Freiwilligenarbeit

Bufdis sind Gewinn für die Förderschule

Die Bufdis Lisa-Maria Flasdick (l.) und Alina Gerschkul mit den Hilda-Heinemann-Grundschülern Emir, Lisa und Jeremia.
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Die Bufdis Lisa-Maria Flasdick (l.) und Alina Gerschkul mit den Hilda-Heinemann-Grundschülern Emir, Lisa und Jeremia.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Hilda-Heinemann freut sich über Bewerber für Freiwilligendienst. Zwölf Monate, die den Horizont erweitern.

Remscheid. Längst sind Seiteneinsteiger und Hilfspersonal im Schulsystem nicht mehr wegzudenken. Für die Hilda-Heinemann-Schule ist der Bundesfreiwilligendienst zu einer Stütze geworden. „Ohne Bufdis wären bei uns viele Dinge nicht mehr möglich“, meint Schulleiter Christian Jansen. Bis zu sechs kann die Förderschule für geistige Entwicklung in Hackenberg pro Jahr aufnehmen.

Die 12 Monate an der Hilda-Heinemann sind gefüllt mit begleitenden Küchendiensten, Flächenreinigungen, pflegerischen Aufgaben, aber auch Ausflugs- und Schwimmbegleitungen. In jedem Fall sind die Bufdis mittendrin. „Sie sind an eine Klasse angedockt, erleben Unterricht in der Unterstufe hautnah“, betont Jansen. Lisa-Maria Flasdick (19), Alina Gerschkul (21) können dies bestätigen. Sie sind neben Vanessa Strempel (18) die drei aktuellen Freiwilligen.

Freiwilligenarbeit hilft bei der Berufsfindung

Lisa ist in der V5, bei den Jüngeren von 6 bis 11 Jahren. Acht Kinder werden dort von fünf Erwachsenen betreut. „In der Klasse baut man eine Beziehung zu den Kindern auf. Das gefällt mir sehr gut. Es ist einfach total schön, wenn die Kinder sich freuen, wenn sie mich sehen“, erklärt die Remscheiderin. Nachdem sie 2021 am Rögy ihr Abi gebaut hatte, wusste sie nur: „Ich will in einen sozialen Beruf gehen.“ Durchaus mit Menschen, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben. Für Lisas Findungsphase war die Hilda-Heinemann perfekt.

Bei späteren Bewerbungen zählt der Bufdi als Pluspunkt. „Denn du hast Praxiserfahrung gesammelt“, weiß Christian Jansen. „Das Jahr ist alles andere als nur Überbrückung, sondern ein Gewinn.“ Jeder Freiwillige bekommt am Ende auch ein Zeugnis ausgestellt. Lisa-Maria Flasdick wird es zunächst nicht mehr benötigen. Denn ab Oktober beginnt sie im Tannenhof eine Ausbildung zur Ergotherapeutin.

Alina Gerschkul stieg nachträglich in Hackenberg ein. Die 21-Jährige, ebenfalls Rögy-Absolventin, hatte sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Russland entschieden. Über die evangelische Kirche Rheinland und die dortige Organisation Perspektivi wurde sie an eine Behindertenschule in St. Petersburg vermittelt. Durch ihre familiären Wurzeln spricht Alina Russisch. Vom 29. Oktober vergangenen Jahres bis 11. März verbrachte sie im Osten. Nach der russischen Invasion in der Ukraine wurde Alina zurückgerufen, orientierte sich neu. „Für uns war das eine Fügung des Schicksals“, meint Christian Jansen.

„Denn wir hatten Plätze frei und zudem ein Flüchtlingskind aus der Ukraine.“ Durch ihre Sprachkenntnisse wurde Alina zur Bezugsperson für das 12-jährige Mädchen. Nach ihrem Abitur wollte sie nichts mit Behinderten machen, es erschien ihr zu anstrengend. Alina merkte aber schnell: „Man wächst mit der Aufgabe, der Umgang gibt mir Kraft und die Kinder bereiten gute Laune.“ Ab dem Wintersemester wird sie Frühförderung an der Uni Köln studieren. Auch Gerschkul bestätigt, was Schulleiter Jansen beobachtet: „Für junge Menschen, die nicht wissen, wohin die Reise geht, ist dies ein Baustein, um den Horizont zu erweitern.“ Alina fügt hinzu: „Ich kann es allen empfehlen, die im sozialen Bereich arbeiten wollen.“

Freiwilligenarbeit hilft auch bei der Studienwahl

Wermutstropfen: Die Bezahlung ist schlecht. Das Taschengeld, wie es offiziell heißt, beträgt 250 Euro. „Die letzte Erhöhung fand 2012 statt, von 175 auf 250 Euro. Es rentiert sich nur für Bufdis, die zu Hause wohnen und keine Miete bezahlen“, merkt Jansen an. 100 Euro Sozialversicherungsleistungen gesellen sich hinzu. Die Verpflegung in der Hilda-Heinemann ist kostenlos. Dennoch: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Lohn. Da müsse der Gesetzgeber dringend nachbessern, um das Bufdi-Angebot attraktiver zu machen, fordert Christian Jansen.

Für das Schuljahr 2022/23 nimmt die Hilda-Heinemann bis 1. September Bufdi-Bewerbungen entgegen. Wer Interesse hat, melde sich unter Tel. 0 21 91-163 127 oder Mail: hilda-heinemann-schule@remscheid.de

25 Seminartage

Der Bundesfreiwilligendienst sieht 30 Urlaubstage bei einer 38-Stunden-Woche vor. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hat in das Jahr 25 Seminartage integriert, aufgeteilt in fünf Wochenblöcke, u.a. zu politischer Bildung, die im Bildungszentrum Herdecke abgehalten werden.

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