Mehr E-Tankstellen sollen Energiewende fördern

Elektromobilität: Hier bauen die EWR moderne Ladesäulen für E-Autos

E-Ladesäule mit Tim Folger (EWR Energie- und Gebäudetechnik), OB Burkhard Mast-Weisz und Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann.
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Bis Ende März können in der Tiefgarage des Parkhauses unter dem Theodor-Heuss-Platz E-Autos noch kostenfrei getestet und aufgeladen werden: (v.l.) Tim Folger (EWR Energie- und Gebäudetechnik), OB Burkhard Mast-Weisz und Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann.

Noch ist der Anteil der Elektroautos in Remscheid gering. Mit mehr Ladesäulen sollen es E-Auto-Fahrer künftig leichter haben. Die EWR berichtet, wie sie ihr Ladesäulen-Netz deutlich ausbauen will. Es gibt bereits einige konkrete Standorte.

Von Andreas Weber

Remscheid. Von den 63.641 Kraftfahrzeugen, die zum 1. Oktober 2021 in Remscheid angemeldet waren, hatten nur 3071 einen alternativen Antrieb. 706 wurden mit Gas betrieben, 1244 als Hybrid, weitere 1121 über Elektro, davon 647 als Plug-in-Hybrid. Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg belegen: Der Anteil der Elektroautos in dieser Stadt ist noch gering.

Aber ihre Zahl nimmt stetig, wenngleich nicht sprunghaft zu. Wer sein Gefährt auf E-Mobilität umrüstet, benötigt Ladestationen. Die Stadtwerke-Tochter EWR baut dafür eine öffentliche Infrastruktur auf.

Am Mittwoch erfolgte der Start für die Offensive. Der Energieversorger stellte zwei Ladestationen mit insgesamt vier Ladepunkten in der PSR-Tiefgarage am Rathaus vor. Dabei wurde eine Säule technisch modernisiert, die andere zusätzlich installiert.

An den AC-Ladestationen kann Strom mit einer Leistung von maximal 22 Kilowatt an ein Elektroauto übertragen werden. Die neueste Generation der Ladetechnik kann bis Ende März kostenfrei getestet, Fahrzeuge rund um die Uhr aufgeladen werden. Danach richten die EWR für ihre Kunden vergünstigte Tarife ein.

Noch preiswerter wird es für Kunden, die über die EWR Ökostrom beziehen. Gedacht ist das Angebot nicht für Dauerparker, damit auch andere zum Zug kommen. Es wird nach dem Aufladen eine Karenzzeit geben, danach fallen Extrakosten an.

Oberbürgermeister Mast-Weisz: Aufbau eines Netzes für E-Mobilität ist eine Herausforderung

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nannte bei dem Pressetermin den Aufbau des Netzes für die E-Mobilität eine „Herausforderung“.

Diese Ladesäulen für E-Autos in Remscheid werden schon gut genutzt

Die EWR stellt sich dieser und erweitert sukzessive die Anlaufstellen. Eine weitere Ladestation mit zwei Punkten ist im vorderen Bereich des Autohauses Aurego an der Lenneper Straße 166 in Betrieb. „Diese wird gut genutzt“, stellte Stadtwerke-Geschäftsführer Professor Dr. Thomas Hoffmann fest.

E-Tankstellen: Diese Standorte kommen bald

Der Ladeort am Möbelhaus Knappstein wird 2022 modernisiert, am Badeparadies H2O ein weiterer aufgebaut. Bis Ende des Jahres will die EWR zudem weitere sechs Standorte mit 24 Ladepunkten einrichten. Zum Beispiel in Lüttringhausen an der Gertenbachstraße und zentral in der Innenstadt an der Konrad-Adenauer-Straße.

EWR-Ladestationen auf einen Blick mit Öffnungszeiten

Autohaus Aurego (Lenneper Straße 166, 42855 Remscheid): Immer zugänglich

PSR / Tiefgarage Rathaus (Einfahrt Alleestraße / Fastenrathstraße) - Mo-Sa 5–21 Uhr, So/Feiertag 8–19 Uhr 

Möbel Knappstein (Neuenkamper Str. 71) - Mo-Sa 10-19 Uhr. Aktuell noch herkömmliche Technik, wird bald umgestellt

Gewag-Gelände (Emil-Nohl-Straße 70 / Ecke Hasenberger Weg) - zurzeit außer Betrieb, wird mit neuer Technik ausgestattet

Sven Wolf, Aufsichtsratvorsitzender der Stadtwerke, lobte, dass in das vom Rat vergangenes Jahr verabschiedete „öffentliche Ladesäulenkonzept“ Schwung komme. Der SPD-Landtagsabgeordnete, der selbst einen VW Passat Hybrid fährt und zuhause laden kann, weiß, dass trotz der momentanen Material-Lieferschwierigkeiten „der Absatz von E-Autos eine riesige Dynamik entfalten“ wird. „Studien belegen, dass ab 2024/25 mehr E-Autos als Benziner und Diesel abgesetzt werden“, erklärte Wolf.

Gleichwohl weiß auch er um die Probleme: „Wer jetzt umsteigt, dem bleibt nur ein Neufahrzeug, denn der Gebrauchtmarkt im E-Bereich ist so gut wie nicht existent.“ Mit dem Fahrzeug alleine ist es aber nicht getan. Ohne Strom nix los. Die EWR intensivieren ihre Anstrengungen, betonen dass sie schon 300 Wallboxen an Privatkunden verkauft haben, Firmen ausrüsten. Vaillant als größter hiesiger Kunde hat 46 Ladepunkte.

Klaus Zehrtner, Öffentlichkeitsarbeit Stadtwerke, betont, dass die EWR in dieser Hinsicht mit vielen lokalen Handwerksbetrieben zusammenarbeite, dass man obendrein bestrebt sei, zu sondieren, wo in weiteren Parkhäusern der Stadt Säulen aufgestellt werden können.

Viele Unternehmen rüsten ihre Fuhrparks um. Die Stadtwerke haben 15 Ladesäulen und 16 Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge im Einsatz. „Wie die Stadtwerke stellen wir als Stadtverwaltung unsere Fahrzeuge nach und nach auf E-Mobilität um“, versicherte Burkhard Mast- Weisz. Darum fährt die Stadt meistens noch Verbrenner statt Elektro.

Hintergrund

Wer das neue Ladesystem der EWR nutzen, sein Fahrzeug an die Steckdose hängen und mit Ökostrom aufladen will, kann dies mit einer kostenlosen App (Charge Point) tun, die auf Smartphones runtergeladen werden kann. Denkbar ist auch, sich vom Anbieter eine Karte ausstellen zu lassen. Wer nicht bei Charge-Point ist, kann ad hoc laden, in dem er über eine Hotline geht, die auf den Säulen vermerkt ist. Mehr zum Laden von E-Autos unter www.ewr-remscheid.de.

Standpunkt: Riesige Kraftanstrengung

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber @rga.de

Vierteljährlich veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg Fahrzeugstatistiken. Die aktuellen Zahlen vom Januar liegen noch nicht vor, gleichwohl verrät das letzte Datenwerk vom 1. Oktober 2021, dass die E-Mobilität in Remscheid eine untergeordnete Rolle spielt. Nur 4,8 Prozent der Fahrzeuge sind mit einem alternativen Antrieb ausgestattet, reine Elektroautos gibt es nur 474 – unter 63 641 Fahrzeugen insgesamt. Zahlen, die nicht mit dem Umdenken in der Klimapolitik zusammenpassen.

Über ein Ende des Verbrenners wird seit vielen Jahren geredet, aber erst so langsam zeichnet es sich ab. 2030 sollen Benziner und Diesel Auslaufmodelle sein. Dass das funktioniert, vermögen sich viele Autofahrer noch nicht vorzustellen. Denn die Stromspeisung für die Autobatterien an öffentlichen Säulen oder im häuslichen Bereich ist entweder unzureichend oder noch unmöglich.

Finanzielle staatliche Anreize für Umsteiger täuschen nicht darüber hinweg, dass in Deutschland bei der E-Mobilität zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein Loch klafft. Eine riesige Kraftanstrengung steht noch bevor.

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