Selbstversuch

Brückensteig in Müngsten bietet einzigartige Aussichten

Die Tour hoch oben über der Wupper führt auf bis zu 100 Meter – die Müngstener Brücke selbst ist 107 Meter hoch. Noch gut zu erkennen ist Haus Müngsten. Derzeit besonders schön ist das intensive Grün. Touren sollen das ganze Jahr angeboten werden – mit Ausnahme der Monate Dezember und Januar.
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Die Tour hoch oben über der Wupper führt auf bis zu 100 Meter – die Müngstener Brücke selbst ist 107 Meter hoch. Noch gut zu erkennen ist Haus Müngsten. Derzeit besonders schön ist das intensive Grün. Touren sollen das ganze Jahr angeboten werden – mit Ausnahme der Monate Dezember und Januar.

RGA-Redakteur Christian Beier wagte hoch oben den Selbstversuch – Start der Attraktion ist am 1. August.

Von Christian Beier

Remscheid. Im Bogen der Müngstener Brücke klettern – das war bisher nicht nur illegal, sondern auch lebensgefährlich. Ab Anfang August wird sich das ändern. Die Wuppertaler Firma Deepwood bietet mit dem Brückensteig die Begehung der historischen Eisenbahnbrücke an. Das ist nichts für Menschen mit ausgeprägter Höhenangst – aber für alle anderen im Alter von sechs Jahren aufwärts. Der RGA durfte Kletterguide Julius Jud (38) beim Aufstieg auf bis zu 100 Meter über die Wupper begleiten.

Jede Tour beginnt im Haus Müngsten. Das zweite Obergeschoss wurde angemietet und zum Basislager ausgebaut. Für die Klettergäste sind abschließbare Spinde vorhanden, die Kontaktdaten werden von jedem selbstständig in eines der sechs bereitstehenden Tablets eingetippt. Dann geht es zur Übergabe der Ausrüstung ins Materiallager – Klettergurt mit Sicherheitskarabiner, Helm und Funkgerät gehören zur Ausrüstung.

Wer seine Kamera mitnehmen will, muss diese zum Schutz vor Herabfallen am Körper befestigen. Handys können in kleine Klarsichtbeutel zum Umhängen verstaut und mitgenommen werden. Diese kann man mitbringen oder vor Ort erwerben. Nachdem Julius und ich den Klettergurt angelegt haben, fixieren wir noch die Funkgeräte und machen uns auf den Weg.

Mit einem Jeep geht es auf die Remscheider Seite der Wupper, die Waldwege hoch bis zum Fundament des Brückenbogens. Wir steigen ausnahmsweise hier in die Brücke ein, klinken uns in provisorische Sicherheitsleinen und starten den Aufstieg in den Bogen. Links greife ich ans Geländer, rechts halte ich mich am Stahl des Brückenbogens fest. Die Füße steigen fast wie von alleine die steilen Stufen nach oben. Die graue Oberfläche der Tritte ist mit einem extrem rauen und rutschfesten Belag versehen. Dieser gibt auch bei Nässe und Regen Halt.

„Geklettert wird bei jedem Wetter, außer bei Gewitter.“

Julius Jud, Kletterguide

Julius legt ein rasantes Tempo vor. Mit schlanken 72 Kilogramm und seinem „Kletterkörper“ kein Problem. Mich bringen das Tempo und der Gewinn an Höhe rasch aus der Puste. Nach einigen Minuten sind wir im Scheitel des Bogens angekommen. Ab August werden die Kletterer nach einem kleinen Fußmarsch – von Haus Müngsten aus durch den Wald bis zum Fundament – den Einstieg in die Brücke auf Solinger Seite erleben. Aktuell wird noch an einer Stufenkonstruktion gearbeitet, die den sicheren Start in den Bogen hinter einem stets verschlossenen Tor ermöglicht. Wer sich dort nach der Einweisung in das Stahlseil mit seinem Karabiner einklinkt, ist bis zum Ende der Tour mit dem Sicherheitssystem verbunden. Dieses wurde von einer Spezialfirma entwickelt, die in Kletter- und Seilgärten für Sicherheit sorgt.

Beim Empfang müssen sich die Teilnehmer über ein Tablet einschreiben.

Apropos Sicherheit: Falls sich jemand in der Brücke verletzen sollte, werden rasch geschulte Helfer zur Stelle sein. Bei akut auftretender Höhenangst etwa hilft eine 1:1-Betreuung für den Abstieg. Im schlimmsten Fall ist ein gesichertes Abrutschen in einer besonderen Trage über die Stufen des Bogens, gesichert über Seilzüge, möglich. Auch mit der Feuerwehr soll es zeitnah noch einen Begehungstermin geben. Zusätzlich wird ein Radarsystem installiert, das die Betreiber rund um die Uhr über unangemeldete Aktivitäten auf der Brücke informiert.

Wir steigen im Bogen in Richtung Solingen hinab und finden schnell die Stelle, an der das Sicherungssystem bereits montiert ist. Julius hilft mir, den Karabiner in das Stahlseilsystem einzuklinken, ich trenne mich von der provisorischen Seilsicherung. Ab dieser Stelle erlebe ich den Aufstieg, wie ihn demnächst jeder Klettergast in Kleingruppen bewältigen wird.

Die Treppenstufen sind ausreichend komfortabel. Der große Karabiner zur Linken gleitet über das daumendicke Stahlseil. Alle paar Meter muss ich ihn über einen Montagepunkt an der Brücke führen, dabei bleibt er immer mit dem System verbunden. Etwa alle 80 Zentimeter ist am Seil eine Bremse eingebaut. Falls man doch mal ins Straucheln gerät, fällt man nicht weit. Oben angekommen ist der Blick über die Wupper und die Bergischen Wälder einfach nur herrlich. Aktuell ist alles grün. Aber auch im Frühjahr und Herbst sollen Touren angeboten werden – „Pausenmonate“ sollen lediglich Dezember und Januar sein.

Kletterguide Julius Jud (38) begleitete den RGA beim Aufstieg. Er ist einer von knapp 20 Mitarbeitern bei dem Projekt.

„Geklettert wird bei jedem Wetter, außer bei Gewitter“, sagt Julius. „Normale praktische Kleidung und festes Schuhwerk sind angebracht. Ein No-Go sind natürlich Flipflops und Pumps. Alkoholisiert darfst Du nicht sein, und nach Drogenkonsum ist natürlich auch nichts machbar“, betont der Kletterguide.

Tief unten im Brückenpark tummelt sich eine Schulklasse. Hier oben hört man die Stimmen der Kinder unglaublich gut. Ein letzter Blick über die Wälder, Haus Müngsten und Böhms Minigolfanlage, dann geht es weiter.

RGA-Fotoredakteur testet den Brückensteig in Müngsten

Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke.
Selbsttest: So ist es auf dem neuen Brückensteig an der Müngstener Brücke. © Christian Beier

Nun steht eine echte Entscheidung an: Für das einfache Queren auf die andere Bogenseite wird in den nächsten Wochen noch eine komfortable, breite Platte installiert, aktuell gibt es als Traverse nur einen 15 Zentimeter schmalen „Schwebebalken“. Auch wenn man diesen begeht, bleibt man natürlich mit der Sicherung verheiratet.

Der Gang über den Balken ist ein zusätzlicher „Kick“. Nach unten bis zur Wupperoberfläche sind es von hier etwa 100 Meter. Der Blick in die Tiefe provoziert eine ordentliche Adrenalinausschüttung. Festhalten kann man sich gut. Das Stahlseil, ein Extraseil und Brückenteile stehen bei der Querung als Hilfe zur Verfügung. Während der Balance-Akt für Julius ein Kinderspiel zu sein scheint, habe ich Respekt vor der Tiefe.

Leider können wir aktuell noch nicht auf der anderen Seite nach Solingen absteigen, da dort noch in Gerüsten gearbeitet wird und das Seilsystem noch nicht komplett montiert ist. Künftig soll man mit der Gruppe eine knappe Stunde in der Brücke bleiben können.

Nach kurzem Verschnaufen nehmen wir erneut den Weg runter in den Remscheider Wald. Ich klinke mich brav in die provisorische Sicherung und Julius löst mich aus dem Drahtseilsystem. Dies geht nur mit Spezialwerkzeug, das der Guide mit sich führt. Der Abstieg durch den Bogen klappt super. Je tiefer man allerdings nach unten gelangt, desto steiler wird die Treppe.

Die Stufen im Brückenbogen sind mit einer sehr rauen und rutschfesten Farbe beschichtet.

Als ich wieder festen Waldboden unter den Füßen habe und mich vom Gurt befreie, erlebe ich ein Gefühl der Erleichterung, tiefer Zufriedenheit und der Gewissheit, etwas Großartiges erlebt zu haben. Das Team vom Brückensteig sieht mich bestimmt wieder. Meine Kinder müssen unbedingt mit auf den frisch restaurierten Stahlkollos aus 1897, der Solingern und Remscheidern so viel bedeutet.

Update: Das Gewinnspiel ist beendet - so buchen Sie Touren

Touren buchen: Das Solinger Tageblatt und der Remscheider General-Anzeiger haben 6 mal 2 Gutscheine für das Erlebnis Brückensteig verlost. Das Gewinnspiel ist beendet. Für alle, die hier kein Glück hatten: Die geführten Klettersteigtouren starten ab 1. August; Touren können online gebucht werden. Die Karten kosten bis 1. August 55 Euro, danach ermäßigt 69 Euro und 79 Euro für Vollzahler.Das zulässige Gewicht kletternder Personen ist vom Veranstalter auf maximal 120 Kilogramm pro Person begrenzt worden.

Zeiten und Ablauf: Die Touren werden im Sommer von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen angeboten. Um 10 Uhr öffnet der Brückensteig, um 18 Uhr gehen die letzten Gruppen auf die Runde. Maximal 6 Gruppen à 12 Gäste werden unterwegs sein, vier davon gleichzeitig in der Brücke. Insgesamt kümmern sich fast 20 Mitarbeiter um das Projekt. Als Zeit vom Start bis zum Ziel sollte man gut zweieinhalb Stunden einkalkulieren.

Weitere Informationen online: www.brueckensteig.de

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