Corona

Ärztin: „Wir müssen mit dem Virus leben“

Dr. Bettina Stiel-Reifenrath ist Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Remscheid und Hausärztin. Sie sagt: „Jeder von uns muss lernen, das Risiko individuell einzuschätzen.“
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Dr. Bettina Stiel-Reifenrath ist Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Remscheid und Hausärztin. Sie sagt: „Jeder von uns muss lernen, das Risiko individuell einzuschätzen.“
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Fünf Tage zum Freitesten reichen oft nicht. Quarantänen verschärfen den Arbeitskräftemangel.

Remscheid. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 544,3 vermeldete das Robert-Koch-Institut am Mittwoch für Remscheid. Mit einem solchen Infektionsgeschehen wären die Remscheiderinnen und Remscheider vor zwei Jahren in anderen Städten längst zu unerwünschten Personen erklärt worden. Heute fliegen sie damit nach Mallorca.

Die aktuelle Corona-Situation in Remscheid

Die Menschen gehen entspannter mit der Virusgefahr um. Jens Pfitzner, Chef des Gesundheitsamtes, kann das nachvollziehen und hat dennoch ein ungutes Gefühl, denn: „Die nächste Welle im Herbst kommt“, sagt der Arzt. „Hoffentlich nicht mit einer neuen immunresistenten Variante.“

Corona sorgt in Remscheid für Personalmangel

Wie sich die aktuellen Mutanten auf die Remscheiderinnen und Remscheider auswirken, versuchen die Mediziner aktuell mit einer eigenen Studie herauszufinden: Welche Verläufe nehmen die Erkrankungen? Eins zeichnet sich dabei bereits ab: Zwar kann sich jeder Infizierte bereits nach fünf Tagen freitesten lassen. „Bei den meisten reicht das aber nicht“, sagt Pfitzner, „die brauchen zehn.“

Das hat Folgen für die Wirtschaft. Der Fachkräftemangel betrifft bereits viele Branchen. Auch Aushilfen fehlen, trotz einer baldigen Anhebung des Mindestlohns. Corona sorgt für zusätzliche Personalengpässe in vielen Branchen.

Davon betroffen ist zum Beispiel das Gastronomiegewerbe. „Es fehlen Köche, aber auch Spülkräfte in der Küche und Zuarbeiter im Service“, berichtet Markus Kärst, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Remscheid: „Es gibt viele Unternehmen, die müssen ihren Betrieb deshalb tageweise schließen, wenn etwa Großveranstaltungen anstehen.“

Hat Andreas Gassen deshalb Recht? Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fordert ein Ende der Quarantäne. Die Aufhebung der Isolationspflicht sei die beste Lösung gegen die Personalnot, meint er.

Es wird niemand mehr angeschimpft, wenn er ohne Maske einkauft.

Dr. Bettina Stiel-Reifenrath, KV Remscheid

„Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“, sagt die Remscheider Verbandsvorsitzende und Lenneper Hausärztin Dr. Bettina Stiel-Reifenrath. In einem viel beachteten RGA-Interview hatte sie früh in der Pandemie auf die Kollateralschäden der Corona-Politik hingewiesen. „Jeder von uns muss lernen, das Risiko individuell einzuschätzen“, sagt sie heute und sieht die Remscheider dazu auf einem guten Weg: „Es wird niemand mehr angeschimpft, wenn er ohne Maske einkauft. Die Aggression hat abgenommen.“

Ob das so bleibt? Jens Pfitzner hat Zweifel. Er sieht die Maskenpflicht zurückkommen, so sich die Viruswelle zum Herbst erneut als gefährlich erweist. Das hohe Infektionsgeschehen spreche klar für eine solche Mutante.

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