Entspannung nicht in Sicht

Chaos bleibt trotz Schnee und Eis vorerst aus

Die Schneeräumer der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) waren ab 6.30 Uhr morgens am Sonntag im Dauereinsatz - hier in der Martin-Luther-Straße.
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Die Schneeräumer der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) waren ab 6.30 Uhr morgens am Sonntag im Dauereinsatz - hier in der Martin-Luther-Straße.

Wochenende verlief trotz Extrem-Wetter ruhig - Feuerwehr warnt aber: Entspannung ist noch nicht in Sicht.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Prognosen der Wetterfrösche waren eindeutig, die Warnungen der Polizei eindringlich wie selten: Alarmstufe rot war ausgerufen. Bleiben Sie bei der unheilvollen Mischung aus Frost, Regen, Eis und Schnee am Sonntag zuhause, riskieren Sie nicht Ihr Leben. Weil die meisten Remscheider sich daran hielten, die warme Stube den glatten Straßen vorzogen, blieb das Chaos aus. 17 Einsätze verzeichnete die Polizei Wuppertal im Bergischen Städtedreieck zwischen Samstagabend 20 Uhr und dem gestrigen Mittag gegen 13.30 Uhr. Nur zwei davon waren in Remscheid angesiedelt.

Remscheid: Unfall in der Morsbachtalstraße

Einmal rückte die Polizei um 6.55 Uhr zu einem umgestürzten Baum auf der Schwelmer Straße aus, den die Feuerwehr ebenso wie einen bedrohlich über der Fahrbahn hängenden Ast an der Borner Straße (10.30 Uhr) beseitigte. Gegen 11 Uhr ereignete sich ein witterungsbedingter Unfall in der Morsbachtalstraße, Höhe Breitenbruch.

Der einzige Unfall, den die Polizei am Sonntag in Remscheid aufnehmen musste: der von der Fahrbahn abgekommene VW Polo in der Morsbachtalstraße.

Dort war eine 45-jährige Wuppertalerin mit ihrem VW Polo in einer Linkskurve Richtung Gerstau nach rechts von der Fahrbahn gedriftet und gegen einen Metallpfosten geprallt. Die 45-Jährige entstieg ihrem Fahrzeug leicht verletzt, den Sachschaden taxierte die Polizei auf rund 10.000 Euro. Um das Abschleppen ihres Kleinwagens kümmerte sich die Halterin selbst.

Remscheid: Linie 615 der Stadtwerke fuhr wegen Glättegefahr nicht mehr

Aufgrund der wenigen Verkehrsteilnehmer waren die Straßen Remscheids morgens zwar mit Vorsicht, aber relativ gut befahrbar. Es gab keine Probleme. Der Schnee, der sich im Ruhrgebiet schon in der Nacht auf Sonntag reichlich eingestellt hatte, kam hier erst im Laufe des Vormittags hinzu, nachdem es zwar nicht heftig, aber stetig geschneit hatte. Ab mittags begannen langsam die Schwierigkeiten. Die Stadtwerke mussten gegen 12.20 Uhr die Buslinie 615 wegen Glättegefahr vorübergehend einstellen. Die abschüssige Linienstrecke zum Hasten runter musste am Halt Schöne Aussicht/Richard-Lindenberg-Platz ausgesetzt werden. Die im Einsatz befindlichen Verkehrsmeister hatten sich in Absprache mit den Busfahrern zu dieser Maßnahme entschieden.

Dass der Verkehr rollen konnte, war den Räumfahrzeugen der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) zu verdanken. Der Winterdienst hatte sich für das Wetter-Extrem mit Doppel-Besetzung gewappnet. 16 Streu-/Räumfahrzeuge waren Sonntagmorgen im Einsatz.

Gegen Mittag lag das Grün des Stadtparks unter einer weißen Decke. Herrchen und Frauchen hatten mit ihren Hunden gleichermaßen Spaß im Schnee.

Am Abend davor waren zur Vorsicht Schneeketten aufgezogen worden, die dann aber nicht benötigt wurden. „Durch die Doppel-Besetzung konnten die Touren zügig abgearbeitet werden, bis dann der Schnee kam“, erklärt Ulrich Dreesen, TBR-Bereichsleiter Müllabfuhr, Straßenreinigung und Winterdienst.

Später als in der Woche im Berufsverkehr rückten die TBR gegen 6.30 Uhr aus, mussten aber zunächst kaum räumen, weil nur eine dünne Schneedecke lag. Nachmittags wurden noch einmal die Priorität 1 der Straßen und die Sonderpläne (Steilstücke, Busstrecken) vom Winterdienst abgefahren und mit einer Mischung aus Feucht- und Streusalz befahrbar gemacht.

Zwar lief der Sonntag bis nachmittags ruhig, dennoch warnt die Feuerwehr Remscheid ausdrücklich vor der aktuellen Wetterlage. „Eine Entspannung der Lage in Remscheid ist aus Sicht der Feuerwehr nicht absehbar“, teilt Brandoberinspektor Marvin Vollmerhaus mit. Weiter sei mit akuter Glätte auf öffentlichen Straßen und Gehwegen zu rechnen. 

Nur wenn nötig ins Freie gehen

An den Bäumen hat sich eine zentimeterdicke Eisschicht gebildet. Weil in den kommenden Tagen satte Minus-Temperaturen erwartet werden, wird diese zunehmen.

Bizarre Objekte bei Temperaturen weit im Minus-Bereich: Für Fotografen sind die vereisten Bäume momentan ein lohnendes Motiv - hier am Quimper-Platz.

Durch die Last von Eis und weiter ansteigendem Schneefall sei mit Astbruch und umstürzenden Bäumen zu rechnen, warnt die Feuerwehr. Auch im urbanen Raum sei eine Gefährdung durch herabfallende Eiszapfen möglich. Die Feuerwehr rät, den Aufenthalt im Freien auf das Nötigste zu reduzieren, Wälder nicht zu betreten.

Standpunkt: In der Tiefkühltruhe

Von Andreas Weber

In Wuppertal wurde die Schwebebahn vom Eis lahmgelegt. In der Nachbarstadt erfüllte sich mit dem Stillstand des Aushängeschildes leider eine der Prognosen, die mit diesem Wochenende im Vorfeld verknüpft worden waren.

andreas.weber@rga-online.de

Insgesamt kam Remscheid äußerst glimpflich davon, obwohl die disziplinierten Menschen hier ihren Anteil daran hatten, dass der erste Schub dieses harschen und so selten gewordenen Winterwetters nicht alles lahmlegte. Wenn der Berufsverkehr am Montag wieder rollt, leichter Schnee fällt und die Temperaturen standhaft im Minusbereich verweilen, wird es möglicherweise etwas anders aussehen auf den hiesigen Straßen. 

Auf jeden Fall wird Remscheid so schnell nicht aus der Tiefkühltruhe rauskommen. Für die Stadtwerke ist der Februar aufgrund der Heizkosten-Statistik der kälteste Monat. Und dieses Jahr wird er dieser Spitzenposition mehr als gerecht. Zumindest bis Ende der Woche ist in Remscheid ein dickes Minus angesagt, nachts sogar im zweistelligen Bereich. Bei knackiger Kälte sollte sich jeder daran erinnern, was ihn die Corona-Spielregeln lehren: Bleibe am besten Zuhause.

«Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu»: DWD-Meteorologe Trippler berichtet von eisigem Winterwetter mit bis zu minus 20 Grad nachts.

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