Sänger warten

Chöre stehen schon in den Startlöchern

Renate Chlosta (l.) und Stefanie Wallitschek hoffen auf einen baldigen Probenbeginn. Foto: Doro Siewert
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Renate Chlosta (l.) und Stefanie Wallitschek hoffen auf einen baldigen Probenbeginn.

Sinkende Inzidenz lässt hoffen: Sehnsüchtig warten die Sänger darauf, wieder im Freien proben zu können

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Seit Monaten ist es still, kein Gesang hallt durch Proberäume oder Veranstaltungshallen. Die Remscheider Chöre dürfen nicht singen. Nun, mit sinkender Inzidenz, hoffen die Sängerinnen und Sänger darauf, bald wieder ihrem Hobby wenigstens im Freien nachgehen zu können.

Der Männerchor Germania 1840 e. V. möchte sich, sobald es wieder geht, auf der Terrasse des BAB-Hotels an der Talsperre treffen. „Dann wollen wir erst mal sondieren, wer schon zweitgeimpft ist und wer bereit ist, mit einem Schnelltest zur Probe zu kommen“, erklärt Vorsitzender Heinz-Georg Hüster. Da der Chor schon betagter ist und einen hohen Altersdurchschnitt aufweist, muss Hüster schauen, ob der die Germania überhaupt singfähig bleibt – wenn zu viele Sänger einer Stimme aus Sorge vor einer Infektion abspringen, kann der Chor nicht mehr vierstimmig singen. Zusätzlich erschwere die Pandemie das Anwerben von neuen Sängern.

Chor plant Konzert im Stadtpark im September

Auf der Terrasse des Hotels können dann zwei Stimmen gleichzeitig proben – das gibt der Platz her, um alle Sicherheitsabstände einzuhalten: zwei Meter nach links, nach rechts, nach vorne und nach hinten. Die Sänger des Chors Germania peilen vorsichtig das Konzert im Stadtpark im September im Rahmen des „Remscheider Sommers“ an. Schon im vergangenen Jahr seien sie für die Veranstaltung gebucht worden. Das geht aber nur unter einer Bedingung: „Wenn wir imstande sind, vorher zu proben, um ein Repertoire vorführen zu können“, sagt Hüster. Viel Vorarbeit ist dafür aber nötig.

Das weiß auch Christel Lamb, Vorsitzende des Lüttringhauser Frauenchors 1991. „Die Stimmen sind nach der langen Zeit eingerostet“, sagt sie. Die Leiterin des Chors habe im Lockdown Lieder eingesungen, so dass die Frauen im eigenen stillen Kämmerlein für sich singen konnten. Online-Unterricht habe aber nicht stattgefunden. „Da müssen wir Rücksicht auf die nehmen, die die Technik nicht haben oder sich nicht damit auskennen. Sie sollen sich nicht abgehängt fühlen“, erklärt Lamb.

Beim proben draußen, geht die Akustik verloren

Sie hofft, eventuell auf der Lüttringhauser Freilichtbühne proben zu können. Allerdings: „Wenn wir draußen singen, geht sehr viel von der Akustik verloren“, sagt sie. Proben wollen sie dann, wie bereits im vergangenen Jahr, in kleinen Gruppen. Sechs Sängerinnen aus allen drei Stimmen, die der Chor abdeckt, kommen dann zusammen.

Die Sängerinnen hoffen derweil auf ihr Weihnachtskonzert. Die vielen Kontrollen, die für das Hygienekonzept bei Veranstaltungen notwendig sind, können sie aber nicht stemmen. „Wenn aber alles klappt, werden wir ab August Weihnachtslieder singen“, sagt Christel Lamb.

Stefanie Wallitschek, zweite Vorsitzende des Chorverbandes Bergisch Land Remscheid e. V., beschreibt die Situation der Chöre im gesamten Bergischen Land als schwierig: „Die Inzidenzen sind in Remscheid, Wermelskirchen, Radevormwald und Hückeswagen ganz unterschiedlich.“ Wann es in den einzelnen Städten wieder losgehen kann, sei daher sehr individuell. „Der Optimismus der Sängerinnen und Sänger ist auf einem guten Stand, sie laufen sich langsam warm.“ Dennoch hätten die Chöre großen Respekt vor Corona und den Sicherheitsmaßnahmen.

Mitgliederzahlen in Chören sinken während der Pandemie

Ein großes Problem für die Chöre sei derweil aber, dass es nur wenig Probenmöglichkeiten gibt. Es mangelt schlicht am Platz, um im Freien zu singen. Die Germania nutzte dazu 2020 das Stadion Reinshagen. „Manch ein Vereinsheim ist aber nicht groß genug oder es gibt keinen Hof“, sagt Wallitschek. Auch seien die Mitgliederzahlen teilweise gesunken. „Manche hatten Angst, sich anzustecken, oder haben sich etwas anderes gesucht“, erklärt Wallitschek. „Irgendwann gewöhnt man sich daran, dass der Chor nicht mehr stattfindet“, sagt sie. Ein Chor im Verbandsgebiet habe sich aufgelöst. Finanziell sei die Situation nicht mehr tragbar.

Auch Heinz-Georg Hüster sorgt sich um die Chöre. „Wir leben vom Eingemachten“, erklärt er. Weil keine Konzerte stattfinden, mangelt es dem Chor an Einnahmen. „Es wäre schade, wenn der Chor nach mehr als 180 Jahren Tradition zerbricht“, sagt er.

Inzidenz

Wenn der Inzidenzwert stabil unter 50 liegt, kann mit Schnelltest, ausreichend Abstand und Kontaktrückverfolgung wieder gesungen werden. Konzerte sind bei niedriger Inzidenz zwar wieder möglich, die Chöre brauchen aber Vorlaufzeit.

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