Chor Voicemble

Chor probt für Sommerkonzert digital

Astrid Ruckebier und ihr Chor Voicemble proben derzeit nur digital. Foto: Roland Keusch
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Astrid Ruckebier und ihr Chor Voicemble proben derzeit nur digital.

Voicemble-Leiterin Astrid Ruckebier kennt die Tücken des Online-Unterrichts

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Ein wenig bedauert Astrid Ruckebier die Sängerinnen und Sänger ihres Chors Voicemble. Wenn die Chorleiterin die Sänger dirigiert, sitzt sie zurzeit alleine vor ihrem Computer. Und die Sänger sitzen auf der anderen Seite der Videokonferenz und singen für sich allein. Denn die Proben finden zurzeit nur digital statt. Die jungen Erwachsenen hat Astrid Ruckebier das letzte Mal in November „live“ gesehen, wie sie sagt. Dennoch proben die 25 Sänger weiter – im Digitalen, wo Aerosole keine Rolle spielen. Und schmieden schon eifrig Pläne für den kommenden Sommer.

Dabei ist eine digitale Probe gar nicht so einfach: „Ich höre von dem Chor nichts“, beschreibt Astrid Ruckebier die Situation. Denn bei dem Videoportal Zoom stehe immer nur der im Vordergrund, der gerade spricht. Alle anderen sitzen mit ausgeschaltetem Mikrofon zu Hause vor dem Bildschirm. Ruckebier: „Jeder singt für sich alleine.“ Von den Sängern verlange das viel ab. Wer sich beim Singen nicht sicher fühlt, könne sich normalerweise bei Liveproben an den anderen Sängern orientieren. Jetzt gibt es diese Unterstützung nicht.

Chor erweckt Lieder gemeinsam zum Leben

Wenn Stücke ganz neu sind, spielt Astrid Ruckebier die einzelnen Stimmen auf dem Klavier ein – live über Zoom. Manchmal spielt sie auch ein Youtube-Video eines anderen Chors im Hintergrund ab. „Ich kann alleine nicht vierstimmig singen“, sagt sie. Die Sänger können so alle Stimmen leise im Hintergrund mithören.

„Der Klang ist das, was einem so viel gibt. Für die Seele fehlt das sehr“, sagt Pia Halscheid, Vorsitzende des Voicemble. Dafür könne gut auf die einzelnen Stimmen eingegangen werden. „Vielleicht trauen sich manche auch, lauter zu singen.“ Außerdem können die Chormitglieder ihre eigene Stimme oder die eingespielte Aufnahme aufzeichnen. Dadurch seien die Proben oft konzentrierter, sagt die 23-Jährige. Schwierig sei nur, die einzelnen Stimmen später harmonisch zusammenzufügen. „Das geht nur in der Gruppe, ein Lied zum Leben zu erwecken“, sagt die Chorsängerin.

Ich war baff.

Astrid Ruckebier, Chorleiterin

Auch Astrid Ruckebier sieht den Vorteil in einer Riege von Nachteilen: „Die Sänger werden dazu erzogen, selbstständig singen zu können.“ Und genau diese Sicherheit mache sich bemerkbar. Denn schon im vergangenen August konnte das Sommerkonzert trotz weniger gemeinsamer Proben stattfinden. Ruckebier denkt begeistert an den Livestream zurück. „Ich hatte das Konzert schon fast abgeschrieben“, gibt sie zu. Denn erst drei Wochen vorher habe sie den Chor seit langem live zum Proben wiedergesehen. Aber die Sänger hatten gepaukt – und so viel aus den Online-Proben mitgenommen, dass sie ihre Stimmen beherrschten. „Ich war baff“, sagt die Chorleiterin.

Deswegen blickt sie auch positiv gestimmt in die Zukunft. Zwar stehe sie ratlos vor der Frage, ob und wann gemeinsame Liveproben wieder stattfinden können. Aber sie hofft, das gewonnene Selbstvertrauen der Sänger in das nächste Sommerkonzert Ende August mitzunehmen. „Ich weiß nicht, ob die Wunderwaffe noch einmal funktioniert“, sagt sie und meint damit den Schwung, den alle aus dem ersten Lockdown in das Sommerkonzert mitgebracht haben.

Geplantes Konzert vor kleinem Publikum motiviert Sänger

Bislang halten sie und ihre Chorsänger an der Idee fest, ein Konzert vor kleinem Publikum zu spielen. „Das motiviert“, sagt Astrid Ruckebier. Sollte ein Liveauftritt nicht möglich sein, will der Chor per Livestream wieder in die Wohnzimmer der Menschen kommen. Lieder aus aller Welt sollen gesungen werden – unter anderem auf italienisch und schwedisch, berichtet Pia Halscheid. „Das ist die Idee: Dass wir in der Pandemie alle zusammen sind.“

Bis dahin ist die Chorleiterin allerdings auf das Feedback ihrer Sänger angewiesen. Was hat gut geklappt? Was muss noch mal geübt oder erklärt werden? Erst dann kann Astrid Ruckebier per Video nachsteuern.

Hintergrund

Situation: Die Corona-Pandemie mache vor allem den Kinder- und Jugendchören in Remscheid zu schaffen, berichtet Astrid Ruckebier. Nicht nur gebe es kaum neue Mitglieder, auch seien Planungen für Konzerte erschwert.

Mitmachen: Zwischen 18 und 30 Jahre sind die Mitglieder des Voicemble alt. Wer mitmachen möchte, kann sich über die Homepage an den Chor wenden. Die Proben finden freitags momentan über Zoom statt.

voicemble.jimdofree.com

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