Verbraucherzentrale gibt Tipps

Darauf ist beim digitalen Erbe zu achten

Wie geht es mit meinen Online-Konten weiter, wenn ich mich selber nicht mehr darum kümmern kann? Die Verbraucherzentrale rät, sich frühzeitig mit dieser Frage zu beschäftigen. Archivfoto: Christian Beier
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Zugänge zu Online-Konten und andere Daten gehören zum digitalen Erbe. Das sollte genauso zu Lebzeiten vernünftig geregelt werden wie das andere Erbe auch, raten Verbraucherschützer.

Wie geht es mit den Online-Konten, wenn man sich selber nicht mehr darum kümmern kann? Tipps der Verbraucherzentrale zu E-Mail-Konten und Co.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. E-Mail-Konten, Profile in sozialen Netzwerken oder Dokumente in der Cloud – Teile des digitalen Lebens bestehen auch über den Tod des Nutzers hinaus. Und um die muss sich dann irgendjemand kümmern. „Die Erben übernehmen grundsätzlich alle Rechte und Pflichten, die sich aus dem digitalen Nachlass ergeben“, sagt Carl Christoph Möller, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. „Wurde der digitale Nachlass nicht geregelt, beginnt für die Angehörigen oft eine komplizierte Suche nach Zugangsdaten, um zum Beispiel kostenpflichtige Dienste zu kündigen.“

Liste der Konten

Deswegen rät die Verbraucherzentrale dazu, das Thema schon zu Lebzeiten zu regeln. Und damit zu starten, sich einen Überblick über die eigenen Online-Aktivitäten zu verschaffen: „Dazu gehören E-Mail-Konten, Bezahldienste, Streamingdienste, soziale Netzwerke und vieles mehr.“ Diese Liste sollte auch Hinweise enthalten, was mit den Daten und Konten aber auch mit digitalen Endgeräten wie Smartphones und Rechnern passieren soll, wenn sie durch Krankheit oder Tod nicht mehr selbst verwaltet werden können.

Helfen könne dabei eine Musterliste, wie sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW zum Download bereit steht, sagen die Verbraucherschützer. „Die Liste kann ausgedruckt oder auf einem USB-Stick gespeichert werden und sollte nur an einem sicheren Ort, wie einem Tresor oder Bankschließfach, verwahrt werden.“ Alternativ könne man auch einen Passwort-Manager nutzen: „Das Masterpasswort für den Manager muss jedoch ebenfalls für die Erben auf einem sicheren Weg zugänglich gemacht werden.“

Vertrauensperson bestimmen

Als Verwalter der Liste und damit des digitalen Erbes sollte man eine Vertrauensperson bestimmen, rät die Verbraucherzentrale: „Dies wird in einer Vollmacht festgehalten, die persönlich unterschrieben und mit Datum versehen sein muss.“ Unabdingbar sei dabei außerdem der Hinweis, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt. Auch dafür gebe es eine Muster-Vorlage im Online-Angebot der Verbraucherzentrale. Die Vollmacht müsse dann noch an die Vertrauensperson übergeben werden, sagen die Verbraucherschützer: „Auch Angehörige sollten über die Regelung des digitalen Nachlasses informiert werden.“

Zudem gibt es inzwischen auch kommerzielle Nachlassverwalter, Firmen, die sich gegen Bezahlung ums digitale Erbe kümmern. „Die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit solcher Anbieter lässt sich allerdings nur schwer beurteilen“, mahnt die Verbraucherzentrale aber. Und rät dazu, Leistungsumfang und die Kosten genau zu prüfen. Zudem sei es sinnvoll, ein Augenmerk auf die Frage zu legen, was mit dem Nachlass geschieht, wenn der Dienst beispielsweise durch Insolvenz vom Markt verschwindet, bevor der Erbfall eingetreten ist.

„Passwörter sollten einem Unternehmen in keinem Fall anvertraut werden“, raten die Verbraucherschützer. Auch Computer, Smartphones, Tablets und andere Geräte sollten nicht an kommerzielle Anbieter übergeben werden, damit dieser sie nach Hinweisen auf den digitalen Nachlass durchsuchen kann: „Hierbei gelangen womöglich zu viele persönliche Daten an Unbefugte.“

Lösungen der Anbieter

Daneben haben einige großen Anbieter von Online-Diensten inzwischen eigene Lösungen für den Fall, dass der Nutzer stirbt, entwickelt. Bei Google kann der User zum Beispiel zu Lebzeiten über den sogenannten Kontoinaktivität-Manager festlegen, wer Zugriff auf die Daten bekommt und wann das Konto gelöscht werden soll.

Bei Facebook hingegen können Profile in einen „Gedenkzustand“ versetzt werden und sind dann weiter für Freunde erreichbar. Zudem gibt die dort die Möglichkeit, einen Nachlasskontakt zu hinterlegen, der sich um das Konto im Gedenkzustand kümmern soll. Alternativ kann der User aber auch bestimmen, wann sein Konto gelöscht werden soll.

Zugang ohne Daten

Sollten den erbenden Angehörigen die Zugangsinformationen für einen Online-Dienst doch einmal fehlen, haben sie prinzipiell einen Anspruch darauf, vom Anbieter den Zugang zum Konto der verstorbenen Person zu erhalten. Das wurde auch durch den Bundesgerichtshof ausdrücklich so entschieden, in diesem speziellen Fall ging es um ein Facebook-Konto. Der Zugang setzt jedoch eine entsprechende Identifikation als Erben gegenüber dem Anbieter voraus und kann daher mit erheblichen Aufwand verbunden sein. Besser ist es also vorzusorgen.

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