Andersen‘s Bäckerei

Das Gesicht des Weihnachtstreffs: Waffelbäcker feiert Goldjubiläum

Die Waffelbäckerer Andersen beim Weihnachtstreff: Erich Merken mit seinen riesigen Krapfen. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Waffelbäckerer Andersen beim Weihnachtstreff: Erich Merken mit seinen riesigen Krapfen. Archivfoto: Roland Keusch
  • Andreas Weber
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Erich Merken hat alle 50 Jahre des Marktes miterlebt. 1971 fing alles auf der Allee an.

Remscheid. Einen Nachfolger sucht Erich Merken seit zwei Jahren, gefunden hat er ihn noch nicht. Corona kam dazwischen. So wuchtet der inzwischen 82-jährige Schausteller die 25 Kilo schweren Mehlsäcke weiter persönlich in Andersen‘s Bäckerei. Waffeln, Muzen, Quarkbällchen, Mandeln und Apfelringe bietet er beim Weihnachtstreff an, seine Berliner Ballen aber sind Kult.

Der Teig ist handgeformt und -gestochen, 100 bis 110 Gramm schwer, mit Aprikosenmarmelade gefüllt. „Fast doppelt so schwer wie die maschinell gefertigten Bäckerei-Ballen“, sagt Merken. 2,50 Euro werden die Krapfen dieses Jahr kosten. Sie sind ein Teil des Süßwarenangebotes in dem zwölf Meter langen Verkaufswagen, der seinen Besitzer und dessen Ehefrau Gitta (76) durch fünf Jahrzehnte begleitet hat. Erich Merken ist ein Mann der ersten Stunde, dieses Jahr hat er goldenes Jubiläum.

1971 war er einer von vier Schaustellern, die den Weihnachtsmarkt in Remscheid auf der gerade als Fußgängerzone beruhigten Alleestraße begründeten. Auf der oberen Allee fuhren noch Autos bis zu Foto Kaiser, dem Abzweig Scharffstraße. Dahinter standen die vier Anbieter: ein Kinderfahrgeschäft, eine Imbissbude und zwei Süßwarenverkäufe. Einer davon war Erich Merken, der damals gerade dabei war, ins Geschäft der Schwiegereltern einzusteigen.

2005 gab Merken den Anstoß zum Aufbau einer Eisbahn

Zehn Jahre hatte er von 1962 bis 1972 für die Industrie Rohrpost-Anlagen gebaut. Mit der Waffelbäckerei Andersen, deren Ursprünge bis 1868 zurückreichen, seit 1933 aber im Besitz von Gittas Familie ist, erhielt der hiesige Markt seinen treuesten Beschicker. Erich Merken hat die unterschiedlichen Standorte, alle Höhen und Tiefen mitgemacht, kennt Handelnde, die den Markt runterwirtschafteten, lobt die Brüder Marcel und Alexander Müller, die den Weihnachtstreff im achten Jahr umsichtig nach vorne pushen. Das Urgestein des Marktes kann viele Geschichten erzählen, erinnert sich an Zeiten, als vierspännige Kutschen von der Zange bis zum Markt die Allee rauf- und runterfuhren, gezogen von Rappen, zum Gaudi der Kinder.

Erich Merken verhehlt nicht, dass ihm die alten Tage, in denen der Markt mehr als nur eine Fressmeile war, besser gefallen haben. Zeiten, als Schmiedekunst, Glas, Kranzgebinde, Stickereien bei den Besuchern gefragt waren. Der in Wuppertaler beheimatete Schausteller hatte 1998 die Idee zu einem Mittelaltermarkt mit Märchenzelt, in dem Kinder unterhalten wurden, während ihre Eltern Weihnachtseinkäufe erledigten. Nachhaltig war sie nicht, im Gegensatz zu einem weiteren Anstoß, den Erich Merken gab.

2005 erhielt der vorweihnachtliche Treff seinen besonderen Charme. Die Eisbahn ist die Attraktion, heute größer denn je. Gedacht war sie für die „Pänz“, bemerkt Merken. Und die Jugendlichen nehmen das Angebot dankbar an. Nach einem halben Jahrhundert würde Merken sich gerne daheim in Elberfeld zur Ruhe setzen. Noch hat sich aber niemand gefunden, der seinen Verkaufswagen mit integrierter Backstube - Baujahr 1970, aber gut gepflegt -, den Inhalt und die geheime Rezeptur, vornehmlich für seine Ballen abkauft. So macht Merken, das Gesicht des Weihnachtstreffs, weiter. Solange es körperlich geht. Auf dem Theodor-Heuss-Platz füllt sein Angebot fast eine ganze Meile aus. Denn neben der Waffelbäckerei bietet das Ehepaar in einem zweiten Wagen Reibekuchen und Bratwurst an.

Eröffnung

Heute um 19 Uhr eröffnet der Weihnachtstreff auf dem Theodor-Heuss-Platz. Geöffnet ist er bis zum 23. Dezember täglich von 11 bis 20 Uhr, freitags und samstags länger. Totensonntag (21. November) ist geschlossen. Auf dem Platz gilt die 3G-Regel.

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