Interview der Woche

OB Burkhard Mast-Weisz: „Wir sind eine Stadt mit Perspektive“

„Ich weiß, wie man ein Schiff auch durch schwere See steuert“: Burkhard Mast-Weisz (SPD) möchte wiedergewählt werden. Foto: Michael Schütz
+
„Ich weiß, wie man ein Schiff auch durch schwere See steuert“: Burkhard Mast-Weisz (SPD) möchte wiedergewählt werden.

Der RGA spricht mit den Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl: Burkhard Mast-Weisz tritt für die SPD an.

Das Gespräch führte Axel Richter 

Herr Mast-Weisz, was machen Sie am Morgen des 14. beziehungsweise 28. September

Burkhard Mast-Weisz: Das ist in beiden Fällen ein Montag. Also gehe ich zur Arbeit. So oder so.

Sie haben einmal gesagt, Sie kommen sich vor wie vor der Zeugnisvergabe. Wofür sollte es aus Ihrer Sicht eine gute Note geben?

Mast-Weisz: Ich glaube, eine der wichtigsten Aufgaben in den zurückliegenden Jahren war es, diese Stadt zusammenzuhalten. Denken Sie an die vielen Geflüchteten, die uns 2015 zugewiesen wurden. Die Stadtgesellschaft hat sich damals solidarisch gezeigt und sie zeigt sich heute solidarisch in der Corona-Krise. Dafür bin ich dankbar.

Wir haben den städtischen Haushalt in den Griff bekommen und uns wieder Spielraum für Investitionen verschafft. Wir haben 35 Millionen Euro in die Schulen investiert, wir bauen neue Kitas. Wir dürfen unser Freibad für 14 Millionen Euro sanieren. Und McArthurGlen steht weiterhin fest hinter den Plänen für das DOC in Lennep. Wir sind also keine sterbende, keine kaputtgehende Stadt, sondern eine Stadt mit Perspektive.

Was ist dagegen schlecht gelaufen?

Mast-Weisz: Ich hätte gern das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung anstelle der Sinn-Leffers-Ruine gesehen. Das hätte Frequenz für die Allee gebracht. Leider sind die Pläne gescheitert. Im Bürgeramt gab es lange Wartezeiten, im Bauamt dauerte die Bearbeitung von Genehmigungen zu lange. Wir haben das allerdings angepackt und geändert.

Bleiben wir mal auf der Alleestraße. Die hat auch unter dem OB Mast-Weisz weiter an Attraktivität verloren. Was soll sich mit Ihnen in den nächsten fünf Jahren ändern?

Mast-Weisz: Wir halten mit einer neuen Planung und mit einer Sanierungssatzung für die Allee jetzt neue Werkzeuge in Händen. Zum einen müssen wir die Eigentümer für Veränderungen begeistern. Zum anderen müssen wir schauen, was wir als Kommune selbst machen können. Wir können allerdings auch nicht überall einspringen. Was meinen Sie, wie viele fertige Pläne ich für einzelne Objekte auf der Allee bereits gesehen habe? Pläne und Ankündigungen, auf deren Umsetzung ich bis heute warte.

Andere warten auch. Die Unternehmer zum Beispiel auf Bauland für Gewerbe. Die Stadt ist damit nicht vorangekommen.

Mast-Weisz: Das stimmt nicht. Wir haben mit Wermelskirchen und Hückeswagen ein interkommunales Gewerbegebiet Gleisdreieck in Bergisch Born auf den Weg gebracht. Die CDU sagt: Bevor es keine B51n gibt, darf nicht gebaut werden. Ich sage: Ob mit B51n oder ohne - das Gewerbegebiet muss auf jeden Fall kommen. Denn so etwas wie Dönges darf uns nicht noch einmal passieren.

Auch das Unternehmen hat Remscheid verlassen, weil es keinen Platz zur Entwicklung gefunden hat.

Mast-Weisz: Ja. Und wir brauchen die Unternehmen dringend. Kultur, Schulen, Straßen, der Kommunale Ordnungsdienst - alles wird aus der Gewerbesteuer finanziert. Und die Menschen brauchen Arbeit.

Ich zähle mal weiter auf: Die Kreuzung Eisernstein in Lüttringhausen harrt ihres Umbaus zum Kreisverkehr und über den Boulevard, zu dem die Kölner Straße in Lennep einmal werden sollte, redet schon keiner mehr.

Mast-Weisz: Das ist nicht richtig. Richtig ist, dass wir über viele Jahre nicht investieren durften. Jetzt dürfen wir das wieder und bauen zum Beispiel für 30 Millionen Euro ein neues Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung. Wir werden auch die anderen Dinge, die Sie genannt haben, abarbeiten. Eisernstein wird, das hat der Rat beschlossen, in den nächsten zwei Jahren angepackt. Mit Blick auf den Boulevard Kölner Straße haben wir gesagt: Lasst erst einmal das DOC kommen.

Kommt das DOC denn?

Mast-Weisz: Ja, klar. Auch McArthurGlen hat eine schwere Zeit hinter sich. Der Investor hat weltweit alle Center während der Coronakrise schließen müssen. Das ändert aber nichts an der Entscheidung. Ich hoffe weiterhin auf eine außergerichtliche Entscheidung mit den verbliebenen Klägern. Anderenfalls werden im Oktober die Gerichte entscheiden.

Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidaten, insbesondere von Alexa Bell?

Mast-Weisz: Ich kenne das Rathaus nach 19 Jahren in allen Verästelungen. Ich verfüge über Führungserfahrung und die nötige Gelassenheit. Und als zertifizierter Steuermann - ich habe wirklich ein Steuermannszertifikat - weiß ich, wie man ein Schiff auch durch schwere See steuert.

Die Corona-Krise reißt ein riesiges Loch in die ohnehin spärlichen Stadtfinanzen. Ist es da seriös, den Menschen einen Skywalk in der Müngstener Brücke zu versprechen?

Mast-Weisz: Wir haben nichts versprochen. Wir formulieren als SPD eine Idee für die Zukunft. Und ich finde, der Skywalk ist eine hervorragende Idee. Derzeit bereitet uns die Corona-Krise aber andere Sorgen.

Dennoch halten Sie trotz sinkender Steuereinnahmen an einem neuen Friedrich-Ebert-Platz fest und wollen das Rathaus erweitern. Sollte die Stadt das Geld jetzt nicht beisammenhalten?

Mast-Weisz: Wir müssen antizyklisch handeln und jetzt investieren. Damit stärken wir unser Eigenkapital und helfen den heimischen Unternehmen in der Krise. Am Friedrich-Ebert-Platz geht es um den Nahverkehr der Zukunft. Dafür fließen Fördergelder, die anderenfalls in andere Kommunen fließen würden. Und mit unseren Investitionen am Rathaus geht es darum, Geld zu sparen. Wir schaffen uns da kein neues Wohnzimmer, wie Frau Bell sagt. Das ist Blödsinn. Es geht darum, die Verwaltung wirtschaftlicher arbeiten zu lassen, indem wir auf die Nutzung von alten und ineffizienten Gebäuden verzichten.

Wo steht Remscheid nach weiteren fünf Jahren OB Mast-Weisz?

Mast-Weisz: Unsere Schulen sind fit für die Zukunft, wir haben genug Kitas. Das DOC läuft und die Alleestraße befindet sich in einem Prozess der Veränderung. Es wird neue Gewerbegebiete geben, die Digitalisierung schreitet voran. Und unsere Stadt schaut selbstbewusst in die Zukunft.

Und was machen Sie, wenn die Wähler Sie nicht wiederwählen?

Mast-Weisz: Ich habe dafür keinen Plan. Ich fühle mich zu jung, um aufzuhören.

Biografisches

Burkhard Mast-Weisz (SPD) ist 64 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Im August wurde er zum ersten Mal Großvater. Mast-Weisz ist studierter Sozialpädagoge. Nach beruflichen Stationen in Wuppertal arbeitet er seit 2001 im Remscheider Rathaus. Dort verantwortete er zunächst das Dezernat für Jugend, Soziales und Gesundheit. 2008 wurde er zum Stadtdirektor bestellt und übernahm zusätzlich die Aufgaben des Kämmerers. 2014 wählten ihn die Remscheider zum Oberbürgermeister.

Hier finden Sie unsere Berichterstattung zur Kommunalwahl 2020.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Gruppe Überflutungshilfe wird von zahlreichen Spendern unterstützt
Gruppe Überflutungshilfe wird von zahlreichen Spendern unterstützt
Gruppe Überflutungshilfe wird von zahlreichen Spendern unterstützt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare