Kultur

Budget für Teo Otto Theater wird nicht gekürzt

Sven Graf (kleines Foto) hofft, dass in der neuen Spielzeit wieder mehr Besucher ins Theater kommen.
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Sven Graf hofft, dass in der neuen Spielzeit wieder mehr Besucher ins Theater kommen.
  • Melissa Wienzek
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Die Besucher sind laut einer Umfrage weitestgehend zufrieden. Die Stadt will das Niveau ihres Hauses erhalten.

Von Melissa Wienzek

Sven Graf

Remscheid. Die Besucherinnen und Besucher stellen dem Teo Otto Theater insgesamt ein gutes Zeugnis aus und kommen gerne in das erste Haus am Platz. Das geht aus der digitalen Besucherumfrage hervor, die das städtische Theater gemeinsam mit den Forschern des Software Innovation Campus Paderborn durchgeführt hat. Sie lief im Auftrag des Büros der Landestheater NRW, des Kultursekretariats NRW Gütersloh und der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen an fünf deutschen Theatern.

Im Kern ging es um die Frage, die derzeit alle deutschen Häuser beschäftigt: Warum kommt das Publikum nach Corona nicht wieder zurück in die Säle? Und wie erreicht man die, die sonst nie ins Theater gehen? Erreicht hat man in Remscheid mit der anonymen Umfrage 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer − darunter 30 Nicht-Besucher. „Das ist eine ganz gute Quote“, sagt der künstlerische Leiter des Teo Otto Theaters, Sven Graf. Die meisten, die geantwortet haben, sind zwischen 50 und 70 Jahre alt und leben in einem Radius von fünf Kilometern um das Theater.

„Die Aufgabe der Kultur ist gerade in solchen Krisenzeiten von unschätzbarer Bedeutung.“

Sven Wiertz, Kulturdezernent

Sven Graf freut sich zudem über viele ausführliche Fließtextantworten – und über einen sehr guten „net promoter score“ . Er beschreibt, inwiefern Besucher etwas weiterempfehlen würden. 70 gilt dabei als Weltklasse, 50 als exzellent. Das Teo Otto Theater erreichte 42. „Das zeigt, dass das Haus sehr geschätzt wird“, sagt Graf. Die Bewertung der Forscher stünde aber noch aus.

Für das erste Haus am Platz sei die Besucherumfrage in vielen Bereichen eine Bestätigung. „In manchen aber auch ein Aha-Effekt.“ Zum Beispiel, dass montags und dienstags eigentlich nur die wenigsten ins Theater wollen, Freitag und Samstag seien die bevorzugten Spieltage, selbst bei Rentnern. „Vielleicht müssen wir wirklich vom Montag und Dienstag abweichen.“ Und: Da der Ticketkauf nur noch überwiegend online getätigt werde, auch spontan abends noch, seien die Kassenzeiten zu überdenken. Die Umfrage liefert insofern konkrete Denkanstöße für Sven Grafs weitere Arbeit. „Was wir auch machen: Wir wir müssen noch mehr kommunizieren, wir müssen die Strahlkraft erweitern“, sagt er.

Das bietet das Theater für das junge Publikum

Was wünscht sich das Publikum denn? Die Mehrheit habe geantwortet: „Ich bin sehr zufrieden, wie es ist.“ Ansonsten wünschten sich genauso viele ein ausführliches digitales Programmheft wie ein gedrucktes, zudem ein flexibles Abomodell, danach günstigere Ticketpreise und an Stelle vier dann ein anderes Programm mit mehr Musical, Comedy, Kleinkunst. Anhand der Antworten merke man aber auch: Viele wüssten offenbar gar nicht, dass das Theater mit der „Teos Theater Card“ bereits solch ein Modell habe, sagt Graf. In puncto Programm habe er bereits erkannt, dass die leichte Unterhaltung derzeit eher angesagt ist. Mit Hagen Rether, „Extrawurst“ mit Gerd Silberbauer & Co. hat sie bereits verstärkt Einzug in die neue Spielzeit gehalten, die am Samstag startet. Im Bereich Comedy sei eine Kooperation mit der Klosterkirche denkbar.

Beim Corona-Schutzkonzept des Theaters gehen die Meinungen der Gäste stark auseinander. „Die einen sagten, wir hätten ein zu lasches Sicherheitskonzept, die anderen sagten, es sei zu streng“, sagt Graf. Die einen wollen nur noch mit Maske ins Theater kommen, die anderen wollen gerade das nicht. Manche gaben sogar als Grund des Fernbleibens das Wetter an – was Sven Graf überraschte. Einige beklagen die wieder eingebauten Sitzreihen. Dabei waren eigentlich nur zwei Veranstaltungen zuletzt ausverkauft. „Viele zeigen aber auch durchaus Verständnis, dass wir nicht weiter ständig mit halber Kapazität spielen können“, erklärt Graf.

Denn die Einnahmen im Teo Otto Theater sind seit Corona um etwa 90 Prozent in 2020 und um etwa 75 Prozent in 2021 im Vergleich zu 2019 eingebrochen. „Dies konnten wir durch Förderprogramme deutlich abfedern“, erklärt Kämmerer und Kulturdezernent Sven Wiertz (SPD). Das Sachkostenbudget des Teo Otto Theaters liegt bei rund 1 Million Euro jährlich.

Sehr kostenaufwendig sei die Sparte des internationalen Tanztheaters. Eine Kürzung des Budgets sei nicht geplant – aus gutem Grund: „Die Aufgabe der Kultur ist gerade in solchen Krisenzeiten von unschätzbarer Bedeutung. Gerade jetzt braucht es Orte, an denen das Gemeinschaftliche gepflegt und die Möglichkeit zur Reflexion geschaffen wird, damit man nicht fälschlich den einfachen populistischen Lösungen aufsitzt“, sagt Wiertz. Jedoch suche man derzeit gemeinsam mit dem Theaterteam Einsparpotenziale. „Es wäre zu erwarten, dass mit einem harten Sparkurs das Gegenteil erreicht werden würde, was sich in einem nachhaltigen Schaden unserer lokalen Kultur manifestieren würde“, betont der Dezernent.

Die Stadt will das hohe Niveau und die Attraktivität des Teo Otto Theaters erhalten und möglichst schnell zu den gewohnten Zuschauerzahlen und den damit verbundenen Einnahmen zurückkehren. Auch Sven Wiertz hofft, dass in der neuen Spielzeit wieder mehr Besucher ins Theater kommen, bleibt aber realistisch: „Wir sind uns bewusst, dass die Krisenzeit weiter anhält und wir hier mit längerem Atem agieren müssen.“

Catering

Das Catering will das Team des Teo Otto Theaters mit Anbruch der neuen Spielzeit 2022/2023 erst einmal selbst übernehmen – solange dies möglich ist. Tipp: Getränke können für die Pause vorab bestellt werden.

Standpunkt von Melissa Wienzek: Das richtige Signal

melissa.wienzek@rga.de

Trotz Besucherrückgangs und Pandemie und den damit verbundenen Einbußen will die Stadt Remscheid nicht den Rotstift bei ihren Kulturorten ansetzen. Und gibt damit genau das richtige Signal. „Wie in Krisenzeiten mit der Kultur umgegangen wird, das sagt etwas über eine Gesellschaft aus“, meint Kulturdezernent Sven Wiertz, dem in diesen Tagen absolut keine leichte Aufgabe zukommt – schließlich ist er auch Kämmerer.

Das Niveau des Teo Otto Theaters, das sich gerade im Bereich des internationalen Tanzes ein hohes Renommee erarbeitet hat, soll beibehalten werden – und das ist gut so. Denn das Programm, das hier geboten wird, kann es locker mit Städten am Rhein aufnehmen – nur ist es bei uns viel schöner. Denn hier kennt man sich, dürfen die Besucher mitreden. Ihre Meinung findet nun Eingang in die weitere Ausrichtung des Theaters. Selbstreflexion und ständige Erneuerung muss sein – nur so kann es weitergehen.

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