Steigende Kosten für Verpflegung

Das Essen in der Schule wird deutlich teurer

Hier wird in der OGGS Eisernstein in Lüttringhausen aufgetischt.
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Der monatliche Beitrag für das Essen steigt.

Die Inflation zwingt Anbieter, die Preise zu erhöhen. Die gestiegenen Kosten werden an Eltern weitergereicht.

Von Andreas Weber und Sven Schlickowey

Remscheid. Wie wirkt sich die hohe Inflation auf die Kosten für die Verpflegung in Schule und Kita aus? Zwei Anfragen im Schulausschuss am Donnerstag beschäftigten sich mit dieser Frage. CDU und Linke wollten wissen, welche Auswirkungen die teils enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln haben. Für viele Schüler biete das Essen in der Schule die einzige Möglichkeit auf eine warme Mahlzeit, schreibt die Linke. Und: „Gerade für Familien mit mehreren Kindern stellen die hohen Essensgelder eine immense Belastung dar.“

Matthias Spaan vom Verein Die Verlässsliche.

Im Ausschuss berichtete Alexander Schmidt (CDU), Lehrer am Röntgen-Gymnasium: „Die Preise am Rögy sind schon zweimal gestiegen, zwar nur um 20, 30 Cent, aber in der Summe kann es zum Problem werden.“ Das sah auch Karsten Neldner so. Der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft nannte für die Sophie-Scholl-Gesamtschule eine Steigerung von über 20 Prozent. Der Stadtverwaltung teilte in ihrer Antwort auf die Anfrage mit, dass ihr nur eine Erhöhung zum 1. August bekannt sei. An der Hilda-Heinemann-Schule sei der Preis je Essen um etwa 29 Cent gestiegen. Doch auch andere Anbieter haben die Preise erhöht oder befürchten, dies bald tun zu müssen.

Beim Verein die Verlässliche, der an 15 Standorten in Remscheid OGS-Betreuung samt Mittagessen anbietet, beträgt das monatliche Essengeld seit kurzem 60 statt 54 Euro, berichtet Matthias Spaan. Das sei schon „eine große Erhöhung“, räumt der stellvertretende Geschäftsführer ein. „Aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.“

„Auch ein gesundes Essen in der Schule sollte kostenfrei sein.“

Matthias Spaan, Verlässliche

Hauptgrund dafür sei die Lage auf dem Lebensmittelmarkt: „Bestimmte Dinge sind nicht mehr zu bekommen, andere kosten plötzlich doppelt so viel oder noch mehr.“ Man sei bemüht, die Erhöhungen gering zu halten. „Aber wir müssen aufpassen, dass das kein Minus-Geschäft wird.“

Auch bei der OGS der Daniel-Schürmann-Schule sieht es ähnlich aus. Man rechne damit, dass der Caterer, der die Einrichtung beliefert, die Preise erhöht, sagt Leiterin Heike Nolden. Und diese Erhöhung müsse man weitergeben. „Da ist keine Luft mehr nach oben.“ Bereits im Vorjahr habe der Lieferant die Preise angepasst. Das habe man abfedern können. Diese Möglichkeit gebe es nun nicht mehr.

Inflation: „Das Thema Preissteigerung wird uns so schnell nicht wieder verlassen“

Ein wesentlicher Teil des Problems sei, dass es kaum eine andere Möglichkeit gebe, als gestiegene Kosten bei der Schulverpflegung an die Eltern weiter zu reichen, erklären Heike Nolden und Matthias Spaan. Eine andere Einnahmequelle sei ausdrücklich nicht vorgesehen und die meisten Einsparmöglichkeiten längst ausgeschöpft.

„Wir sind bemüht, im Rahmen der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung so wirtschaftlich wie möglich zu kochen“, sagt Spaan. „Wir kaufen, wo es geht, regional und saisonal ein, es gibt maximal einmal pro Woche Fisch und einmal pro Woche Fleisch.“ Sogar das Brot backe man selber. Weiteres Sparpotenzial gebe es kaum.

Helfen könnten Fördermittel. In Hamburg protestierten im Juni Beschäftigte von Catering-Unternehmen vor dem Rathaus, um einen Inflationsausgleich fürs Schulessen zu fordern. Etwas in der Art könnte auch in NRW kommen, schreibt die Verwaltung in ihrer Mitteilungsvorlage: „Dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung ist zu entnehmen, dass das Land beabsichtigt, einer finanziellen Überforderung von Eltern durch die Essensentgelte im Rahmen eines eigenen Förderprogramms zu begegnen.“

 „Goldrichtig“, findet das Spaan: „Das würden wir sehr begrüßen.“ Nicht nur wegen der Preissteigerungen. „Bildung sollte kostenfrei sein“, sagt Spaan. „Das beinhaltet aus meiner Sicht auch ein gesundes Essen in der Schule.“ Wie der inflationären Entwicklung in Remscheid begegnet werden könne, darüber herrschte Dissens im Schulausschuss. Waltraud Bodenstedt (WiR) sah keinen Spielraum: „Wir wissen nicht, wie wir das finanzieren sollen und können nicht alle Lebensrisiken versichern.“ Erden Ankay-Nachtwein (SPD) wollte die Entwicklung ein paar Monate beobachten, dann Schlüsse ziehen. Alexander Schmidt und Axel Behrend forderten aus den absehbaren Steigerungen, diese Schlüsse deutlich schneller zu ziehen.

Möhrchen hilft

Bei der Suche nach Lösungen, die betroffene Eltern unterstützen bei Mehrzahlungen für das Essensgeld ihrer Kinder, verwies Schuldezernent Thomas Neuhaus im Ausschuss auf zwei Möglichkeiten: einmal das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) sowie auch den Verein Möhrchen, der Mahlzeiten in Remscheider Schulen fördert.

Standpunkt von Andreas Weber: Problem ist schon da

andreas.weber@rga.de

CDU-Politiker Alexander Schmidt beschleicht oft der Eindruck, dass manches bei der Ampel-Mehrheit in den politischen Gremien keinen Widerhall findet, weil es von seiner Fraktion kommt. Bei der Diskussion im Schulausschuss über die Verteuerung der Schulessen konnten Beobachter zu dem Eindruck gelangen, dass er mit dieser Einschätzung richtig liegt. Alles kostet mehr, die Nahrungsmittel vorneweg.

Die Stadtverwaltung bleibt hingegen gelassen, sieht für den schulischen Bereich noch keine Veränderungen. Auch die SPD will erst mal beobachten. Dabei, und dies wurde im Ausschuss mehrfach betont, schlagen die Steigerungen in den Schulen längst durch. Der CDU „Populismus“ zu unterstellen, wie es Erden Ankay Nachtwein tat, ist kein guter Stil in einem sonst der Sache verpflichteten Fachausschuss. Denn Aufgabe der Politik ist es, vorausschauend zu agieren und nicht abwartend. Das Bezahlen von Schulessen wird nicht zu einem Problem, es ist bereits eines.

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