Viele Bürger lassen Termine sausen

Bürgerservice nimmt Druck aus dem Kessel

Personalbedingt ist der Bürgerservice – hier Leiterin Tabitha Henn – mit der Beantwortung von 400 E-Mails im Rückstand. Foto: Roland Keusch
+
Personalbedingt ist der Bürgerservice – hier Leiterin Tabitha Henn – mit der Beantwortung von 400 E-Mails im Rückstand.

Umstrukturierung soll das Beantragen und Abholen von Ausweisen beschleunigen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Stadt reagiert auf die Rückstände im Bürgerservice. Um Beantragung und Abholen von Ausweisdokumenten zu beschleunigen, wird die Ausgabe von Personalausweisen und Reisepässen ab 31. Mai vom Ämterhaus in das Rathaus ins Zimmer 28 im Erdgeschoss verlegt. „Dadurch wird es möglich sein, zwei zusätzliche Terminschleifen vormittags anzubieten“, kündigt Barbara Reul-Nocke an. Die Dezernentin räumt ein, dass der Druck hoch sei: „Wir können den Bearbeitungsstau in der Pandemie nur nach und nach abarbeiten.“

Reul-Nocke wehrt sich aber vehement gegen den Vorwurf, der öfters in sozialen Medien erhoben wird, „dass wir im Bürgerservice nur noch Maniküre und Pediküre machen“. Immer wieder werden mit Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann und Tabitha Henn, Leiterin der Abteilung Bürgerservice, Möglichkeiten ausgelotet, die in der Pandemie ins Stocken geratenen Abläufe zu beschleunigen.

„Die verbliebenen Mitarbeiter werden das Pensum nicht ewig durchhalten.“

Tabitha Henn, Bürgerservice

Bedingt durch zahlreiche Krankheitsausfälle, dreht das Personal im Bürgerservice am Limit. Sieben Vollzeitkräfte fallen aus, fünf sind langzeitkrank. „Dadurch haben wir zwar nicht unser Terminangebot verringert, aber die verbliebenen Mitarbeiter werden das Pensum nicht ewig durchhalten“, befürchtet Tabitha Henn. 2020 stellte die Stadt 14 500 Ausweisdokumente aus. Tendenz steigend. 2016 waren es zum Beispiel nur 13 927 – ohne Corona. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurde der Spitzenwert im März mit 4028 vergebenen Terminen erreicht.

Was die Arbeit im Bürgerservice erheblich erschwert, ist die Tatsache, dass viele Antragsteller ihre Termine sausen lassen – weder absagen noch wahrnehmen, obwohl sie am Tag vor ihrem Termin automatisch eine Erinnerungsmail erhalten. Von Januar bis April gingen auf diese Weise 1178 Termine verloren, vorneweg der März mit 411. Henn nennt die Tatsache „erschreckend“, Beckmann bezeichnet es als ein wenig „asozial“. Denn: „Die Hälfte der nicht wahrgenommenen Termine hätten wir neu besetzen können“, ärgert sich Henn. Der Bürgerservice hat darauf reagiert und überbucht mittlerweile seinen Kalender.

Insgesamt sind mit Backoffice, Wahlen/Statistik, Passstelle und Großraumbüro 32 Mitarbeiter(innen) im Bürgerservice beschäftigt. Und denen wird der Nachschub nicht ausgehen. „In Remscheid sind zurzeit 3500 Dokumente nicht mehr gültig, in den kommenden Monaten werden 2400 weitere hinzukommen“, erklärt Barbara Reul-Nocke. Das Abholen im Rathaus könnte kurz vor den Sommerferien, wenn viele Bürger wieder mit Auslandsreisen liebäugeln, Druck aus dem Kessel im Ämterhaus nehmen. Zwei Azubis, eine Teilzeitkraft und eine Vollzeit arbeitende Mitarbeiterin, die ab Ende Juni dazustößt, sollen im Rathaus die notwendige Entlastung für den Bürgerservice bringen.

Im Bereich der Zulassung sieht die Stadt derzeit keinen akuten Handlungsbedarf. 2020 wurden 23 000 Vorgänge abgewickelt. „Da haben wir derzeit keinen Rückstau, was auch daran liegt, dass wir den Zulassungsdiensten keine Obergrenze gesetzt haben“, betont Reul-Nocke.

Die Dezernentin fühlt sich auf dem richtigen Kurs: „Schon während des ersten Lockdowns war Remscheid eine der wenigen Kommunen, die weiter Zulassungen ermöglicht hat.“ Seit Februar gibt es auch die online-basierte Kfz-Zulassung, die aber bisweilen kaum Anklang fand, offensichtlich, weil sich es sich in der Bevölkerung noch nicht herumgesprochen hat. Eine Vereinfachung stellt sie nur für die Kunden da, für den Bürgerservice fällt auch online genauso viel Arbeit bei der Bearbeitung an.

Abgelaufen

Seit Pandemiebeginn ist es nicht schlimm, mit einem abgelaufenen Ausweis unterwegs zu sein. Bei einem Notar-Termin würde man damit scheitern, gleichwohl drohen momentan keine Konsequenzen. Eigentlich ist ein ungültiges Dokument eine Ordnungswidrigkeit, die aber zurzeit – aufgrund von Corona – nicht geahndet wird. Auch innerhalb Europas ist Reisen mit abgelaufenem Ausweis (bis zu einem Jahr) kein Problem. Zu bedenken sind nur die unterschiedlichen Richtlinien der Fluggesellschaften.

Dezernentin Barbara Reul-Nocke schilderte Ortspolitikern Belastung der Mitarbeiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Corona: Impfstelle im Zentrum Süd eröffnet - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Impfstelle im Zentrum Süd eröffnet - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Impfstelle im Zentrum Süd eröffnet - Zwei weitere Todesfälle
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut

Kommentare