Türnotöffnung

Das ist beim Rufen des Schlüsseldienstes zu beachten

Anfang April hat Mahmut Kaplan (u.) seinen Schlüsseldienst eröffnet, es ist einer von nur rund einer Hand voll Unternehmen in Remscheid, die Türöffnungen (o.) durchführen. Fotos: Michael Schütz, Holger Hollemann/dpa
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Anfang April hat Mahmut Kaplan (u.) seinen Schlüsseldienst eröffnet, es ist einer von nur rund einer Hand voll Unternehmen in Remscheid, die Türöffnungen (o.) durchführen.

In Remscheid gibt es nur wenige Betriebe, die eine Türnotöffnung durchführen. Ein Experte gibt Tipps, was schon am Telefon zu beachten ist.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Über den Ruf seines Gewerks macht sich Mahmut Kaplan keine Illusionen: „Wenn die Leute Schlüsseldienst hören, machen die meisten zwei Schritt rückwärts“, erzählt er. Seit vielen Jahren betreibt der Remscheider einen Hausmeisterservice. Weil einige Kunden auch Türöffnungen anfragten, belegte er entsprechende Kurse – und entschied sich dann, zusätzlich einen Schlüsseldienst zu eröffnen. Trotz oder auch gerade wegen des Rufes der Branche.

Er sei überzeugt, dass sich Qualität und Ehrlichkeit langfristig durchsetzen, sagt der 36-Jährige: „Geld kommt und geht, die Freundschaft bleibt.“ Das Problem seien aber ohnehin nicht die Betriebe vor Ort, meint Kaplan. Sondern unseriöse Anbieter, die verzweifelte Kunden per Rufumleitung zu ihren Unternehmen locken. Vier oder fünf Fachfirmen gebe es derzeit in Remscheid, schätzt er. Doch Verzeichnisse wie die Gelben Seiten spucken bei einer entsprechenden Anfrage Dutzende Anbieter aus. Und in manchen Telefonbüchern gab es früher regelmäßig ganzseitige Anzeigen, die den Eindruck erwecken sollten, es handele sich um verschiedene Einträge unterschiedlicher Firmen – die aber immer zum gleichen Unternehmen führten.

Remscheid: Das empfiehlt der Schlüsseldienst-Inhaber

„Ich würde am Telefon immer genau erfragen, woher die Firma kommt“, rät deswegen Mahmut Kaplan. „Und ich würde schon am Telefon einen Festpreis ausmachen.“ Seriöse Unternehmen seien dazu in der Lage, wenn der Kunde das Vorgefallene vernünftig schildere.

Damit decken sich die Empfehlungen des Schlüsseldienst-Inhabers durchaus mit denen der Verbraucherzentrale. Auch die Verbraucherschützer haben in diesem Bereich ein Problem ausgemacht, im vergangenen Jahr widmeten sie den Weltverbrauchertag diesem Thema. Und berichteten damals von einer Verbraucherin, die für „eine einfache Türnotöffnung“ 800 Euro bezahlen sollte: „Als sie deswegen später gegen den Schlüsseldienst vorgehen wollte, stellte sich heraus, dass die Angaben auf der Rechnung frei erfunden waren.“

Die Verbraucherzentrale hat weitere Tipps

Deswegen lauten die drei wichtigsten Ratschläge der Verbraucherzentrale, wenn die Tür zugefallen ist: „Bevorzugen Sie ortsansässige Firmen, um die Fahrtkosten gering zu halten, vergleichen Sie die Preise und vereinbaren Sie einen Festpreis.“ Wichtig sei auch, genau zu klären, was der Handwerker erledigen soll, und nur zu bezahlen, was tatsächlich vereinbart war. Zudem mahnt die Verbraucherzentrale, sich nicht verunsichern zu lassen: „Sollte der gerufene Schlüsseldienst Sie unter Druck setzen, etwa indem er droht, die Tür wieder zu verschließen, zögern Sie nicht, die Polizei über den Notruf 110 zu rufen.“ Schließlich sei Nötigung strafbar.

Selbst eine Nacht im Hotel ist häufig günstiger als eine Türnotöffnung.

Die Verbraucherzentrale über mögliche Alternativen

Noch besser sei es natürlich, für solche Fälle vorzubeugen, sagt die Verbraucherzentrale. Zum Beispiel, indem man einen Ersatzschlüssel bei Nachbarn oder Freunden hinterlegt. Und vielleicht gebe es auch Alternativen zur Türöffnung, zum Beispiel eine Übernachtung bei Bekannten oder ein günstiges Hotel: „Denn selbst eine Nacht im Hotel ist häufig günstiger als eine Türnotöffnung.“

Und manchmal lohne sich auch zweiter Blick, sagt Mahmut Kaplan – und erzählt von einem Fall, in dem sich zwar der Schlüssel ins Schloss stecken, aber nicht drehen ließ. „Das sah alles danach aus, als ob ich das Schloss aufbohren musste.“ Doch in letzter Sekunde habe er noch einen Defekt am Schlüssel selber entdeckt. Kurze Zeit später hatte er einen Ersatzschlüssel gemacht und die Kundin kam wieder in ihre Wohnung.

Hintergrund

Schlüsselnotdienste, die die Notsituation von Verbrauchern für Forderungen nach weit überzogenen Rechnungsbeträgen ausnutzen, betreiben Wucher, hat der Bundesgerichtshof Anfang 2020 noch einmal bestätigt. Das erfüllt den Straftatbestand nach Paragraf 291 Strafgesetzbuch. „Die Feststellung dürfte Signalwirkung haben und zumindest das Vorgehen gegen kriminelle Firmen vereinfachen“, beurteilt die Verbraucherzentrale das Urteil. So hätten betroffene Verbraucher bessere Chancen, dass in ihrem Fall strafrechtlich ermittelt wird.

Lesen Sie auch: Verbraucherzentrale berät verunsicherte Strom- und Gaskunden

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