Mitarbeiter nehmen Beschwerden entgegen

Corona: Leitstelle wird zur Infobörse

Lorena Heilmann und Winfried Hille kümmern sich in der Leitstelle um die Anliegen der Anrufer. Foto: Roland Keusch
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Lorena Heilmann und Winfried Hille kümmern sich in der Leitstelle um die Anliegen der Anrufer.

Vor einem Jahr richtete das Remscheider Ordnungsamt eine Service-Telefonnummer ein.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Vor knapp einem Jahr nahm die neue Leitstelle des Ordnungsamts ihren Betrieb auf. Die Mitarbeiter haben eine Hauptaufgabe: Sie kümmern sich um Hinweise und Beschwerden aus der Remscheider Bevölkerung. Das Spektrum reicht von Ruhestörung in der Nachbarschaft bis zur wilden Müllkippe im Wald, von freilaufenden Hunden in der Grünanlage bis zum Lkw, der im Halteverbot steht. Im Schnitt gehen nach Rathausangaben 50 bis 60 Anrufe pro Tag ein. „Wir können die Einsätze nun deutlich besser koordinieren – und Auffälligkeiten entdecken, weil jeder Vorfall zentral dokumentiert wird“, zieht Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke ein positives Fazit. Vor allem aber haben Ratsuchende nun eine Telefonnummer bei der Stadtverwaltung, die sie gezielt für ihr Anliegen wählen können. Unter Tel. 16 9000 wird ihnen weitergeholfen. Besetzt ist die Zentrale montags bis freitags von 6.45 bis 22.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 22.30 Uhr.

Dort erlebt Marius Schüler einen durchaus interessanten Berufsalltag, wie er sagt. Er ist Teil des Leitstellenteams, das im Zwei-Schicht-Betrieb arbeitet. „Wir wissen vor Dienstantritt ja nicht, was auf uns zukommt“, berichtet der 24-Jährige über die vielfältigen Sorgen und Nöte, mit denen er konfrontiert wird.

Remscheid: Leitstelle ist per Funk mit Außendienst verbunden

Per Funk ist er im Ämterhaus mit seinen Kollegen im Außendienst verbunden, die er informiert, wenn dies notwendig ist. Sie schauen nach dem Rechten – zum Beispiel, wenn Anrufer den permanenten Krach im Nachbarhaus oder alkoholbedingte Randale vor ihrer Haustür beklagen. „Wenn es nötig ist, können die Kollegen Verstärkung anfordern“, berichtet Marius Schüler. Bis zu fünf Teams des Ordnungsdienstes seien kreuz und quer im Remscheider Stadtgebiet unterwegs, erklärt der 24-Jährige, der in der Leitstelle auch als Ausbilder im Einsatz ist. Geprägt ist seine Arbeit vor allem durch die Corona-Pandemie. Zum einen gehen immer wieder Hinweise ein, dass Remscheider gegen die Schutzverordnungen verstoßen – etwa bei Partys oder sonstigen Zusammenkünften. Zum anderen beantworten die Mitarbeiter vielfältige Fragen über die Corona-Erlasse, die zuletzt immer wieder verändert und verschärft wurden. „Ein ganz großes Thema war dabei, wo die Maskenpflicht in der Innenstadt gilt und welche Masken wo getragen werden müssen“, blickt Schüler zurück. Aber auch mit Fragen zur Massenimpfung wurde die Leitstelle konfrontiert – auch wenn sie dabei nur bedingt weiterhelfen konnte, weil die Terminvergabe nicht Aufgabe der Stadt, sondern der Kassenärztlichen Vereinigung ist.

Die Leitstelle des Ordnungsdienstes ist Teil des neuen Sicherheitskonzepts, mit dem das Rathaus Wünschen aus der Bevölkerung Rechnung trage. „Wir haben unsere Präsenz im Stadtgebiet deutlich erhöht“, berichtet Barbara Reul-Nocke, die in Absprache mit dem Personalrat der Stadtverwaltung die Rufbereitschaft der Leitstelle auf den Sonntag ausbauen will. Zudem möchte sie die Zusammenarbeit mit der Polizei intensivieren. „Wir hatten erst im Dezember ein Treffen, bei dem es um illegalen Leistungsbezug ging.“ Mitarbeiter der Familienkasse und Vertreter der Polizei tauschten sich aus – zum Beispiel über verdächtigen Kindergeldbezug. Dieses behördenübergreifende Vorgehen soll sich aber auch in gemeinsamen Sprechstunden widerspiegeln. Diese wurden zwischenzeitlich von Polizei und Ordnungsamt im Ämterhaus angeboten. „Wir müssen aber zu den Leuten“, erklärt die Rechtsdezernentin, die plante, Sprechstunden im Allee-Center, aber auch in Lennep und Lüttringhausen zu starten. Termine habe es schon gegeben, Sie wurden wegen Corona aber zunächst vertagt. 

Standpunkt: Bürgernähe gefunden

Von Frank Michalczak

Die Arbeit der Ordnungshüter, die im Dienste der Stadt aktiv sind, wird häufig in Internet-Foren oder an Stammtischen kritisch betrachtet. Die einen werfen ihnen vor, es mit Kontrollen und Sanktionen zu übertreiben.

frank.michalczak @rga-online.de

Die anderen halten sie für zu passiv und fühlen sich bei Missständen im Stich gelassen. Es ist also kaum möglich, in der Gemengelage unterschiedlicher Erwartungen eine Strategie zu finden, mit denen alle zufrieden sind. Unstrittig dürfte allerdings sein, dass die Behörden-Mitarbeiter bürgernah arbeiten und möglichst barrierefrei erreichbar sein sollten. 

Vor diesem Hintergrund ist die Einrichtung der Leitstelle des Ordnungsamts ganz sicher ein Gewinn. Alleine schon deswegen, weil sich Ratsuchende mit ihrem Anliegen nicht mehr mühsam durchfragen müssen, sondern mit der 16 9000 eine zentrale Telefonnummer wählen können. Die Mitarbeiter in der Leitstelle können ganz sicher nicht in jedem Fall weiterhelfen. Sie wissen aber zumeist, wer es kann. So kommt ihnen bei den vielfältigen Anfragen auch eine Lotsenfunktion zu – das ist eine wichtige Aufgabe, nicht nur in Zeiten der Pandemie. 

Kontakt

Die Leitstelle des Remscheider Ordnungsamts ist telefonisch unter

Tel. 16 90 00

zu erreichen. Sie nimmt aber auch Mails entgegen (auch mit Fotos von Ärgernissen, zum Beispiel wilden Müllkippen). Die Adresse lautet

leitstelle.ordnungsamt@ remscheid.de

Corona-Schutzverordnung: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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