Lockerungen - Frust trotz Luca-App

Nicht alle Gastronomen sind vom Start weg mit dabei

Viel Platz, um die Corona-Regeln einzuhalten: Torsten Dehnke freut sich, wenn er am Mittwoch den Biergarten seines Bistro Miro wieder öffnen darf. Andere Gastronomen sind da noch zurückhaltender. Foto: Roland Keusch
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Viel Platz, um die Corona-Regeln einzuhalten: Torsten Dehnke freut sich, wenn er am Mittwoch den Biergarten seines Bistro Miro wieder öffnen darf. Andere Gastronomen sind da noch zurückhaltender.

Bleiben die Inzidenzen stabil, darf am Mittwoch die Außengastronomie wieder öffnen

Von Axel Richter und Sven Schlickowey

Remscheid. Die Luca-App sollte den Gastronomen das Leben eigentlich leichter machen. Sie werden sehen. Fakt ist: Auf die Daten der App hat nur das Gesundheitsamt Zugriff. Doch das Ordnungsamt muss ebenfalls kontrollieren können, wer wann und wie lange im Restaurant zu Gast war. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) werden die Gastronomen deshalb erneut ihre Gäste um das Ausfüllen von Zetteln mit Name, Anschrift und dergleichen bitten müssen.

Doch auch ohne diesen Treppenwitz kommt Markus Kärst, Küchenchef im Hotel Restaurant Kromberg und Dehoga-Vorsitzender in Remscheid, zu einer einfachen Einschätzung: Die Kontrollen, die die Gastronomen nach Wiederöffnung ihrer Betriebe mutmaßlich am Mittwoch dieser Woche an ihren Gästen vornehmen sollen, „sind der reine Wahnsinn“. Nicht wenige Wirte werden auch deshalb ihre Außengastronomie noch nicht wieder öffnen und warten stattdessen auf eine weiter sinkende Inzidenz mit geringeren Auflagen.

„Die Leute sind natürlich alle heiß drauf.“

Paul Clemens über den Neustart der Gastronomie

„Wir werden dann öffnen, wenn wir auch unsere Innenräume wieder nutzen dürfen“, sagt Paul Clemens, der mit Tino Burk und Kollegen unter anderem das Schützenhaus in Alt-Remscheid und die Klosterschänke in Lennep betreibt. Alles andere sei zu unsicher, das bergische Wetter für eine funktionierende Außengastronomie zu unstet. „Die Leute sind natürlich alle heiß drauf“, weiß Clemens und bittet dennoch um Geduld. Der Betrieb müsse sich schließlich rechnen.

Auch die Villa Paulus will den Neustart abwarten und vor allem gut vorbereiten. „Wir haben wie alle anderen eine schwere Zeit hinter uns, die wir beinahe nicht überlebt hätten“, sagt Joachim Schreiber, der mit Robert Paulus das Haus an der Schüttendelle betreibt. Die Corona-Zwangspause nutzten sie für Umbauten, um ihre Villa ein Stück weit neu zu erfinden. Noch ist nicht alles abgeschlossen. Der Neustart nach langer Schließung erfordere zudem eine gewisse Vorlaufzeit. „Wir kommen zurück“, versprechen Schreiber und Paulus. Aber noch nicht am Mittwoch.

Das gilt auch für Christoph Winkelströter, Geschäftsführer des Bistro Kaffeeklatsch am Alten Markt in Lennep. Allerdings will er den Neuanfang doch früher wagen als andere und vielleicht schon am kommenden Wochenende öffnen. 40, 50 Sitzplätze will der Lenneper coronakonform vor seinem Bistro einrichten. Neue Schirme sollen die Gäste gegen Regen schützen. Der Familienbetrieb hofft deshalb nicht nur auf ein weiter sinkendes Infektionsgeschehen, sondern auch auf gutes Wetter. „Allein Getränke und Lebensmittel kosten uns für den Neustart 3000 bis 4000 Euro“, sagt Winkelströter.

Einer, der pünktlich am Mittwoch öffnet, wenn die Inzidenz es denn erlaubt, ist Torsten Dehnke. Sein Miro in der Scharffstraße verfügt ebenfalls über einen großen Biergarten. Gerade füllt der Gastronom die Bierfässer und Regale auf. Die Karte falle zum Neustart etwas kleiner aus, sagt Dehnke, „aber es werden bestimmt alle satt werden“. Das Miro-Team freut sich auf den Neustart. Auch wenn einer von ihnen an der Tür stehen muss, um die Gäste zu kontrollieren: auf einen Impfpass, den Personalausweis, einen negativen Corona-Test oder ein ärztliches Attest, das dem Gast bestätigt, von Corona genesen zu sein.

Und dann müssen die Gastronomen ihre Gäste trotz Luca-App ja möglicherweise auch wieder Zettel ausfüllen lassen. Jürgen Beckmann, Leiter des Ordnungsamtes, hatte sich Ende vergangener Woche noch nicht mit den neuen Vorschriften befasst. Doch schon weil nicht jeder die Luca-App auf dem Handy haben dürfte, steht für ihn fest: „Nur Luca ist nicht zulässig.“

Die Regeln für den Neustart

Wer nach fünf Werktagen in Folge mit einer Inzidenz unter 100 die Außengastronomie besuchen will, muss entweder einen negativen Test, nicht älter als 48 Stunden, einen Nachweis über eine Corona-Infektion, die mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate her ist, oder einen Impfpass mit vollständiger Corona-Impfung vor mindestens 14 Tagen vorlegen. Der Gastronom ist verpflichtet, dies zu kontrollieren, darf es aber nicht fotografieren oder kopieren. Jedem Gast muss ein fester Sitz- oder Stehplatz zugewiesen werden. Den Betrieb betreten darf nur, wer auf die Toilette muss, Regen oder Ähnliches ist kein Grund. Zwischen den Gästen gilt 1,5 Meter Abstandspflicht, für die Bedienung Maskenpflicht. An einem Tisch dürfen maximal Mitglieder von zwei verschiedenen Hausständen sitzen, Genesene und Geimpfte sowie Kinder werden dabei nicht mitgerechnet. Im Außer-Haus-Geschäft, also auch bei Eisdielen und Imbissen, fällt die 50-Meter-Regel weg.

Standpunkt: Ein wenig Geduld, bitte!

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Wieder mal eines dieser Dinger, die man erstmal hinbekommen muss: Da werden in der Neufassung der Coronaschutzverordnung des Landes NRW extra Apps wie Luca zur Kontaktverfolgung aufgenommen – und dann lässt man den Passus, der besagt, dass alle Daten auch für das Ordnungsamt kontrollierbar sein müssen, drin, was zwangsläufig dazu führt, dass die Apps zwar genutzt werden können, die Papierlisten aber weiterhin notwendig bleiben. Als ob der Aufwand für die Gastronomen, die ja nicht nur Test, Genesungsbescheinigung oder Impfpass, sondern auch Ausweis kontrollieren müssen, um zu sehen, dass der Nachweis auch zum jeweiligen Gast gehört, nicht schon hoch genug wäre. Deswegen: Wenn es am Mittwoch, am kommenden Wochenende oder wann auch immer wieder losgeht mit der Gastro, bitte bleiben Sie, bei aller verständlicher Begeisterung, geduldig! Der Gastwirt kann nichts für diesen Verwaltungswust. Und die Pandemie mit unzureichenden Abständen wieder anzuheizen, lohnt sich nun wirklich nicht.

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