Schutz ist auch für kleine Unternehmen wichtig

Cyber-Krieg bedroht deutsche Wirtschaft

Kooperation beim Schutz vor Cyber-Attacken: Sebastian Zimnol (eingeklinktes Bild) und Arndt Köhler. Fotos: Roland Keusch / Michael Schütz
+
Arndt Köhler, Sprecher der bergischen Versicherungskaufleute in Wuppertal, Solingen und Remscheid.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Aufklärung und Datensicherheit: Versicherungskaufmann Arndt Köhler und die Firma Wetog gehen Kooperation ein.

Remscheid. Der Erpressungstrojaner auf den Rechnern des Ingenieurbüros sorgte für schwere finanzielle Schäden. Durch den Schadstoffwarebefall auf zentraler Dateiablage sowie mindestens drei Arbeitsplatzrechnern verlor der Ingenieur die Arbeit der letzten 14 Tage, das Büro musste 12 Tage geschlossen werden. Ein Fall aus der Praxis der Allianz. Die Versicherung zahlte 41 600 Euro, abzüglich der Selbstbeteiligung. Der Kunde hatte eine Cyber-Versicherung, bekam deshalb Ersatz.

In den Top 10 der Geschäftsrisiken weltweit sieht ein „Risiko-Barometer“ der Allianz die Cyber-Vorfälle mit 44 Prozent vorne, vor Betriebsunterbrechungen (42 %) und Naturkatastrophen (25 %). „In Deutschland sind zwar die Betriebsunterbrechungen noch die Nummer 1, aber auch hier gilt: Die Cyber-Vorfälle sind eine zunehmende Bedrohung“, erklärt Arndt Köhler, Sprecher der bergischen Versicherungskaufleute in Wuppertal, Solingen und Remscheid.

Der 50-jährige Remscheider macht, was Versicherungsvertreter aller Gesellschaften tun: Schutz vor Angriffen im Internet anbieten. Ab April geht der Allianz-Generalvertreter einen Schritt weiter. In einer Kooperation mit dem jungen, innovativen Remscheider Unternehmen Wetog, dessen Kernkompetenz die Datensicherheit ist, will er den Schutz optimieren. Köhler und Wetog-Gründer Sebastian Zimnol kennen sich aus der Gründerschmiede und erkannten in Gesprächen die Dringlichkeit.

„Längst nicht nur DAX-Konzerne sind betroffen, auch kleinere Unternehmen.“

Arndt Köhler, Versicherungsagent

Die Zusammenarbeit läuft darauf hinaus, dass Arndt Köhler bei Kunden das Bewusstsein für die Gefahren aus dem Netz schärft, über seine Generalvertretung in Firmen entsprechende Mitarbeiterschulungen anbietet, die Wetog bei Unternehmen die technischen Lösungen findet, um mögliche Sicherheitslücken ausfindig zu machen und zu schließen. Sebastian Zimnols tägliches Geschäft ist es, die EDV und digitale Kommunikation sicherer zu machen. Er weiß: „Wir befinden uns längst in einem Cyber-Krieg, der auch die deutsche Wirtschaft schädigt.“

Wetog-Gründer Sebastian Zimnol.

Der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben ermittelt, dass 73 Prozent der Mittelständler konkret von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen seien. 23 Prozent der Mittelständler den Verdacht einer Cyber-Attacke hegen, 23 Prozent Diebstahl-Opfer von sensiblen Daten geworden seien. Der Gesamtschaden aller befragten Industrieunternehmen soll bei 43,4 Milliarden Euro liegen.

Ausspähung von Daten und das Lahmlegen von Servern

„Cyber-Abwehr muss in Unternehmen Chefsache sein. Die Cyber-Versicherung ist der Feuerschutz des 21. Jahrhunderts“, fordert Köhler. Es könne jeden treffen, sagt er. „Längst nicht nur DAX-Konzerne sind betroffen, auch kleinere Unternehmen“, sagt Köhler. Die seien sogar stärker im Fadenkreuz von Hackern und Datenklauern als größere Mittelständler, weisen die Recherchen von Bitkom und BSI aus.

Die eine Schiene der Angriffe zielt auf die Ausspähung von wichtigen Daten wie Patenten, die andere auf das Lahmlegen von Servern, um Firmen zu erpressen. Arndt Köhler denkt an 2016, als er erstmals in Deutschland mit dem Phänomen konfrontiert wurde durch Medienberichte eines Cyberangriffs auf das Lukaskrankenhaus in Neuss. Der Schaden lag bei 900 000 Euro.

Im Endeffekt werde eine adäquate Versicherung gegen die Bedrohung billiger sein, als mit hohen Ausfallkosten konfrontiert zu sein. Köhler nennt für die Allianz Zahlen: Ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 300 000 Euro muss für eine Cyber-Versicherung, die Schäden bis 100 000 Euro abdeckt, um die 375 Euro pro Jahr entrichten.

Hintergrund

Die Versicherer warnen, dass viele Unternehmen zu sorglos mit ihren Daten umgehen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat errechnet, dass 71 % der kleinen und mittleren Unternehmen in den letzten zwei Jahren betroffen oder vermutlich von Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl betroffen waren. Nur vier von zehn Firmen seien auf Cyberangriffe vorbereitet. Die Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS), ein Spezialversicherer, berichtet, dass jeder zehnte Kunde schon Schäden gemeldet hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Sportbund: Nach den Ferien wird warm geduscht
Sportbund: Nach den Ferien wird warm geduscht
Sportbund: Nach den Ferien wird warm geduscht
B229: Stau von Ueberfeld bis Lennep
B229: Stau von Ueberfeld bis Lennep
B229: Stau von Ueberfeld bis Lennep
 Jedes dritte Kind kommt mit dem Elterntaxi zur Schule
 Jedes dritte Kind kommt mit dem Elterntaxi zur Schule
 Jedes dritte Kind kommt mit dem Elterntaxi zur Schule
Corona: Inzidenz steigt weiter an
Corona: Inzidenz steigt weiter an
Corona: Inzidenz steigt weiter an

Kommentare