50 Zuschauer verfolgten die Diskussion

Bundestagswahl 2021: Kandidaten liefern sich hitzige Debatten

Tötterten in Lüttringhausen die Bundestagskandidaten des Wahlkreises 103 (v.l.): Shoan Vaisi (Linke), Silvia Vaeckenstedt (Grüne), Dr. Robert Weindl (FDP), Ingo Schäfer (SPD) und Jürgen Hardt (CDU). Foto: Roland Keusch
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Tötterten in Lüttringhausen die Bundestagskandidaten des Wahlkreises 103 (v.l.): Shoan Vaisi (Linke), Silvia Vaeckenstedt (Grüne), Dr. Robert Weindl (FDP), Ingo Schäfer (SPD) und Jürgen Hardt (CDU).

Der „Kulturkreis.jetzt“ im Heimatbund hatte die Bewerber für den Bundestag zum Töttern eingeladen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Das Format „Töttern“, vom Lüttringhauser Kulturkreis.jetzt initiiert, hat sich durchgesetzt. Schon einige Abende sind diskutierfreudig und friedlich, wenn auch hier und da mal hitzig, durchgeführt worden. Dass sich die fünf Bundestagskandidaten der demokratischen Parteien im Wahlbezirk 103 (Solingen - Remscheid - Wuppertal II) zusammensetzen und unter der Moderation von Thorsten Greuling über Gott und die Welt debattieren, kommt in der Regel nicht so häufig vor. Im Saal des CVJM in Lüttringhausen hatten sich am Mittwochabend 50 Interessierte eingefunden. Der Abend entwickelte sich schnell zu einer typischen Wahlkampfveranstaltung. Thesen und Aussagen wurden hier bestätigt, dort vehement bestritten, und so entwickelte sich ein quirliges Hin und Her aus politischen Statements, kernigen Gegenreden, gelegentlichem Kopfschütteln und hitzigen Diskussionen.

„Mein Sohn ist 12“, eröffnete Thorsten Greuling humorvoll den Abend, „und fragte mich: Du, Papa, kann ein Mann eigentlich Bundeskanzlerin werden? Er kennt es halt nicht anders.“ Aber schnell konzentrierte sich die Runde auf globale und lokale Themen. Shoan Vaisi (Die Linke) kam vor zehn Jahren aus dem Iran nach Deutschland und könnte als erster Flüchtling in den Bundestag einziehen. Er konstatierte das völlige Versagen der Bundesregierung in Afghanistan, eine Aussage, die Jürgen Hardt (CDU) und Ingo Schäfer (SPD) so nicht stehenlassen wollten. „Der Anfang unseres Engagements in Afghanistan war gut. Das Ende war nicht so glücklich“, äußerte sich Hardt.

Im Weiteren bekam SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sein Fett weg. „Der hat den Altschulden-Fonds auf sehr unseriöse Weise in die Welt gesetzt, einfach so, ohne Absprache“, warf Hardt ein und erntete vehementen Widerspruch von Schäfer. Dr. Robert Weindl (FDP) süffisant: „Interessant, wie sich die beiden den schwarzen Peter zuschieben. Dabei vergessen sie, dass richtige Arbeit auf uns wartet: Die Digitalisierung, die Verkehrswende, die Klimafragen.“

Keine klaren Aussagen als es um die Koalitionsfrage ging

Weiterer Streitpunkt war die von den Linken geforderte „Reichensteuer“. Schäfer dazu: „Wir lehnen es ab, das immer die kleinen Leute die Kohlen aus dem Feuer holen. Jetzt sind auch mal die Besserverdienenden dran.“ Natürlich waren Hardt und Dr. Weindl mit dieser Aussage nicht einverstanden. Die große Stunde von Silvia Vaeckenstedt (Bündnis 90 / Die Grünen) schlug beim Thema Klimakatastrophe. „Nur wo Grün draufsteht, ist auch Grün drin“, sagte sie selbstbewusst. „Wir“, und sie sah in die Runde, „wollen alle das Gleiche. Aber wir wollen es schneller.“

Nach Ansicht des FDP-Vertreters steht die Industrie für die Klima-Wende bereit. „Die wartet nur darauf, das man ihr sagt, wie das vonstatten gehen soll.“ Klare Vorgaben an die Unternehmen forderte Shoan Vaisi. „70 % der Umweltbelastungen stammen von 100 Großkonzernen. Das ist doch Wahnsinn.“

Weitere Themen waren die auch im Wahlkreis 103 bemerkbare Kinderarmut und deren Bekämpfung, der immer größer werdende Bundestag und von den Kandidaten bevorzugte Koalitionen, zu denen keiner der fünf Diskutanten eine klare Aussage tätigte.

Abgebügelt

Eine alleinerziehende Mutter fragte Jürgen Hardt: „Alle haben sich Umweltschutz auf die Fahne geschrieben. Warum reden Sie nur und tun es nicht einfach?“ Hardt kühl: „Weil es dann weniger Jobs für alleinerziehende Frauen gäbe. Punkt.“ Aus dem Publikum waren Unmutsäußerungen zu hören.

Diese Kandidaten wollen für Remscheid in den Bundestag.

Unsere Podcast zur Bundestagswahl 2021 finden Sie hier: Grüne contra FDP; AfD und Linke.

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