Pandemie

Corona: Stadt verzichtet vorerst auf schärfere Regeln

Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus bedauert, dass noch 18 600 Remscheider ungeimpft sind.Foto: Roland Keusch
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Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus bedauert, dass noch 18.600 Remscheider ungeimpft sind.

Es gibt so viele Corona-Infizierte wie nie zuvor. Doch die Lage auf den Intensivstationen im Sana-Klinikum ist weiter entspannt. Dennoch sind zu viele Remscheider ungeimpft.

Von Axel Richter

Remscheid. Der Corona-Krisenstab wird die in Remscheid geltenden Schutzmaßnahmen vorläufig nicht verschärfen. Grund ist die nach wie vor entspannte Lage in den Krankenhäusern. Zwar stecken sich gegenwärtig so viele Remscheider an wie zu keinem anderen Zeitpunkt im Verlauf der Pandemie. Auf der Intensivstation des Sana-Klinikums macht sich das jedoch nicht bemerkbar. Lediglich zwei Covid-Patienten liegen dort, keiner muss beatmet werden.

Aktuelle Infos zur Corona-Situation in Remscheid

„Die klinische Versorgung der Bevölkerung ist stabil“, sagt Krisenstabssprecherin Viola Juric. Solange das so bleibt und die kritische Infrastruktur (Polizei, Feuerwehr, Energieversorgung, Personennahverkehr etc.) reibungslos funktioniert, „kommt für uns eine Veränderung der geltenden Maßnahmen nicht in Frage“. Allerdings, schränkt Viola Juric ein: „Wir betreiben ein permanentes Monitoring.“

Unterdessen werden die Daten zur Einschätzung der Gesundheitslage immer unsicherer. Die Test-Labore kommen mit den Untersuchungen nicht nach, Neuinfektionen werden erst Tage später gemeldet. Viele Infizierte begeben sich zudem selbst in Quarantäne und testen sich nach sieben Tagen selbst frei.

Auch davon erfährt das Gesundheitsamt nichts. Die Corona-Dunkelziffer dürfte deshalb mittlerweile weit höher liegen als die offiziellen Corona-Fallzahlen der Stadt.

Das sind 79,9 Prozent. Das ist eine beachtliche Zahl.

Thomas Neuhaus, Krisenstab

Die erweitert unterdessen ihre Impf-Infrastruktur. Nächste Woche soll eine fünfte Impfstelle öffnen, berichtet Thomas Neuhaus, Chef des Corona-Krisenstabes. Mit dem Stand der Impfkampagne zeigt er sich noch nicht zufrieden. Mittlerweile haben sich 74.970 Erwachsene in Remscheid für eine Impfung entschieden. „Das sind circa 79,9 Prozent. Das ist eine beachtliche Zahl“, sagt Neuhaus. „Sie bedeutet aber auch, dass sich von den 92.700 Erwachsenen in Remscheid bisher noch circa 18.600 nicht für eine Erstimpfung entscheiden konnten.“

Am Freitag kommt der Corona-Krisenstab zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Bisher galt, dass in Remscheid keine anderen Corona-Regeln gelten als auf Landesebene. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es dabei bleibt.

Standpunkt: Zeit für Ehrlichkeit

axel.richter@rga.de

Die Test-Labore kapitulieren. Längst gehen täglich mehr Proben bei ihnen ein, als sie untersuchen können. Die Infektionszahlen, die sie liefern, gehen deshalb verzögert bei den Gesundheitsämtern ein. Zudem weiß kein Amtsarzt, was sich im häuslichen Bereich abspielt, wie viele Menschen sich also nach sieben Tagen der selbstgewählten Isolation „frei testen“. Mit anderen Worten: Die Behörden verlieren zunehmend den Überblick über den Stand der Pandemie und stehen kurz davor, sie einfach laufenzulassen. In den Schulen ist das längst der Fall. Schon nach den Herbstferien sind die Kinder dort der Durchseuchung anheimgegeben worden. Dass die Schulen nach einem positiven Pooltest jetzt selbst herausfinden sollen, wer in der Klasse positiv ist und dazu erneut alle Kinder das Schulgebäude betreten und sich der Infektionsgefahr aussetzen müssen, unterstreicht dies deutlich. Es ist deshalb an der Zeit, ehrlich zu beschreiben, was jetzt geschieht. Es gibt gewiss viele gute Gründe dafür, die Schulen offen zu halten. Allerdings zahlen wir dafür einen hohen und hoffentlich nicht zu hohen Preis: die Durchseuchung unserer Kinder.

Lesen Sie auch: Corona in der JVA: Hafthaus wird zur Quarantänestation

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