1160 Tötungsdelikte sind ungeklärt

Cold Cases: Rentner-Cops haben noch keine heiße Spur

Nach dem Tötungsdelikt oberhalb der Wuppertalsperre suchte die Polizei 2006 vergebens nach Spuren. Foto: Michael Sieber
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Nach dem Tötungsdelikt oberhalb der Wuppertalsperre suchte die Polizei 2006 vergebens nach Spuren.

Pensionierte Mordermittler rollen auch drei Fälle aus dem Bergischen Land neu auf.

Von Axel Richter und Jonas Meister

Remscheid. Eine Leiche ohne Kopf, ein ermordeter Rentner und eine Anhalterin, die verzweifelt um ihr Leben kämpft: Das sind drei Kriminalfälle aus dem Bergischen Land, die bis heute ungeklärt geblieben sind. Ehemalige Polizeibeamte rollen diese Cold Cases seit November vergangenen Jahres neu auf. Bislang jedoch, ohne die Täter dingfest gemacht zu haben.

„Die Arbeit hat bislang keine neuen Erkenntnisse erbracht“, erklärt ein Sprecher des Wuppertaler Polizeipräsidiums auf Nachfrage des RGA. Ein weiteres Dreivierteljahr bleibt ihnen nun noch Zeit, um Ergebnisse zu liefern.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) setzt große Hoffnung auf die erfahrenen Beamten. Er hat sie deshalb aus der Pension zurück in die Dienststellen des Landes geholt. 28 ehemalige Mordermittler sind es, die sich 23 „kalten Fällen“ widmen. Insgesamt hat das Landeskriminalamt 1160 sogenannte Cold Cases in einer eigenen Datenbank digital gespeichert. Es handelt sich um Fälle von Mord und Totschlag aus den vergangenen 50 Jahren. Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Straftaten verjähren sie nicht.

„Vielleicht taucht irgendwo ein Kopf auf, der passt.“

Staatsanwalt

Der Schrottplatz an der Siegesstraße in Wuppertal-Barmen: An einem kalten Februarmorgen des Jahres 1994 macht der Autoverwerter Bodo Eckel einen grausigen Fund. Weil er im Kofferraum eines alten Ford Granada ein noch brauchbares Rücklicht ausbauen will, öffnet er die Heckklappe - und blickt auf zwei nackte Füße. Sie gehören zum entkleideten und steifgefrorenen Körper eines Mannes, dessen Identität bis heute nicht geklärt ist.

Bei der Obduktion der Leiche stellt ein Gerichtsmediziner fest, dass der etwa 30 Jahre alte Mann schon tot war, als ihm mit einem sägenähnlichen Gegenstand der Kopf abgetrennt wurde. Er wird nie gefunden.

Die Ermittler senden seine Fingerabdrücke an Kollegen in über 40 Staaten. Ohne Erfolg. Um das Rätsel um die kopflose Leiche doch noch zu lösen, wurde 1994 die Knochenpartie des Halses präpariert. Für alle Fälle. „Vielleicht taucht irgendwo doch noch mal ein Kopf auf, der passt“, sagt der ermittelnde Staatsanwalt.

Ein knappes Jahr später, im Januar 1995, wird in einem Mehrfamilienhaus in Wuppertal die Leiche eines Rentners gefunden. Am Tatort sieht alles danach aus, dass der wohlhabende 79-jährige Mann zum Opfer eines Raubmordes geworden ist. Die Wohnung ist durchwühlt. Der oder die Täter haben nach etwas gesucht. Wonach weiß die Kripo bis heute nicht.

Glück hat eine Anhalterin in Solingen. Im Februar 1995 steigt sie in das Auto eines fremden Mannes. Er schlingt ein Seil um ihren Hals und zieht zu. Doch die Solingerin wehrt sich tapfer und kann sich schließlich retten. Der Angreifer entkommt.

Auch in Remscheid gibt es Fälle, für die bis heute niemand zur Verantwortung gezogen wurde: Im August 2009 kommt es im Stadtteil Kremenholl zu einem Fall, der in der Esoterik-Szene für Unruhe sorgt. Beatrix H. wird erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden. Die 39-jährige Speditionskauffrau arbeitet als Kartenlegerin und interessiert sich für Runen, Magie und das Mittelalter. Ein Kunde gerät ins Visier der Ermittler, doch der Mann kann nicht festgenommen werden. Er hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er seinen Selbstmord ankündigt. Seine Leiche wird nie gefunden.

Ungeklärt blieb auch der Mord an Dorothea K. Der 52-jährigen Frau wird im Juni 2006 in ihrer Wohnung an der Wuppertalsperre die Kehle durchgeschnitten. In den Fokus der Ermittler gerät ihr Lebensgefährte. Doch der 72-jährige Mann hat ein stichhaltiges Alibi. Zum Tatzeitpunkt lag er nachweislich im Radevormwalder Krankenhaus. Mittlerweile ist der Mann längst selbst tot.

Die Remscheider Fälle sind vorläufig nicht Gegenstand der 23 Cold Cases. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten sie wiederaufgenommen werden, heißt es auf RGA-Nachfrage bei der Polizei. Wenn die pensionierten Kommissare dann noch ermitteln. Im Herbst soll Bilanz gezogen werden. Danach will der Minister entscheiden, ob das Projekt Cold Cases fortgesetzt wird.

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