Unterricht

Kinder drücken ab heute die Schulbank

Die zweite Konrektorin Kerstin Röhrig-Stephan (v. l.), Konrektor Guido Quint und Schulleiterin Gundula Krüger von der Alexander-von-Humboldt-Realschule haben die Räume vorbereitet: Je zwei Namensschilder für einen Platz, weil die Schüler täglich wechseln, aber feste Plätze haben. Foto: Roland Keusch
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Die zweite Konrektorin Kerstin Röhrig-Stephan (v. l.), Konrektor Guido Quint und Schulleiterin Gundula Krüger von der Alexander-von-Humboldt-Realschule haben die Räume vorbereitet: Je zwei Namensschilder für einen Platz, weil die Schüler täglich wechseln, aber feste Plätze haben.

Im Wechselmodell findet Präsenzunterricht bis zu den Osterferien statt.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Nach Wochen des Distanzunterrichts dürfen die Schüler ab heute im Wechselmodell wieder zur Schule gehen. Für die nächsten zwei Wochen bis zu den Osterferien wurden dafür Konzepte ausgearbeitet.

An der Alexander-von-Humboldt-Realschule wechseln die Kinder täglich. Die Klassen wurden geteilt, die erste Hälfte kommt in der ersten Woche montags, mittwochs und freitags in die Schule, in der zweiten Woche dann dienstags und donnerstags. „So machen wir in zwei Wochen eine komplette Unterrichtswoche“, erklärt Schulleiterin Gundula Krüger. Der gewohnte Stundenplan bleibe dabei bestehen. Klassenübergreifender Unterricht finde aber als Videokonferenz entweder am Nachmittag statt oder im Klassenverband am Vormittag. Denn die Gruppen dürften nicht vermischt werden, erklärt Krüger.

Das, was im Klassenraum passiert, an die Kinder zu Hause zu streamen, gebe das Internet allerdings nicht her. Sie werden mit Aufgaben versorgt. „Es wird so sein, dass wir in den zwei Wochen vieles doppelt machen. Wir müssen schließlich in beiden Gruppen gucken, wo die Kinder überhaupt stehen.“ Es sei wichtig, den Schülern wieder eine Struktur und einen geregelten Tagesablauf zu geben.

„Schule braucht jeder.“

Nasra (14), HS Hackenberg

Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium wechseln die Schüler wöchentlich. Weil auch dort die Kurse nicht aufgeteilt werden dürfen, werden Themen fächerübergreifend behandelt, sagt Schulleiter Rainer Schulz. So finde beispielsweise Ethikunterricht anstelle von Religion und Philosophie statt. „Es geht in diesen zwei Wochen eher darum, dass die Schüler mal wieder in die Schule gehen und ihre Klassenkameraden sehen können. Das ist ganz wichtig im Moment“, sagt Schulz. Die Schüler zu Hause sollen – sofern möglich – per Videokonferenz am Unterricht beteiligt werden. Nach der sechsten Stunde sei mit dem Präsenzunterricht aber Schluss, die Stunden am Nachmittag finden weiterhin in Distanz statt.

Birgit Karrenbauer-Mayerhofer, Lehrerin an der Hauptschule Hackenberg, berichtet von Schülern, die im Distanzunterricht mitunter abgetaucht sind. Die Voraussetzungen seien schwierig gewesen, viele Schüler konnten nur über das Handy am Unterricht teilnehmen. „Wir haben gejubelt, als wir gehört haben, dass es wieder losgeht“, sagt sie.

Ihre Schülerin Jasmin (12) freut sich sehr, nicht mehr online arbeiten zu müssen. „Es war sehr langweilig, zu Hause zu bleiben. Ich freue mich auf meine Freundinnen und die Lehrerinnen“, sagt die Siebtklässlerin. Vielfach seien die Schüler im Online-Unterricht schlechter geworden, so empfinden ihre Mitschüler, berichtet sie. „Die Lehrerin kann in der Schule einfach besser erklären. Ich strenge mich auf jeden Fall an“, sagt Jasmin.

Auch die Klassensprecherin der siebten Klasse, Nasra (14), freut sich über die Öffnung der Schulen, „weil es viele Schüler gibt, die Depressionen haben“, sagt sie. Gerade in Förderklassen kämen viele Mitschüler online nicht mit dem Lesen und Sprechen klar. Verstehe man einen Aspekt nicht, frage man viel seltener nach. „Es ist gut, dass es die vielen Corona-Regeln gibt, aber Schule braucht jeder.“

Derweil wünscht sich Karsten Neldner, Vorstand der Stadtschulpflegschaft, dass für den bestmöglichen Infektionsschutz der Schüler vorgesorgt wird. „Die Leistungsschere zwischen guten und schlechten Schülern geht immer weiter auf.“ Deswegen glaube er, dass alle den Präsenzunterricht herbeisehnen. Die Schulpflegschaft wünsche sich deshalb eine vernünftige Teststrategie sowie eine Ausstattung der Schüler mit kostenlosen Masken.

„Schön wäre es auch, wenn die Schüler in der Klasse mit denen, die zu Hause sind, in Verbindung wären“, sagt Neldner. Denn Aufgaben zu Hause zu bearbeiten, sei suboptimal. „Die Lehrer werden ganz oft allein gelassen. Warum ist in einem Jahr nichts passiert?“

Schulpflegschaft

Die Schulpflegschaft wünschte sich kürzlich neben kostenlosen Masken und einer Teststrategie für Schüler die Überarbeitung der Medienkonzepte in den Schulen, Fortbildungen der Lehrer im Umgang mit den digitalen Medien, flächendeckendes Wlan in den Schulen, einheitliche Lernplattformen, IT-Hotlines an jeder Schule, die Einführung digitaler Schulbücher sowie die Erstattung der OGS Beiträge bei nicht regelhafter Betreuung und Änderungen aller zentralen in dezentrale Abschlussprüfungen.

Standpunkt: Teststrategie muss her

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Die Schüler müssen wieder in die Schule. Das ist ebenso notwendig wie der Ausbau digitaler Strukturen. Dass Kinder noch immer mit ihren Handys am Unterricht teilnehmen müssen, ist nach einem Jahr Pandemie unbegreiflich. Das heute startende Wechselmodell ist ein zaghafter Schritt in Richtung Normalität. Innerhalb von zwei Wochen eine normale Unterrichtswoche abzuhalten, kann auf Dauer keine Lösung sein. Deswegen muss dringend eine Teststrategie her. Werden Infektionen so rechtzeitig erkannt, können lange Quarantänen und steigende Infektionszahlen verhindert werden. Denn die Kinder haben nichts davon, wenn sie durch Quarantänemaßnahmen wieder in den Distanzunterricht geschickt werden. Wie die Schülerin der Hauptschule Hackenberg richtigerweise sagt: Schule braucht jeder. Mit Blick auf die momentan steigenden Infektionszahlen ist es allerdings fraglich, ob die zwei Wochen vor den Osterferien nicht noch hätten abgewartet werden können. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zahlen entwickeln und wie Schule nach den Ferien aussehen kann.

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