Entsorger bislang von Corona verschont

Krise sorgt für mehr Unrat - auch im Wald

Im Herbst wird der Garten winterfest gemacht: Viele Gartenfreunde, hier René van Luijt, lieferten ihre Abfälle Samstag auf dem Schützenplatz ab.
+
Im Herbst wird der Garten winterfest gemacht: Viele Gartenfreunde, hier René van Luijt, lieferten ihre Abfälle Samstag auf dem Schützenplatz ab.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

In Solingen bereiten infizierte Mitarbeiter Probleme bei der Müllabfuhr – Remscheider Entsorger bislang verschont.

  • Schon zu Beginn der Pandemie legten Müllsünder ihren Gartenabfall im Remscheider Wald ab.
  • Rückkehr der Grünabfallsammlung in die Stadtteile nicht in Aussicht.
  • Förster ärgern sich: Spaziergänger verrichten Notdurft im Wald.

Von Axel Richter

Remscheid. In der Nachbarstadt bittet die Müllabfuhr die Bürger um Hilfe: Die Solinger sollen ihre grauen Tonnen selbst aus den Vorgärten oder aus den Kellern holen und an den Straßenrand stellen. Nach sechs Corona-Fällen im Team der Entsorger sind weitere Mitarbeiter in Quarantäne. In Remscheid gibt es einen solchen Schwund bislang nicht. „Toi, toi, toi“, sagt Claudia Schmidt, Chefin der Remscheider Abfallentsorgung. Alles andere wäre nämlich denkbar schlecht. Denn in der Krise hinterlassen die Remscheider durchaus mehr Unrat – in der Tonne, aber auch im Wald.

Bereits zu Beginn der Pandemie landete zwischen Bäumen und Büschen in Massen, was dort nicht hingehört: Rasenschnitt, abgesägte Äste und ausgegrabene Wurzeln. Weil die Entsorgungsstellen geschlossen waren und die Menschen im Lockdown Zeit hatten, kamen Müllsünder auch aus der Nachbarschaft, um ihre Gartenabfälle in Remscheid zu entsorgen.

„Willkommen auf dem Inkontinenz-Lehrpfad.“ 

Ein Schild an einem Wanderweg macht auf die zahlreich verrichtete Notdurft im Wald aufmerksam.

Mittlerweile lassen sich im Solinger Bärenloch längst wieder Gartenabfälle auf legale Weise entsorgen, ebenso wie auch in Wermelskirchen. In Remscheid standen die Technischen Betriebe auch an diesem Samstag mit Containern auf dem Schützenplatz. Viele Gartenfreunde nutzten das Entsorgungsangebot. Im Herbst werden Rasen und Rabatten winterfest gemacht.

Remscheid: Zentrale Sammlung von Grünabfall hat sich bewährt

Eine Rückkehr der Grünabfallsammlung in die Stadtteile stellen die Technischen Betriebe vorerst nicht in Aussicht. „Die zentrale Sammlung hat sich bewährt“, sagt Ulrich Dreesen, der den Bereich Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Winterdienst verantwortet. „Auf dem Schützenplatz haben wir Platz.“ Platz zum Abstand halten. Und Platz genug auch für die Autos, mit denen die Gartenbesitzer ihre Abfälle an Ort und Stelle bringen.

An der Deponie in der Solinger Straße nehmen die Entsorger Grünabfälle nur noch werktags an. Zu Szenen wie Ende März ist es deshalb dort nicht mehr gekommen. Damals sorgten Gärtner und Entrümpler bis zur Schüttendelle für ein mittleres Verkehrschaos. So viele Remscheider wollten dort ihre Abfälle loswerden, dass die Nachbarn die Polizei riefen und das Ordnungsamt sich zu einem dringenden Appell veranlasst sah: „Bitte fahren Sie die Deponie nicht mehr an.“

Remscheid: Im Wald liegen mehr Häufchen – nicht nur von Hunden

Wer daheim so viel aufgeräumt hat, den zog es danach in die unaufgeräumte Natur. Die Förster haben nichts gegen Erholungssuchende. Es soll nur niemand seinen Unrat im Wald lassen. Statt Grünabfällen, die heimlich dort abgeladen werden, stellt Forstamtsleiter Markus Wolff jedoch einen ganzen neuen Entsorgungstrend fest. „Die Leute verrichten in Massen ihre Notdurft.“

Unter den Forstwirten und Waldarbeitern, die im Remscheider Stadtforst ihrer Arbeit nachgehen, ist der Begriff „Taschentuchdichte“ deshalb geläufig. Er gilt als Maßeineinheit für die Stellen, wo Waldbesucher ihr großes Geschäft verrichtet haben. Auf einem Wanderweg an der Neyetalsperre bei Wipperfürth, die den Stadtwerken Remscheid als Reserve-Wasserspeicher dient, machte ein Spaziergänger seinem Ärger darüber jetzt Luft und empfing die „lieben Corona-Touristen“ per Aushang auf einem „Inkontinenz-Lehrpfad“.

Im Wald sei also nach wie vor einiges los, sagt Förster Markus Wolff, der sich längst sicher ist, dass das Coronavirus auch bestimmte Gehirnregionen angreift. An der Wuppertalsperre entdeckte er jüngst eine Sammelstelle für Doggy-Bags. Statt die eingetüteten Hundehaufen im Müll zu entsorgen, hatten Herrchen und Frauchen sie dort feinsäuberlich abgelegt. Womöglich für die Müllabfuhr.

Grünabfälle

Die Entsorgungsbetriebe nehmen samstags zwischen 9 und 16 Uhr Grünabfälle auf dem Remscheider Schützenplatz an. Werktags können Grünabfälle auf dem Wertstoffhof abgeliefert werden: montags, mittwochs, donnerstags von 8 bis 15.45 Uhr, dienstags bis 17.45 Uhr, freitags bis 13.45 Uhr.

Der Wertstoffhof an der Solinger Straße nimmt darüber hinaus Sperrmüll, Papier, Elektroschrott oder auch Medikamente an.

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
Kantor verlässt die evangelische Kirchengemeinde Lennep
Kantor verlässt die evangelische Kirchengemeinde Lennep
Kantor verlässt die evangelische Kirchengemeinde Lennep

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare