Verbot ergibt keinen Sinn

Corona-Krisenstab will die Remscheider böllern lassen

Wenn es nach der Stadt Remscheid geht, steht dem Silvesterfeuerwerk nichts entgegen. Es sei denn, das Land entscheidet anders. Archivfoto: RK
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Wenn es nach der Stadt Remscheid geht, steht dem Silvesterfeuerwerk nichts entgegen. Es sei denn, das Land entscheidet anders.

Menschen soll in der Pandemie ein Stück Normalität erhalten bleiben.

Von Axel Richter und Manuel Praest

Remscheid. Silvester ohne Knaller und Raketen? Die Diskussion ums Feuerwerk zum Jahreswechsel wird von Jahr zu Jahr schärfer geführt. Der Feinstaub, der noch an Neujahr die Atemluft belastet, und Tiere, die bei der Knallerei Todesangst leiden, wurden von den Kritikern bislang ins Feld geführt. Nun gewinnen die Befürworter eines Feuerwerks-Verbots mit der Corona-Pandemie ein gewichtiges Argument hinzu.

Doch Remscheid wird ihnen nicht folgen, jedenfalls nicht alleine. Der Corona-Krisenstab verweist auf die Landesregierung. Kommt von dort kein Verbot, darf zum Jahreswechsel auch in der Pandemie geböllert werden.

„Wir sind der Meinung, dass man den Menschen erst recht in dieser Situation so viel Normalität wie möglich lassen muss“, sagt Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus (Grüne). „Dabei gehen wir davon aus, dass sich die Menschen beim Anzünden von Böllern und Raketen nicht unkontrolliert und wechselweise in den Armen liegen.“ Denn auch zum Jahreswechsel soll gelten: Maske tragen, Abstand halten und Hände waschen.

„Verletzungen durch Feuerwerk spielen nur eine untergeordnete Rolle.“ 

Dr. Yang-Chul Böring, Sana-Notaufnahme

Den Niederländern reicht das nicht. Sie haben die Knallerei an Silvester verboten. Corona lässt ihr Gesundheitssystem bereits am Limit arbeiten. Es soll durch Unfälle mit Feuerwerkskörpern nicht zusätzlich belastet werden.

Meist sind es leichte Brand- und Schnittverletzungen, mit denen es die Krankenhäuser in der Nacht zu Neujahr zu tun bekommen. Und mit Alkoholleichen natürlich. Doch, sagt Dr. Yang-Chul Böring, Leiter der Zentralen Notaufnahme des Sana-Klinikums Remscheid: „Verletzungen durch Feuerwerkskörpern haben in den vergangenen Jahren in unserem Haus nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Sie kommen zwar vor, aber nicht in einem Maße, dass darunter die Kapazitäten der Notaufnahme ausgelastet würden.“

Nicht wenige Remscheider, die es zu Silvester krachen lassen, beziehen ihre Feuerwerkskörper von der Firma Niko auf der Stadtgrenze zu Wuppertal. Die hält erwartungsgemäß nichts von einem Verbot. Schließlich würde das den Umsatz trüben. Niko-Verkaufsleiter Martin Schmitz führt andere Argumente an. Ein Verbot würde nur dafür sorgen, dass sich die Leute ihre Raketen illegal besorgten. In Zeiten des Versandhandels sei das kein Problem.

Dass Großveranstaltungen wegen Corona abgesagt werden, dafür hat Schmitz dagegen Verständnis. Auch Nico war davon betroffen. Rhein in Flammen oder die Düsseldorfer Rheinkirmes, wo das Unternehmen aus dem Bergischen das Feuerwerk organisiert, fanden nicht statt. Es fehlen zudem die Kunden aus den Niederlanden. Durchaus gab es in den zurückliegenden Jahren einen Böller-Tourismus ins Bergische: Die Auflagen für den Verkauf sind in Deutschland niedriger.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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