Steigende Disziplinlosigkeit

An Containern in Remscheid wachsen die Müllberge

Auch am Schützenplatz, nahe der Sternwarte, türmt sich der Müll. Kein Einzelfall an den Containern in Remscheid. Foto: Michael Schütz
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Auch am Schützenplatz, nahe der Sternwarte, türmt sich der Müll. Kein Einzelfall an den Containern in Remscheid.
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Die Technischen Betriebe Remscheid kündigen Sonderfahrten an.

Von Frank Michalczak

Immer mehr Abfall landet nicht im Container, sondern davor. In diesem Jahr mussten die Mitarbeiter der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) 140 Tonnen Müll beseitigen, der an den Standorten der Wertstoff-Behälter achtlos abgelegt wurde. Im Vergleichszeitraum 2019, also bis Ende November, waren es 100 Tonnen. Diese Zahlen nennt der zuständige TBR-Bereichsleiter Ulrich Dreesen, der bei der Müllentsorgung eine steigende Disziplinlosigkeit registriert. „Zuweilen sieht es an den Containern schon ein paar Stunden nach Leerung und Reinigung wie eine Müllkippe aus.“

Das Thema hat mittlerweile die Ortspolitik erreicht. Susanne Pütz, Sprecherin der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Lüttringhausen, sowie ihre Parteifreunde Sebastian Hahn und Bernd Quinting beklagen, dass die Altpapiertonnen oft überquellen. „Größere Mengen an aufgefalteter Kartonage werden einfach neben den Containern abgelegt. Unzulässiger Müll, vor allem Kunststoff, Styropor oder Bauschutt, werden dort entsorgt“, schreiben sie in einem Antrag, der unter anderem im TBR-Betriebsausschuss beraten wird.

In Lüttringhausen seien insbesondere die Sammelstellen am Klauser Feld und an der Barmer Straße/Ecke Linde betroffen. Die Politiker befürchten, dass sich die Lage vor Weihnachten noch verschlimmern wird – durch die zahlreichen Pakete aus dem Internet-Versandhandel.

„Wir werden bis ins neue Jahr Sonderfahrten starten.“
Ulrich Dreesen, Technische Betriebe Remscheid

TBR-Bereichsleiter Ulrich Dreesen kündigt an, Containerleerung und Standortreinigung in den kommenden Wochen zu intensivieren. Für die Säuberung der Standorte werde ein zweites Fahrzeug mit Mitarbeitern der TBR auf die Reise kreuz und quer durch Remscheid zu den Containern geschickt. Die personellen Möglichkeiten gebe es, weil der Wertstoffhof durch den Corona-Lockdown geschlossen wurde. „Außerdem werden wir bis ins neue Jahr Sonderfahrten starten, um die Container häufiger zu leeren – vor den Wochenenden, aber auch an Heiligabend und an Silvester.“

Dreesen bittet um Verständnis dafür, dass sich die Technischen Betriebe dabei vornehmlich auf die „Hotspots“ konzentrieren müssten, die von zahlreichen Remscheidern angesteuert würden. Als Beispiel führt er unter anderem die Behälter an Presover-, Hammesberger- und Lenneper Straße an, die ohnehin mehrmals in der Woche geleert würden. Angesichts von 417 Papiercontainern an 157 Standorten in Remscheid könnten die Mitarbeiter aber nicht überall in kürzester Zeit wilden Müll abtransportieren. „Auch wenn wir dabei häufig auf Zuruf arbeiten.“

Das Übel gäbe es nicht, wenn sich alle an die Spielregeln hielten. „So sollte die Kartonage in kleine Teile zerrissen werden“, erläutert Dreesen. „Ansonsten wird das Volumen der Container nicht ausgeschöpft.“ Und noch ein weiteres Phänomen sei zu beobachten. „An Standorten mit mehreren Containern werden oft jene Behälter genutzt, die direkt an der Straße stehen.“ Die hinteren würden hingegen häufig ignoriert – mit der Folge, dass Pappe und Papier einfach abgelegt würden, weil die vorderen Container überfüllt seien. Doch nicht nur dies sei ärgerlich: Es gebe in Sachen Abfall immer mehr Umweltsünden. 2020 mussten die TBR-Mitarbeiter 141 Tonnen Unrat von wilden Müllkippen zum Wertstoffhof bringen. 2019 waren es in den ersten elf Monaten 85 Tonnen. „Das ist ein bemerkenswerter Anstieg“, erklärt Dreesen, der Ähnliches auch beim Bauschutt registriert. Drei Tonnen entsorgten die TBR im letzten Jahr aus der Umwelt. 2020 waren es 30 Tonnen. 

Statistik

Insgesamt ist das Aufkommen in den Papiercontainern Remscheids leicht zurückgegangen. Bis Ende November 2019 kamen 3285 Tonnen zusammen, in diesem Jahr waren es 3220 Tonnen. Dieser Wert könnte sich aber durch die Flut an Paketen vor Weihnachten noch deutlich erhöhen. Das Material wird von einem Spezialunternehmen der Wiederverwertung zugeführt. Um das Altglas kümmert sich in Remscheid ein Dienstleister.

Standpunkt: Pakete verwahren

Von Frank Michalczak

Schon jetzt wird eine Folge der Corona-Krise an den Wertstoffcontainern sichtbar: Die Papiercontainer quillen über, weil noch mehr Remscheider als in den Vorjahren ihre Weihnachtsgeschenke im Internet bestellt haben. Und: Das Aufkommen wird in den kommenden Tagen garantiert weiter

frank.michalczak@rga-online.de

steigen, nachdem die Kunden durch den Lockdown vor verschlossenen Türen des Einzelhandels stehen. In dieser Situation müssen die Technischen Betriebe handeln und die Behälter häufiger als in gewöhnlichen Zeiten leeren. Sie kündigen an, dies zu tun. Das ist gut. Schlecht ist hingegen die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen, die ihren Müll einfach ablegen und ihr persönliches Abfallproblem auf die ganz bequeme Art lösen. Am besten wäre es ohnehin, mit der Entsorgung der Kartonage noch zu warten. Denn man weiß ja nie, ob das Geschenk aus dem Online-Handel tatsächlich gefällt und eine Freude bereitet. So eignet sich das Paket bestens für eine Rücksendung. Wäre doch schade, wenn es dann im Container liegen würde. 

Lesen Sie auch: Krise sorgt für mehr Unrat - auch im Wald.

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