Auftakt auf dem Schützenplatz

Corona: Drive-In wird stark frequentiert

Erleichtert konnte die Probandin gestern Morgen den Schützenplatz verlassen: Sie bekam von Professor Dr. Helmut Kaulhausen ihren Dokumentationsbogen (Ausdruck unter www.bergischerschnelltest.de) mit einem negativen Testergebnis zurück. Foto: Roland Keusch
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Erleichtert konnte die Probandin am Morgen den Schützenplatz verlassen: Sie bekam von Professor Dr. Helmut Kaulhausen ihren Dokumentationsbogen (Ausdruck unter www.bergischerschnelltest.de) mit einem negativen Testergebnis zurück.

In den ersten dreieinhalb Stunden ließen sich schon 40 Autofahrer testen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Der Container war kaum aufgeschlossen, da fuhren um 8 Uhr die ersten Autos vor. Es dauerte nicht lange, und es bildete sich eine Schlange auf dem ansonsten leeren Schützenplatz. Der Corona-Drive-In der Bergischen Schnelltest (BeST) GmbH startete gut durch. Allein in den den ersten dreieinhalb Stunden am Montagmorgen kamen 40 Arbeitnehmer aus dem Bergischen Land, um sich einen Abstrich im hinteren Nasen-Rachenraum nehmen zu lassen. Bequem im Auto sitzend, wurden die Probanden durch das offene Fahrerfenster von Professor Dr. Helmut Kaulhausen gepikst.

Keine 20 Minuten später hatten sie Gewissheit. Alle waren negativ, konnten beruhigt zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehren. Wie Yagmur Inan. Die 23-jährige Remscheiderin, die in einem Versicherungsbüro arbeitet, war von ihrem Chef zum Schützenplatz geschickt worden.

Inans Freund hatte entsprechende Symptome gezeigt. Die 23-Jährige wäre ohne Schnelltest von ihrem Arbeitgeber sicherheitshalber nach Hause geschickt worden. „Vom Drive-In hatte ich vorher nichts gehört, aber es ist eine gute Sache.“ Erleichtert nahm Yagmur Inan die Nachricht auf. „Für mich wäre es schlimm, wenn ich andere hätte anstecken können.“

„Wir glauben an die Idee.“
Uwe Schröder, BeST

Die Anbieter freut die Resonanz. „Der Bedarf scheint da zu sein“, beobachtete Uwe Schröder, kaufmännischer Geschäftsführer der in Windeseile gegründeten BeST. Schröder war am ersten Tag vor Ort, um zu schauen, wo in Abläufen, Backoffice und Logistik noch nachjustiert werden muss.

Ins Leben gerufen wurde BeST von zwei Remscheider Unternehmen, getragen wird die GmbH von vier Gesellschaftern. Für Uwe Schröder bietet sie die Chance, sich für 40 Euro Gebühr (gegen Quittung für den Arbeitgeber) binnen ein paar Minuten Sicherheit zu verschaffen, ein wichtiger Baustein für Firmen, Mitarbeiter-Quarantäne vorzubeugen. Binnen 20 Minuten einen Antigen-Schnelltest zu erhalten, betont der 59-jährige Solinger, sei allemal besser, als zwei Tage auf das Ergebnis eines PCR-Tests aus mittlerweile überlasteten Laboren warten zu müssen.

Letztere versprechen zwar einen Tick mehr Genauigkeit, Helmut Kaulhausen hält jedoch das Produkt der Firma möLab für eine verlässliche Momentaufnahme. „Die Sensivität des Tests liegt zwischen 95 und 97 Prozent.“ Bei einem positiven Ergebnis wird umgehend das Gesundheitsamt informiert. „Wenn der Test nicht ganz eindeutig ausfällt, müssen sich die Probanden zwingend zu einem PCR-Test begeben“, erklärt Kaulhausen.

Der Schnelltest, der am Montagmorgen in dem Doppelcontainer binnen Minuten von den Backoffice-Mitarbeiterinnen Anne Mrazek und Büsra Kilic ausgewertet wurde, ähnele einem Schwangerschaftstest, vergleicht der pensionierte Sana-Chefarzt. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr hat Helmut Kaulhausen das Gesundheitsamt bei der Corona-Bekämpfung intensiv unterstützt. Nun hat er eine neue Aufgabe gefunden in der Krisenbewältigung. „Wir haben uns keine Marke, keinen Break-even-Punkt gesetzt“, sagt Uwe Schröder: „Wir fangen an, weil wir an die Idee glauben.“

1500 möLab-Tests sind vorrätig und werden abends nicht im Container, sondern an anderer Stelle zwischen den konstant erforderlichen 15 und 30 Grad gelagert. Für Dezember gibt es die Zusage von möLab für die Lieferung von 2400 weiteren Tests. „Wir haben aber noch zwei weitere Lieferanten, auf die wir bei erhöhtem Bedarf zurückgreifen könnten“, meint Uwe Schröder.

Geöffnet ist der Container außer sonntags täglich von 8 bis 18 Uhr, samstags auch für Privatpersonen. Gearbeitet wird in zwei Schichten von 8 bis 13 und 13 bis 18 Uhr. Die BeST kalkuliert mit einem Personalpool von 20 Mitarbeitern. Mit mehreren Medizinern, die Proben entnehmen und pro Schicht mit zwei Kräften im Backoffice, die auf 450-Euro-Basis arbeiten. Die aktuellen Infizierten-Zahlen belegen, dass Corona nicht so schnell aus der Welt sein wird. „Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Drive-In auch Anfang nächstes Jahr auf dem Schützenplatz stehen werden“, kündigt Helmut Kaulhausen an.

Corona: zwei Tote

Nach zwei Todesfällen (beide 80 Jahre) steigt die Zahl der Remscheider Opfer auf 26. Die Kitas Lüttringhauser Str. (82 Kinder) und Confetti/Rosenhügeler Str. (79) machen wegen je eines Falls dicht. Außerdem: Die 9b der Sophie-Scholl geht mit neun Schülern in Quarantäne.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Standpunkt: Leuchtendes Beispiel

Von Andreas Weber

Corona wird besiegt, wenn sich Menschen an Regeln und Einschränkungen halten, aber auch, wenn sie aktiv Lösungen anbieten. Die Bergische Schnelltest GmbH gibt dabei ein leuchtendes Beispiel ab. In rekordverdächtigen 14 Tagen ist sie aus dem Nichts in Betrieb gegangen.

Das war möglich, weil die Stadt angesichts der dramatischen Lage bei den Infizierten-Zahlen und den Problemen, flächendeckend zügig zu testen, keine Schranken aufgebaut und erkannt hat, dass ein seriöser Anbieter eine Marktlücke bedient. 

Der Drive-in auf dem Schützenplatz kam zustande, nachdem hiesige Unternehmer angesichts der Probleme, die drohen, wenn ihre Mitarbeiter in der Quarantäne als Arbeitskraft ausfallen, angepackt haben. Zeit ist Geld. Das Modell, das die Gesundheitsämter bei ihrem Job im Hamsterrad entlastet, ist im Kommen, aber nicht so verbreitet. Natürlich wollen die vier Gesellschafter mit der Idee des Abstrichs aus dem Auto heraus keine Miese machen, aber: Sie sind mit einer Investition ins Risiko gegangen, um städteübergreifend zu helfen. Dieser Einsatz, getragen auch von vielen Ehrenamtlichen, verdient Respekt.

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