Remscheid

Corona: Gaststättensterben bleibt bisher aus

So sieht es landauf, landab aus: Die Restaurants sind dicht. Das hat Folgen für die Eigentümer, aber auch für die dort Beschäftigten.Archivfoto: Boris Roessler/dpa
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So sieht es landauf, landab aus: Die Restaurants sind dicht. Das hat Folgen für die Eigentümer, aber auch für die dort Beschäftigten.
  • Frank Michalczak
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Behördenchef Beckmann sieht keinen Anstieg bei den Geschäftsaufgaben.

Remscheid. Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann sieht derzeit keine Welle von Geschäftsaufgaben in der Gastronomie, obwohl die Gaststätten seit Mitte November im Zuge der Pandemie geschlossen sind. 2020 habe es 15 Abmeldungen gegeben. „Das ist ein durchschnittlicher Wert. Und wir können dabei nicht beurteilen, inwiefern die Abmeldung von Dauer ist und ob das Geschäft nach der Pandemie weitergeführt werden soll“, erläutert der Behördenchef, der rund 450 Betriebe in Remscheid zählt – vom Döner-Imbiss bis zur Eisdiele, von der kleinen Kneipe um die Ecke bis zum gutbürgerlichen Restaurant.

Sieht noch kein Kneipensterben: Jürgen Beckmann.

Deren Probleme haben offenbar schon lange vor der Corona-Pandemie begonnen. „Vor zehn Jahren lag die Zahl noch bei über 500“, blickt Beckmann zurück. Diejenigen Gastronomen, die es noch gibt, stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Manche müssen seit Monaten auf die kompletten Einnahmen verzichten.

Es bleibe abzuwarten, wie sich deren wirtschaftliche Lage entwickelt, wenn die finanzielle Unterstützung für die Betriebe endet. „Andere halten weiterhin einen Lieferservice vor,“ führt Jürgen Beckmann an. „Ein Beispiel sind die Pizzataxis.“

Sieht keinen Silberstreif am Horizont: Isabel Hausmann.

Die November- und Dezember-Hilfen seien zwar „im Großen und Ganzen“ geflossen, bestätigt Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in der Region Nordrhein. „Aber wir haben jetzt Mitte März. Die Hilfe muss weitergehen.“ Und selbst die Überbrückungszuschüsse deckten lediglich 90 Prozent der laufenden Fixkosten ab. Ihren Lebensunterhalt müssten die Gastronomen oft aus ihren Rücklagen bestreiten.

Remscheid: Außengastronomie lebt von Spontanbesuchen

Auch die avisierte Eröffnung der Außengastronomie für den 22. März sei kein Silberstreif am Horizont. Der Besuch eines Biergartens erfolge meist spontan – dann, wenn die Sonne scheint. Da sei es doch sehr fraglich, ob sich zahlreiche Gäste mittels der neuen Corona-Gratis-Tests, die es bis dahin auch in Remscheid geben soll, das Recht auf ein Gläschen im Freien sichern. Zudem ständen die Spielregeln noch nicht fest. „Was ist, wenn es plötzlich regnet? Müssen die Besucher dann gehen? Wie soll der Toilettengang geregelt werden?“, nennt Isabel Hausmann zwei Fragen, die aus ihrer Sicht noch offen sind. Denn: Einstweilen bleibt der Betrieb in den Gaststätten tabu.

Die Gaststätten der Alten Bismarckstraße können virtuell besucht werden.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Standpunkt: Bitte nicht aufgeben

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Wie schön wäre es, wenn Remscheid wieder Normalität erleben würde? Einstweilen aber bleiben das Essen im Lieblingsrestaurant, das Bierchen in der Kneipe oder sonstige Lichtblicke in Pandemie-Zeiten unerfüllte Träume. Wenigstens sollte es aber möglich sein, die Außengastronomie wieder zu öffnen – selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Hygiene- und Abstandsregelungen. Fraglich ist aber, ob sich das Geschäft für die Gastwirte lohnt, wenn sie von ihren Kunden vor dem Eintritt eine aktuelle Testbescheinigung verlangen müssen. Erst zum Schnelltest, dann in den Biergarten? Pure Lebensfreude wird dabei sicher nicht aufkommen. So oder so werden die Gastronomen weiterhin auf finanzielle Hilfen des Staates angewiesen bleiben. Denn es ist auch angesichts wieder steigender Infektionszahlen nicht absehbar, wann sie ihren Betrieb wieder vollständig aufnehmen können. Die Gaststätten leisten einen wertvollen Beitrag zur Lebensqualität in Remscheid. Es wäre verheerend, wenn die Wirte durch die Corona-Folgen ihre Existenzgrundlage verlieren – und aufgeben müssten.

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