Kunden Heizöl mit Bauchschmerzen, aber sie wollen Sicherheit“. Trotz Spitzenpreisen: „Bei üblichen 3000 Litern waren wir am Mittwoch bei 1,80 Euro pro Liter für den Kunden, bei Kleinstmengen bis 500 Liter sogar bei 2 Euro. Sonst sprechen wir von der Hälfte.“ Die privaten Tanks werden aufgefüllt, um gerüstet zu sein, wenn die Engpässe größer werden. Nicht ganz grundlos, gesteht Tesche: Die Lieferungen werden bereits rationiert.

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