Junges Talent

CD und Buch: Noah Gordon setzt ein Statement

Noah Haselmeier mit dem Ergebnis seiner Jahresarbeit an der Rudolf-Steiner-Schule. Foto: S. Haselmeier
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Noah Haselmeier mit dem Ergebnis seiner Jahresarbeit an der Rudolf-Steiner-Schule.

Für seine Jahresarbeit an der Rudolf-Steiner-Schule hat sich der 18-jährige Rapper richtig ins Zeug gelegt.

Von Andreas Weber

Remscheid. Möglicherweise wird Noah Gordon Haselmeier einmal in seiner Musikerlaufbahn ein Alleinstellungsmerkmal besitzen als Sänger, Rapper und Produzent, der für ein von A bis Z selbst gefertigtes Album eine Schulnote erhalten hat. Noah Gordon, wie sich der 18-jährige Hastener als Künstler nennt, hat gerade seine Jahresarbeit an der Rudolf-Steiner-Schule abgegeben.

Am Donnerstag wird er einer von 15 Schülern sein, die ihre Jahresarbeit in der Turnhalle der Waldorfschule vorstellen. 20 Minuten hat er Zeit, um den Entstehungsprozess, der auf 54 Seiten schriftlich fixiert ist, und Auszüge seines zehn Songs umfassenden Albums vor einem coronabedingt kleinen Publikum vorzustellen. Auf das, was er in der Hand hält, ist Noah Gordon ungeheuer stolz.

Mehrere Hundert Stunden stecken in „Statements“, so der Titel seiner CD, von der es vorerst nur ein paar Exemplare gibt und der Jahresarbeit, in der das „Making Of“ seiner Plattenproduktion erläutert wird. Geeignet auch als Anleitung für Nachahmer, die in ihrem Heimstudio zur Tat schreiten wollen.

„Texten war immer meine größte Stärke.“

Noah Gordon Haselmeier

Zwölf Singles hat er in den vergangenen vier Jahren rausgebracht, zwei EPs und im März 2020 sein erstes Album „Gegen die Zeit“. Das zweite nun ist speziell, weil es Schule und Musik verquickt. Noah Gordon hat sich nach der Stufe 11 vom Abi verabschiedet, blieb aber in Bergisch Born und entschied sich für ein Bühnenjahr in der Stufe 12, das denjenigen Schülern eine Alternative bietet, die zwar kein Reifezeugnis ablegen möchten, aber auch noch keine Weiterbildungs- oder Ausbildungsperspektive sehen.

Mit der Vorlage der Jahresarbeit biegt Noah Gordon schulisch auf die Zielgerade ein. „Statements“ folgt einem roten Faden. Der 18-Jährige hat die zehn Themen ausgesucht, die sein Leben prägen und geprägt haben. Zehn Songs sind entstanden, die sein Urheber mit je einem Schlagwort betitelt hat: Angst, Glück, Sucht, Papa, Freiheit, Würde, Familie, Mama, Erdball, Glauben.

„Ich habe sonst einen großen Output an Songtexten und Lyrik, doch bei diesem Album wollte ich eine Herausforderung. Ich habe mich entschieden nicht einen, aus sich selbst entstandenen Text zu verwenden, welcher aus Lust und Laune entstanden ist, sondern ich möchte konkret auf jedes Thema der Songs in meinem Album eingehen, ein Konzept entwickeln und daraus einen fertigen Songtext erarbeiten.“

Entstanden sind zehn Stücke, die alle eine Botschaft besitzen. Stets auf der Suche nach dem perfekten Reim, ist es Noah Gordon gelungen, darin ebenso schlaue wie nachdenkenswerte Inhalte zu verpacken, die sich auch noch einmal mit dem Tod seines leiblichen Vaters auseinandersetzen. „Texten war immer meine größte Stärke“, sagt er zu dem fertigen Produkt: „Und diesmal wollte ich noch einmal über mich hinauswachsen.“ Es ist gelungen. Und bei den Instrumentals, die den Sprechgesang unterlegen, achtete Noah Gordon auf größtmögliche Abwechselung.

Das Ergebnis wird auf den virtuellen Musikplattformen zu hören sein, das Album am 21. Mai veröffentlicht. Auch wenn die Schule nicht mehr die Nr. 1 in seinem jugendlichen Leben ist, so hat Noah Gordon doch für die Jahresarbeit alles gegeben und richtet investiert. „Das Beste war gut genug“, meint der Rapper. Und so hat er allein bei dem Buch auf 160 Gramm schweres Papier zurückgegriffen. Sein Kumpel Timaha (von DSK) hat ihn bei der CD-Pressung, Booklet und Cover unterstützt. Letzteres zeigt übrigens ein Kinderfoto von Noah Gordon. Die CD selber hat eine ungewöhnliche Vinyl-Optik. „Auch dabei sollte es etwas Besonderes sein“, freut sich das Remscheider Talent über das bis ins letzte Detail stimmige Projekt.

Alles begann 2017 auf einer christlichen Jugendfreizeit mit einem Rap-Workshop, setzte sich fort mit einer außer Noah aus Erwachsenen bestehenden Band, die im Kultshock ihr Hauptquartier hatte und christlich-inspirierte Messages anstimmte. Später kamen eigene Texte dazu, Noah Gordon arbeitete alleine und mit viel mit Beats. Er brachte seine Songs raus, der bekannteste „Du hast es versucht“, ein Song für seinen verstorbenen Vater.

Sein Erweckungserlebnis hatte Noah Gordon auf dem Schülerrockfestival in der Wuppertaler Uni-Halle 2019, als er „Du hast es versucht“ sang. „Die Besuchermasse war total still, alles lauschte ergriffen. Ich bekam eine Gänsehaut.“ Mittlerweile folgt dem Remscheider eine stattliche Fanbase, die bald auf einen Nachfolger von „Statements“ hoffen darf.

Noah im Stream

Unter Noah Gordon findet man ihn bei Spotify, Apple Music oder Deezer. Bei Spotify liegt der Remscheider mit seinen Song-Veröffentlichungen momentan bei knapp unter 100 000 Streams. Leben kann er davon nicht. Für tausend Streams gibt es von Spotify 3,80 Euro. Dranbleiben wird er trotzdem. Noah Gordon sprudelt über vor musikalischen Ideen. „Mein nächstes Album ist schon fertig“, sagt er und will bald nachlegen.

Wie passt fast ein ganzes Künstlerleben in sechs Räume? Der gebürtige Lenneper Fotograf, Grafiker und Maler Klaus Küster, Jahrgang 1941, hat sich diese Aufgabe nicht leicht gemacht und die Hängung lange geplant – das Ergebnis ist eine Entdeckungsreise mit Überraschungseffekt auf zwei Etagen.

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