Pandemie

Corona kehrt mit dem Reisegepäck zurück

Die niedrige Inzidenz hält Angelika (64) und Bernd (77) Starnovsky nicht davon ab, beim Bummeln über die Alleestraße Maske zu tragen. Beide sind doppelt geimpft. Vorsicht halten sie angesichts einer vierten Welle dennoch für angebracht. Foto: Roland Keusch
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Die niedrige Inzidenz hält Angelika (64) und Bernd (77) Starnovsky nicht davon ab, beim Bummeln über die Alleestraße Maske zu tragen. Beide sind doppelt geimpft. Vorsicht halten sie angesichts einer vierten Welle dennoch für angebracht.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Die Remscheider genießen einen unbeschwerten Sommer – Doch die guten Inzidenz-Zahlen werden nicht bleiben.

Remscheid. Aus 0,0 wird 0,9. Mit solchen Inzidenzen vermeldet das Robert-Koch-Institut für Remscheid niedrigste Werte in ganz Nordrhein-Westfalen. Doch das wird so nicht bleiben. Zum Ende der Ferien und spätestens im Herbst rechnet das Gesundheitsamt wieder mit Zahlen zwischen 30 und 50. Die vierte Welle, werde dennoch anders ausfallen als die vorigen, sagt dessen Leiter Dr. Frank Neveling. Mit weniger schweren Krankheitsverläufen vor allem und damit auch weniger Toten.

Übertreiben es jene also, die so eindringlich vor der um vieles ansteckenderen Delta-Variante warnen?

Die hat Remscheid erreicht, der erste Verdachtsfall hat sich am Mittwoch bestätigt. Es handelt sich um einen Reiserückkehrer. Doch bei vielen Remscheidern scheint die Sorge davor gering zu sein. Die Maske sitzt lockerer, die Abstände zum Nachbarn werden geringer, die Treffen mit Verwandten, Freunden und Nachbarn größer. Die Menschen verleben einen unbeschwerten Sommer. So wie 2020.

„Wir werden einen leichten Peak mit Inzidenzen von 30 bis 50 erleben.“

Dr. Frank Neveling, Gesundheitsamt

Damals hatte sich der warme Sommer bereits im Juni zum natürlichen Feind des Coronavirus’ erwiesen. Am 11. Juni vermeldete der Krisenstab: „Die Anzahl der Bürger, die an dem Coronavirus erkrankt sind, ist bei 0 angekommen.“ Das galt jedoch nur für diesen einen Tag.

Thomas Neuhaus (Grüne), Gesundheitsdezernent und Leiter des Corona-Krisenstabes, erinnert sich ungut an das, was danach kam. Vor allem an die zweite Welle, hervorgerufen von Remscheidern, die das Virus im Reisegepäck mitbrachten. Wird sich das Phänomen ein Jahr später wiederholen? „Die Wahrscheinlichkeit ist groß“, sagt Neuhaus und ruft die Remscheider deshalb zum Impfen auf. Denn: „Je höher der Durchimpfungsgrad in Remscheid ist, desto geringer werden die gesundheitlichen Gefahren für die Gesamtbevölkerung in einer zu erwartenden Phase des Anstiegs der Neuinfektionen im Herbst sein.“

Da ist sie wieder, die Angst vor der vierten Welle, vor der alle warnen. Dass sie kommt, ist unter den Experten unstrittig. Trotz des Impftempos, das auch in Remscheid deutlich zugelegt hat. Mehr als 100 000 Dosen sind in den Arztpraxen und im Impfzentrum mittlerweile verabreicht worden.

Von Impfmüdigkeit oder Impfschwänzern, die ihre Termine nicht wahrnehmen, mag Guido Eul-Jordan, Chef der Remscheider Feuerwehr, deshalb nicht sprechen. Er hat das Impfzentrum aufgebaut, ist für den Betrieb verantwortlich. Und er ist stolz darauf, dass seine Teams noch nicht eine Dose haben wegwerfen müssen.

Bis zum 30. September soll der Betrieb in Reinshagen weitergehen. Bis dahin sollen dort auch mehr sozial Schwache ihre Impfung erhalten haben, die den Weg zum Arzt mitunter scheuen. Die Stadt hofft, sie mit einem Brief für die Impfung zu gewinnen.

Ungeimpft bleiben dagegen vorerst die meisten von rund 18 000 Kindern und Jugendlichen. Zunächst sind nur die mit Vorerkrankungen an der Reihe.

Auch das macht wahrscheinlich, dass die Inzidenzen schon in wenigen Wochen wieder steigen. Den bisherigen Rekord von – am 17. April dieses Jahres vermeldete das Robert-Koch-Institut eine Inzidenz von 353 und damit einen der höchsten Werte in ganz Nordrhein-Westfalen – werden sie jedoch sicher nicht mehr knacken, sagt Gesundheitsamtsleiter Frank Neveling.

Zu viele Remscheider seien bis dahin durchgeimpft oder haben nach einer Infektion die Krankheit auskuriert und deshalb Antikörper gebildet. „Wir werden deshalb einen leichten Peak mit Inzidenzen von 30 bis 50 erleben“, sagt Neveling: „Das heißt, es werden nach den Ferien ganz sicher wieder einige Klassen in Quarantäne gehen. Diese Welle wird aber nicht mehr automatisch zu mehr Krankenhausaufenthalten führen, denn das Risiko eines schweren Verlaufs geht deutlich zurück.“

Hintergrund

Nach einer Inzidenz von 0 ist der Wert wieder leicht gestiegen. Insgesamt gibt es aktuell 1717 infizierte Remscheider.

Die Delta-Variante wurde bislang einmal nachgewiesen. Die Mediziner gehen davon aus, dass sie bald die dominierende Virusvariante sein wird.

Standpunkt

michael.albrecht@rga.de

Kommentar von Michael Albrecht

Es hat schon etwas von einer Erfolgsgeschichte. Es ist gerade einmal ein paar Wochen her, da zählte Remscheid zu den Städten mit enormen Inzidenzwerten. Und heute? Da steht die Null vor dem Komma. Das ist beachtlich und zeigt, dass die Impfkampagne zusammen mit dem Einhalten der Coronaschutzregeln – jedenfalls von den meisten Remscheidern – die erhoffte Wirkung zeigt. Doch diese positive Entwicklung darf nicht verspielt werden. Denn mit der Delta-Variante, die nun auch in Remscheid bei einem Reise-rückkehrer festgestellt wurde, steht die nächste Welle vor der Tür. Aufhalten lässt sie sich nicht, wie Virologen immer wieder warnen. Aber sicherlich kann einiges getan werden, dass diese vierte Welle weitaus handhabbarer über Remscheid rollt als die bisherigen. Dazu gehört zum einen das Impfen. Zum anderen aber auch das Einhalten der Coronaregeln, was scheinbar immer mehr Menschen schwerfällt. Aber mal ehrlich: Sind Masken, Abstand halten und Handhygiene wirklich so schlimm? Schlimm ist hingegen das Rumgeeiere so mancher Politiker, deren Ausführungen nur zur Verunsicherung beitragen.

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