Fluthilfe zieht Bilanz

Bürger helfen Flutopfern mit 551.000 Euro

Dort leben auch Susanna (kleines Foto, M.) und Lee Roberts (kleines Foto, r.). Die Fluthilfe sowie Petra und Robert Köser helfen dem betroffenen Paar auf vielfältige Weise. Endlich konnte eine Bodenplatte für die neue Heizung gegossen werden.
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Susanna (Mitte) und Lee Roberts (r.) wohnen am Clemenshammer. Die Fluthilfe sowie Petra und Robert Köser helfen dem betroffenen Paar auf vielfältige Weise. Endlich konnte eine Bodenplatte für die neue Heizung gegossen werden.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Noch sind über 200.000 Euro auf dem Konto. Wichtig ist der persönliche Kontakt.

Remscheid. Die Weihnachtsbotschaft war für Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) noch nie klarer als in diesem Jahr: Was die Stadtgesellschaft in den Tagen und Monaten nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli geleistet habe, sei pure Nächstenliebe. „Und das erfüllt mich mit unfassbarer Dankbarkeit.“ Denn bis heute haben die Remscheider für die Bürger der eigenen Stadt, die Opfer des Jahrtausend-Hochwassers wurden, einen „phänomenalen Betrag gespendet“, sagt Mast-Weisz. Gestern zog die Fluthilfe Bilanz. Wir geben einen Überblick.

Spendensumme: Bislang wurden 551 744,90 Euro gespendet, also über eine halbe Million. Hinter den 1292 Spendern stehen jedoch noch mehr Menschen, sagt Horst Kläuser, Initiator der Fluthilfe. „Es wurden Skatkassen geplündert. Vereine sagten Sommerfeste ab und spendeten an die Fluthilfe. Auch der kleine Kevin spendete 5 Euro. Diese Spende ist genauso wertvoll wie die 30 000-Euro-Spende einer Stiftung, einer Firma oder eines Serviceclubs.“ Daher reiche ein Wort: Danke. Petra Köser von der Ehrenamtshilfe lobt die Remscheider ebenfalls: „Die Stadt Remscheid ist für mich ein Aushängeschild für den Katastrophenfall. In anderen Städten hat das nicht so gut funktioniert wie bei uns.“

Hier wurden Lebensentwürfe unterspült.

Siegfried Landau, Pfarrer

Empfänger: Fast 80 Haushalte und Vereine meldeten sich bei der Fluthilfe und baten um Unterstützung. Besonders die Tallagen wie Morsbach-, Lobach- oder Hammertal sowie Beyenburg und Unterburg traf die Flut hart. Die Feuerwehr und das THW verzeichneten über 160 Einsätze.

Schäden: Manche Häuser wurden unbewohnbar, Fundamente unterspült, Öl- und Gastanks weggeschwemmt, Einrichtungsgegenstände unbrauchbar. Aber was noch viel schlimmer ist: „Hier wurden auch Lebensentwürfe unterspült“, sagt Pfarrer Siegfried Landau von der Evangelischen Kirchengemeinde. Er war als Seelsorger sofort zur Stelle, hat viele Gespräche geführt, Trost gespendet. „Das Gefühl, im eigenen Haus nicht mehr sicher zu sein, ist verloren gegangen. Und ein Rest wird bleiben.“ Einige Menschen bräuchten therapeutische Hilfe. Wie viele, werde sich noch zeigen.

Wupperverband rät zur Eigenvorsorge für Hochwasserschäden.

Denn auch wenn das Haus vielleicht wiederaufgebaut werden könne – die seelischen Narben blieben. Die Akteure der Fluthilfe, die sogenannte Bekieker-Teams gebildet hatten, haben alle Flutopfer besucht, die Häuser gesehen, die Verzweiflung der Menschen zu spüren bekommen. Aber auch die Dankbarkeit, jemanden in dieser Notsituation zu haben.

Der geflutete Clemenshammer am 14. Juli 2021. Die Ortslage im Tal wurde besonders schwer getroffen.

Hilfe: Die Fluthilfe konnte schnell und unbürokratisch Gelder für Reparaturen, Hilfsmittel, Material, Entsorgung Holz und Radiatoren ausgeben, Gutscheine für Möbelhäuser und Baumärkte ausgeben, Handwerker schicken. In keinem Fall sei Missbrauch festgestellt worden.

Spendenkonto: Aktuell befinden sich auf dem Konto, das Stadtkämmerer Sven Wiertz im Blick hat, noch über 200 000 Euro. „Damit wollen wir auch nächstes Jahr noch helfen“, sagt Kläuser. Denn aktuell sei Jutta Velte von der Fluthilfe noch mit den Gutachtern in den überfluteten Gebieten unterwegs. Noch längst seien nicht alle Schäden erfasst.

Weihnachtsaktion: Am Samstag waren die Bekieker wieder unterwegs und besuchten alle Betroffenen persönlich. Neben Weihnachtssternen, Schokolade, einer Karte und Finanzhilfen verteilten sie auch Freikarten für den Remscheider Weihnachtscircus. Diese hatte Circus-Sprecher Stefan Ballack bereits im Sommer an den Stadtchef übergeben. „Bei unseren Besuchen haben wir alles gesehen: Von Häusern, in denen noch nichts passiert ist, bis zu Mietern, die uns stolz zeigten, was sie bereits renoviert haben“, erzählt der Oberbürgermeister. Es seien ganz persönliche Gespräche gewesen, dabei sei so manche Träne geflossen – auch bei den Bekiekern, sagt Horst Kläuser.

So geht es weiter: Den Kümmerern ist es wichtig, auch weiter Kontakt zu den Flutopfern zu halten. „Bei manchen wird es noch lange dauern, bis so etwas wie Normalität eintritt“, sagt Petra Köser. Und Alexander Schmidt fügt hinzu: „Wir müssen dranbleiben. Es ist noch nicht vorbei.“ Denn die Not sei immer noch groß.

Kontakt

Der Verteilerkreis der Fluthilfe ist auch weiter ansprechbar. Dieser setzt sich aus Burkhard Mast-Weisz, Horst Kläuser, Siegfried Landau, Elke Kläuser, Fred Schulz, Michael Wellershaus, Jutta Velte, Petra Köser und Alexander Schmidt zusammen. Kontakt per E-Mail: info@fluthilfe-remscheid.de

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