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Platt kallen ist ihre Leidenschaft

Cornelia Schmidt spricht gerne Remscheider Platt. Foto: Roland Keusch
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Cornelia Schmidt spricht gerne Remscheider Platt.

Der Ursprung reicht bis in ihre Kindheit zurück.

Von Alexandra Dulinski

Remscheider Platt ist ihre Leidenschaft: Von Kindesbeinen an hat Cornelia Schmidt den Dialekt gesprochen, ist mit dem Plattdeutschen aufgewachsen. „Auf dem Kremenholl spricht man viel Platt, gerade die Älteren“, sagt die 58-Jährige, die zu den Jüngsten gehört, die den Dialekt noch beherrschen und auch sprechen.

Ihre Mutter stammt aus Radevormwald, ihr Vater aus Remscheid. Das Platt der beiden habe sich immer deutlich unterschieden, berichtet sie: Speicher heiße im Radevormwalder Dialekt Hornhöltern, in der Remscheider Mundart Uoler. Wenn ihr Vater beim Mittagsessen noch eine Olk wollte, verstand ihre Mutter nur Bahnhof – eine Zwiebel wollte er haben, im Rader Platt eine Ziepel. Vieler solcher kleinen Anekdoten kann Cornelia Schmidt erzählen.

„Da wurde nur auf Platt geschwätzt.“

Cornelia Schmidt

„In der Schule wurde mir das Platt aberzogen. Der Standard war, Hochdeutsch zu sprechen“, erinnert sie sich. Erst mit ihrer Hochzeit im Alter von 19 Jahren heiratete sie in eine Familie von Hammerschmieden ein. „Da wurde nur auf Platt geschwätzt“, berichtet sie. „Wenn man einmal Platt spricht, hat man sofort eine ganz andere Beziehung zueinander“, erklärt sie. Das Platt sei keine Fremdsprache, sondern viel mehr eine Bekanntsprache, die nur anders klingt. „Ich bin quasi zweisprachig aufgewachsen“, stellt sie fest.

Nur wo wird heute noch Platt gesprochen? Gibt es in den umliegenden Städten ganze Mundartgruppen und ist das Platt – wie in Köln – gar eine Lebensart, sei es in Remscheid schwieriger, Gleichgesinnte zu finden. „Ich merke, dass die Leute Interesse daran haben. Sie erinnern sich, es kommen Dönekes an die damalige Zeit auf. Aber viele trauen sich nicht, Platt zu sprechen“, sagt Cornelia Schmidt. Beim Steffenshammer oder der Lüttringhauser Volksbühne treffe sie häufiger auf andere Menschen, die Platt sprächen. Dann liest sie auch Geschichten vor. Manche Wörter klingen dabei ganz vertraut, andere wiederum sind fremd, die Bedeutung erschließt sich nicht sofort. Ab und zu spricht sie auch Texte im Bürgerfunk „plattgesagt“ auf Radio Wuppertal.

Unter dem Pseudonym „Klärchen“ schreibt Cornelia Schmidt Texte im Forum Waterbölles. In ihrem Hausflur zeugt eine Ahnengalerie von ihrer Familiengeschichte – alte, schon fast verblichene Fotos vorheriger Generationen. Ein Foto zeigt ihre Urgroßmutter – genannt Klärchen. Als Klärchen denkt Cornelia Schmidt sich Geschichten aus, schreibt Dönekes und Vertellkes aus Dingen, die sie aufschnappt, selbst erlebt oder die ihr erzählt werden.

„Klärchen passiert immer irgendein Unsinn.“

Cornelia Schmidt über ihre Figur Klärchen

So habe der Postbote einmal einen Brief wieder mitgenommen, weil auf ihrem Briefkasten vor der Tür in Großbuchstaben „Letters“ stand – das englische Wort für Briefe. Der Postbote habe wohl kein Englisch gekonnt und das Wort für einen Nachnamen gehalten – eine tolle Geschichte für Klärchen. „Klärchen passiert immer irgendein Unsinn“, sagt Schmidt.

Zwei Wörterbücher liegen für ihre Geschichten auf ihrem Wohnzimmertisch – bereit, aufgeschlagen zu werden, wann immer Cornelia Schmidt einmal nicht weiter weiß. Vom Hochdeutschen ins Platt und zurück zu übersetzen, ist somit kein Problem für sie. Sie lerne immer wieder dazu, anfangs sei ihr vieles nicht geläufig gewesen. Einzig die Sprachgrenzen zwischen den verschiedenen Dialekten sind schwierig. „Ich kann einen Wuppertal-Cronenberger besser verstehen als einen Solinger“, gibt Schmidt zu. Das Wermelskirchener Platt habe beispielsweise einen kölschen Einschlag.

Hobby

Cornelia Schmidt hat sich auf den RGA-Aufruf nach ungewöhnlichen Hobbys gemeldet. Ihre Texte sind zu finden unter

www.waterboelles.de

Auf Facebook hat sie die Gruppe „Vertellkes op Remschedder Platt“ gegründet:

https://t1p.de/16eq

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