Virtueller Parteitag - Jens Nettekoven geht

Heidtmann zum neuen CDU-Chef gewählt

Im Übertragungsstudio nahm Jens Nettekoven beim digitalen Parteitag der CDU Abschied vom Parteivorsitz. Foto: Roland Keusch
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Im Übertragungsstudio nahm Jens Nettekoven beim digitalen Parteitag der CDU Abschied vom Parteivorsitz.

Vorsitzender Jens Nettekoven verabschiedete sich. Mathias Heidtmann stellte sich vor und bekam mehr als 97 Prozent der Stimmen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Neuland betrat die Remscheider CDU bei ihrem digitalen Parteitag: Statt der üblichen Versammlung bei Kölsch und Kartoffelsuppe im Schützenhaus erlebten die Christdemokraten am Montagabend eine Übertragung im Internet. Dabei verabschiedete sich Jens Nettekoven nach elf Jahren als Parteivorsitzender - nachdem er auch als Fraktionsvorsitzender nicht mehr angetreten war. Sein Nachfolger Mathias Heidtmann warb um Vertrauen und will mit Teamgeist die CDU in die Zukunft führen, wie er erklärte. Sie müsse eine Partei sein, die für die Remscheider die erste Ansprechpartnerin ist, wenn es um die Probleme vor Ort geht.

Schaltzentrale der Übertragung war die Werbeagentur Diners in Lüttringhausen, die zum TV-Studio wurde. Bürgermeister Kai Kaltwasser führte als Tagungspräsident souverän durch das Programm, bei dem Nettekoven und Heidtmann live vor einem Publikum sprachen, das sie nicht sehen konnten. „Lieber säße ich mit Ihnen in einem Raum“, erklärte Heidtmann. Sicherheit in Pandemie-Zeiten gehe aber vor.

Mehrfach war der Parteitag seit März 2020 wegen Corona verschoben worden. Bereits damals hatte Jens Nettekoven seinen Abschied vom Amt angekündigt. „Ich war zuletzt der dienstälteste CDU-Vorsitzende im Bergischen Land“, stellte der 42-Jährige am Ende der knapp 90-minütigen Übertragung fest.

Nettekoven zog positive Bilanz seiner Amtszeit

Seine Bilanz fiel weitgehend positiv aus: Der Remscheider CDU sei es gelungen, Direktmandate für den Bundes- und Landtag zu gewinnen. Ein Ziel habe sie jedoch verpasst: Der OB-Posten blieb den Mitbewerbern von der SPD vorbehalten. Auch das Ergebnis der vergangenen Kommunalwahl, bei der die CDU mehrere Sitze im Stadtrat verlor, habe „sehr wehgetan“. „Wir sind jetzt in der Opposition und müssen in den kommenden fünf Jahren beweisen, dass wir da nicht hingehören“, erklärte Nettekoven, der sich ausdrücklich bei seiner Frau Barbara für deren Unterstützung bedankte. „Wir haben gemeinsam Wahlsiege gefeiert, aber Du hast mich auch getröstet, wenn wir nicht erfolgreich waren“, erklärte er sichtlich bewegt.

Sein Nachfolger Mathias Heidtmann, der ohne Gegenkandidat antrat, wurde nach der Auszählung aller abgegebenen Stimmen mit 97,56 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der CDU Remscheid gewählt. Zu seinen Stellvertretern wurden Fabian Knott, Markus Kötter, Alexander Lampe und Gundula Michel gewählt. Heidtmann will noch stärker als bisher die Parteibasis einbinden, wie er ankündigte. „Ich möchte, dass wir eine Partei sind, in der man keine Funktion haben muss, um Dinge anzustoßen. Jede oder jeder, der unsere Werte teilt, ist herzlich willkommen.“ Ein klares Signal richtete er an die Ratsmehrheit von SPD/Grünen und FDP: „Ich bin der Meinung, dass Remscheid tatsächlich nur gemeinsam geht“, spielte er auf den Wahlslogan der Christdemokraten an. „Die CDU wird daher immer die Partei bleiben, die konstruktiv mitarbeitet“, erklärte Heidtmann über die Rolle, die seiner Ratsfraktion zukommt.

Seit 16 Jahren sei er mittlerweile politisch aktiv. Über das Engagement im Remscheider Jugendrat fand er bei der CDU seine politische Heimat, wobei er schon früh in verschiedenen Ämtern Verantwortung übernehmen durfte. Dazu zählen unter anderem der Kreisvorsitz der Jungen Union, die Leitung der CDU-Süd und auch seine Funktion als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Stadtrat seit 2014. Hauptberuflich wirkt der Vater einer kleinen Tochter, der mit seiner Ehefrau Caro im Sommer einen Sohn erwartet, als Lehrer an der Nelson-Mandela-Sekundarschule.

Am gestrigen Dienstag hatten die Mitglieder der Remscheider CDU die Gelegenheit, für Mathias Heidtmann in zwei Wahllokalen ihre Stimme abzugeben. Dazu dienten das Röntgen-Museum und die CDU-Geschäftsstelle an der Konrad-Adenauer-Straße. An beiden Orten steht am Donnerstag ein zweiter Wahlgang an. Dann geht es um die übrigen Vorstandsposten bei der CDU – vom Schatzmeister bis zum Schriftführer. Die jeweiligen Kandidaten stellten sich beim digitalen Parteitag in kurzen Einspielvideos vor. Am späten Donnerstagabend steht dann fest, wie das komplette Führungsteam der Remscheider CDU für die nächsten zwei Jahre aussehen wird.

Ehrenamtspreis

Die Remscheider CDU hat ihren diesjährigen Ehrenamtspreis an die Ärztliche Kinderschutzambulanz vergeben. Dies sei ihm eine Herzensangelegenheit, betonte der scheidende Parteichef Jens Nettekoven. „Hier erhalten Kinder Hilfe, die Opfer von körperlicher Misshandlung, Vernachlässigung oder sexueller Gewalt geworden sind.“ Die Ambulanz kümmere sich um die Schwächsten der Gesellschaft. Preisträger waren in der Vergangenheit unter anderem die Feuerwehr Remscheid und das DRK-Blutspendeteam.

Standpunkt: Nur gemeinsam

Von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga-online.de

Es sind besondere Zeiten, in denen Mathias Heidtmann das Ruder bei der CDU übernimmt. Hinter den Christdemokraten liegt eine schmerzhafte Niederlage bei den Kommunalwahlen, vor ihnen liegt der Kampf um das Direktmandat für den Bundestag. Und über allem liegt die Corona-Pandemie wie ein Schatten. Da ist es eine Herkulesaufgabe, für Aufbruchstimmung und frischen Wind zu sorgen. Nichts anderes wird aber von Heidtmann erwartet, der für die CDU in Remscheid Perspektiven eröffnen muss. Sie steht schon seit Jahren ohne Bündnispartner da. Weder die SPD noch die Grünen oder die FDP scheinen sich sonderlich für die Christdemokraten zu interessieren, die aber ohne eine Allianz auch langfristig in der Opposition gefangen bleiben. Mathias Heidtmann bietet der Ampel-Koalition konstruktive Zusammenarbeit an. Diesen Akzent hat er bei seiner Vorstellungsrede ganz bewusst gesetzt. Die CDU will über Remscheids Geschicke mitbestimmen und sich dabei als möglicher Kooperationspartner für andere Parteien profilieren. „Remscheid geht nur gemeinsam,“ sagt Heidtmann – sicher nicht ganz ohne strategischen Hintergedanken.

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