Arbeitgeber-Verband verabschiedet Geschäftsführer

Burkhard Mast-Weisz: „Das Gas wird nicht für alle reichen“

Unter anderem die Chemie- und Stahlindustrie sind unmittelbar auf Gas angewiesen – und damit viele Betriebe mittelbar.
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Unter anderem die Chemie- und Stahlindustrie sind unmittelbar auf Gas angewiesen – und damit viele Betriebe mittelbar.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Was wäre, wenn? Die Frage beschäftigt die Unternehmer in Remscheid und seinen Nachbarstädten weiter wie kaum eine andere.

Remscheid. Was wäre, wenn Putin den Deutschen doch noch den Gashahn zudreht? Im Herbst zum Beispiel, wenn die Wohnungen ohne den Brennstoff aus Russland kalt bleiben. Können Firmen wie die Schmiede Dirostahl und Robert Röntgen mit ihren Härteöfen dann noch weiter produzieren?

Interview: Kommt Remscheid ohne Gas aus Russland aus? 

Dr. Luitwin Mallmann (r.) sorgte für fröhliche Momente. Er verabschiedete Markus von Dreusche mit launigen Worten.

Die Antwort, die der Arbeitgeber-Verband für Remscheid und Umgebung jetzt auf seiner Mitgliederversammlung bei Leckereien aus der Küche des Schützenhauses erhielt, verheißt nicht viel Gutes: „Das Gas, das Remscheid dann noch erreicht, wird nicht für alle reichen“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) nach Sondierung der Versorgungslage mit den Stadtwerken voraus: „Wir liefen dann in eine große Rezession hinein.“

Heizkosten: Mieter sollen mehr Nebenkosten zahlen

Noch ist das nicht der Fall, noch brummt die Konjunktur. Doch natürlich hat der Krieg in der Ukraine längst Spuren hinterlassen. Für die im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie warnte Dr. Marcus Jankowski, Chef der Sägenfirma Röntgen und Präsident des Arbeitgeber-Verbandes, die Gewerkschaften deshalb vor falschen Vorstellungen: „Die Lebenshaltungskosten steigen. Ich verstehe deshalb die Forderung nach mehr Geld. Allerdings würde das die Lohn-Preis-Spirale weiter antreiben.“

Mit Sorge blickt der Arbeitgeberpräsident auch auf die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. 2035 sollen keine Verbrenner mehr zugelassen werden. Doch, fragt Jankowski: „Keiner weiß, wo der Strom für die Elektroautos herkommen soll.“ Er setzt auf Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft. Doch: „In Deutschland wurde die Forschung daran ausgesetzt. In Japan wird sie gefördert.“ Lassen sich die deutschen Autobauer ein weiteres mal abhängen?

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Herr von Dreusche meldete sich selten, um dem Wohlklang der eigenen Stimme zu lauschen.

Luitwin Mallmann, ehemaliger Chef von Metall NRW

Kritik an der „einseitigen Ausrichtung auf die E-Mobilität“ äußerte im Gespräch mit dem RGA auch die Hauptperson des Abends: Markus von Dreusche, seit 19 Jahren Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, steht vor dem Ruhestand. Luitwin Mallmann, einst Hauptgeschäftsführer der Metall-Unternehmer in NRW und Festredner des Abends, würdigte von Dreusche als „die Stimme des Mittelstandes“. In den Geschäftsführerkonferenzen, laut Mallmann ein Hort der Eitelkeiten, „meldete er sich selten zu Wort, um dem Wohlklang der eigenen Stimme zu lauschen“, hielt Mallmann launig fest. Dem bodenständigen Remscheider „ging es immer um die Machbarkeit vor Ort“.

Und was ist aktuell machbar vor Ort? Nach Einschätzung der Arbeitgeber ist es nur wenig. Der Fachkräftemangel sei groß, weshalb die Arbeitgeber mehr Zuwanderung fordern. Das DOC sei gestorben, und die Erschließung neuer Gewerbeflächen dauere nach wie vor zu lange.

Der so kritisierte Oberbürgermeister forderte im Gegenzug mehr Unterstützung von den Unternehmern ein. „Solange die Wirtschaft schweigt, fällt der Verwaltung die Realsierung unserer Gewerbepläne nicht unbedingt leichter.“ Den Lennepern machte das Stadtoberhaupt danach ebenfalls eine Ansage. Viele Vorschläge erreichen die Stadt für die ehemaligen DOC-Flächen in Lennep. Was bleibt, ist die Frage der Finanzierbarkeit, denn der Unterschied zu den Plänen von McArthurGlen lautet 170 Millionen Euro. „Dieses Geld wird nicht mehr in Lennep investiert.“ Übrigens auch nicht mehr woanders in Deutschland. Nach der Pleite in Lennep geht McArthur Glen in Deutschland kein Projekt mehr an.

Nachfolger

Markus von Dreusche (63) übt viele Ehrenämter aus. Nun soll noch eins dazukommen. Im Ruhestand will er sich zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen. Das Freibad Eschbachtal braucht sie dringend.

Der Nachfolger von Markus von Dreusche steht bereits fest. Christian Klauder leitet die Rechtsabteilung des Verbandes. Seit 13 Jahren ist er von Dreusches Stellvertreter. Im September tritt er an dessen Stelle.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Was ist die Alternative?

sven.schlickowey@rga.de

Wenn der Remscheider Arbeitgeber-Präsident vor überzogenen Forderungen der Gewerkschaften warnt, ist das aktuell sicher mehr als das alljährliche Ritual. In einer Situation, in der die Wirtschaft kaum einschätzen kann, was auf sie zukommt, ist die Sorge vor steigenden Lohnkosten nur verständlich. Zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Aus volkswirtschaftlicher Sicht hingegen muss die Frage erlaubt sein: Was ist die Alternative?

Wenn Sprit-, Gas-, Strom- und Lebensmittelkosten einen durchschnittlichen Haushalt bald mit einem dreistelligen Betrag monatlich zusätzlich belasten, werden das einige gar nicht leisten können, andere werden ihren Konsum massiv einschränken müssen. Die Folgen, nicht nur für den Einzelhandel, die Gastronomie und die Tourismus-Branche, wären verheerend. Bei einer Inflationsrate jenseits der sieben Prozent führt an deutlichen Lohnerhöhungen kein Weg vorbei.

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