Interview der Woche

Wahlkoordinatorin: Im Notfall wird die Tür eingetreten

Cordula Post ist die Wahlkoordinatorin bei der Stadt Remscheid. Zu ihrer Aufgaben gehört auch die Suche nach den dringend benötigend Wahlhelfern. Foto: Roland Keusch
+
Cordula Post ist die Wahlkoordinatorin bei der Stadt Remscheid. Zu ihrer Aufgaben gehört auch die Suche nach den dringend benötigend Wahlhelfern.

Cordula Post kümmert sich bei der Stadt Remscheid um die anstehende Landtagswahl.

Das Gespräch führte Sven Schlickowey

Frau Post, Sie sind Wahlkoordinatorin der Stadt Remscheid. Wie werden Sie den 15. Mai verbringen?

Cordula Post: Mit Arbeit. Das geht für uns morgens schon um 6.30 Uhr los und dauert so lange, bis das letzte Wahllokal ausgezählt hat.

Wie lange könnte das ungefähr dauern?

Post: Ich rechne mit 23 oder 24 Uhr. Und da wäre ich schon froh. Wir bilden ja zusammen mit Radevormwald den Wahlkreis 36 und müssen warten, bis dort auch ausgezählt wurde.

Dass am Wahltag selber viel Arbeit ansteht, ist wohl jedem klar. Aber wie sieht es eigentlich vor der Wahl aus?

Post: Im Grunde habe ich schon im November angefangen mit ersten Vorbereitungen, das hat dann im Januar langsam richtig Fahrt aufgenommen. Seit Februar suchen wir Wahlhelfer, das nimmt einen großen Teil in Anspruch. Dazu müssen im Vorfeld die ganzen Materialien bestellt werden, die Stimmzettel braucht man, die Unterlagen für die Briefwahl, Ausschreibungen machen da einen großen Part aus. Ich bereite Präsentationen vor für die Wahlhelfer, die werden ja im Vorfeld geschult, Leitfäden für die Wahlhelfenden müssen erstellt werden, ganz viele Kleinigkeiten drumherum, die immer wieder viel Arbeit machen.

Hier finden Sie weitere Interviews der Woche

Sie haben die Wahlhelfer angesprochen. Vor dem letzten Hauptausschuss hat der Oberbürgermeister noch einmal sehr deutlich darauf hingewiesen, dass da noch welche fehlen. Wie ist der aktuelle Stand?

Post: Noch haben wir nicht genug, wir suchen vor allem noch für die gehobenen Positionen, also für den Vorsitz und die Schriftführung. Im Moment fehlen noch 28. Das hört sich nicht viel an, wenn 28 von 480 fehlen, aber da tut sich nun schon seit Wochen kaum noch was. Und die ganze Reserveliste fehlt auch noch.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Post: Da kommen ganz viele Dinge zusammen. Ich vermute, das hat auch mit Corona zu tun. In den letzten Jahren gingen im Mai immer die Zahlen runter, der Mai ist ohnehin eine beliebte Reisezeit, deswegen sind viele Menschen nicht da. Und einige Kollegen in der Stadtverwaltung, die sonst oft Wahlhelfer waren, kümmern sich nun um die Schutzsuchenden aus der Ukraine.

Was passiert, wenn Sie nicht genug Leute finden?

Post: Dann verpflichten wir Kollegen aus der Stadtverwaltung, aber das versuchen wir natürlich zu umgehen. Zwangsverpflichtungen sind schlecht, wir brauchen ehrenamtliche Helfer, auf die wir uns verlassen können.

Spätestens seit Corona ist der Briefwahl-Anteil deutlich gestiegen: Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Post: Wir haben inzwischen ein eigenes Briefwahl-Team, dafür haben wir sechs Leute eingestellt, die machen die Unterlagen fertig, drucken die Wahlscheine aus, verschicken das, sortieren die Rückläufer ein. Das geht dank einiger technischer Neuerungen. Zur Kommunalwahl haben wir eine Falzmaschine gekauft. Bei der Bundestagswahl hatten wir schon 25 000 Briefwahlanträge, das kann man nicht mehr von Hand falten. Und der QR-Code auf den Wahlbenachrichtigungen ist sehr hilfreich: Einmal Handy draufhalten, Geburtsdatum eingeben, ein Kreuzchen machen und absenden, erledigt.

Die Briefwahl ist vom Gesetzgeber ja eigentlich mal als Ausnahme gedacht gewesen, falls man am Wahltag verhindert ist, inzwischen wird sie langsam zur Regel. Wie beurteilen Sie das?

Post: Hauptsache. die Leute wählen überhaupt.

Selbst wenn Sie sich ein halbes Jahr auf die Wahl vorbereiten, geht doch bestimmt auch mal am Wahltag etwas schief, oder?

Post: Es geht immer etwas schief. Den Wahltag muss man auf sich zukommen lassen, weil man da nicht mehr so viel machen kann. Wenn Wahlvorstände oder Wahlhelfer ausfallen, werden die ersetzt. Und irgendwo geht immer mal eine Tür vom Wahllokal nicht auf. Für solche Fälle haben wir ein Team, das ab morgens bereit steht und bei Bedarf rausfährt. Und die haben bei einer zurückliegenden Wahl auch schon mal eine Tür eingetreten, damit das Wahllokal pünktlich um 8 Uhr öffnen konnte.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: 2024 sind Europawahlen, im Jahr drauf Kommunal- und Bundestagswahlen. Haben Sie da schon einen Blick drauf.

Post: Eigentlich nicht. Ich bin jetzt ganz bei der Landtagswahl und werde auch erst ein halbes Jahr vorher mit der Europawahl anfangen. Vorher macht es auch keinen Sinn.

Aber Sie leben aber schon so ein wenig im Rhythmus der Wahlen.

Post: Ja. Im halben Jahr vorher steigt die Spannung von Tag zu Tag an, dann hält sie danach noch ein paar Tage an, bis der Kreiswahlausschuss getagt hat, da habe ich noch so ein paar Nacharbeiten zu erledigen. Aber dann sind die Wahlen wieder erledigt und ich kümmere mich um meine andere Aufgabe: Statistik.

Zur Person

Cordula Post ist seit Mai 2021 die Wahlkoordinatorin der Stadt Remscheid. Die 51-jährige Beamtin ist seit 1992 bei der Stadtverwaltung beschäftigt und war früher selber als Wahlhelferin tätig. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um ihr Pflegepferd und wandert gerne.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“

Kommentare