Stadt wartet auf Landeserlass

Booster-Impfungen: Neue Impfstationen sollen Hausärzte entlasten

Nach dem Abbau ist vor dem Aufbau: Teile des Impfzentrums werden wohl für die Booster-Impfungen wieder benötigt. Foto: Doro Siewert
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Nach dem Abbau ist vor dem Aufbau: Teile des Impfzentrums werden wohl für die Booster-Impfungen wieder benötigt.

Um die Hausärzte bei der Drittimpfung zu entlasten, muss der städtische Krisenstab wahrscheinlich neue Impfstationen eröffnen. Dafür benötigt er Equipment aus dem geschlossenen Impfzentrum. Termine für Impfaktionen im Remscheider Gesundheitshaus stehen schon.

Remscheid. Deutschland hat die vierte Covid 19-Welle voll erfasst und viele Krankenhäuser stoßen wieder an ihre Kapazitätsgrenzen. Vergleichsweise ist die Lage am hiesigen Sana-Klinikum im grünen Bereich. Neun an Corona-Erkrankte liegen im Sana, ein nichtgeimpfter Patient auf der Intensivstation. „Zurzeit sind ausreichend Betten frei“, erklärt Katharina Stratos, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Sana in Düsseldorf.

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Aus dem, was ihr aus den Kliniken ihres Hauses in NRW widergespiegelt wird, lässt sich ableiten: „Trotz doppelter Impfung haben wir immer wieder Covid-Erkrankte aus allen Altersgruppen.“ Das Sana-Klinikum legt seinen Mitarbeitern deshalb nahe, eine Booster-Impfung in Anspruch zu nehmen. Dass diese in hohem Maße genutzt wird, leitet Stratos auch daraus ab, dass 80 bis 90 Prozent der Belegschaft an der Burger Straße durchgeimpft sind. Weil die Impfung des Fachpersonals im Februar begann, haben einige ihren dritten Pieks schon erhalten.

Remscheid: Nach Schließung des Corona-Impfzentrums wird das eingelagerte Equipment wieder ausgepackt

Die Auffrischung ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung, sorgt auch im städtischen Krisenstab für neuerliche Überlegungen. Das nächste Konzept muss her. Alte Impfkompetenzen, gerade an die Koordinierende Covid-Impfeinheit (KoCI) Remscheid im Gesundheitsamt abgetreten, werden wieder aufgefrischt. Fünf Wochen, nachdem das Impfzentrum in der Sporthalle West auf Anweisung des Landes nach 242 Tagen Dauerbetrieb dichtmachte, muss das eingelagerte Equipment zumindest teilweise ausgepackt werden.

„Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln“, kommentiert Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus leicht süffisant das Hin und Her in der Corona-Impfpolitik. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn „Booster für alle“ angekündigt hatte und nun nicht nur die Über-70-Jährigen und gesundheitlich besonders Vulnerablen einen dritten Schutz erhalten sollen, werden die niedergelassenen Ärzte überfordert sein, die Bevölkerung flächendeckend zu impfen.

Wieder müssen Personal und Räume für Impfstationen gefunden werden

Der Krisenstab ist wieder im Spiel. Erneut müssen Personal und Räume für die sogenannten Impfstationen gefunden werden. „Wir warten diese Woche auf den angekündigten Erlass aus Düsseldorf. Dann werden wir ein neues Modell präsentieren. Eines kann ich versprechen, wir werden dabei nicht die öffentliche Infrastruktur in Anspruch nehmen“, beruhigt Thomas Neuhaus. Vereine müssen nicht fürchten, erneut ihrer Heimat beraubt zu werden.

Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.

Thomas Neuhaus, Krisenstabsleiter zur weiteren Impfstrategie

Die Qualitäten eines Impfzentrums mit maximal 1000 Impfungen pro Tag wird das neue Konstrukt nicht besitzen. Aber es soll entscheidend beitragen, dass die niedergelassenen Mediziner entlastet werden. So sehr Neuhaus auch momentan mit einer fehlenden langfristigen Impfstrategie in Bund und Ländern hadert, eines haben ihn die vergangenen 20 Monate gelehrt: „Wir haben die Erfahrung, wir werden auch diesmal als Ausputzer bereitstehen.“

Mediziner erhalten Unterstützung durch dreitägige Impfaktionen

Gleichwohl nervt Neuhaus das Hinterherhecheln. „Ich musste ja kein Chef-Virologe sein, um zu wissen, dass im Herbst die nächste Covid 19-Welle über uns hinwegrollt.“ Deshalb habe die Schließung in Reinshagen Ende September wenig Sinn gemacht. „Erst alles abbauen, einlagern, dann direkt wieder teilweise auspacken. Wozu?“, fragt der Krisenstabsleiter. Statt wie Spahn die Beendigung der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ zu verteidigen, müssten der Bevölkerung konsistente Lösungen vorgelegt werden. „Dabei wäre es klug gewesen, Angebote für Auffrischungs- und Grippeschutz zu kombinieren“, bemerkt Neuhaus.

Bevor neue Bestimmungen aus Düsseldorf Klarheit bringen, wie es in Remscheid beim Boostern weitergeht, erhalten die niedergelassenen Mediziner Unterstützung. Die KoCI bietet im November weitere dreitägige Impfaktionen im Gesundheitshaus an der Hastener Straße 15 mit BioNTech an.

Impfaktionen

Remscheid bietet weitere dreitägige Impfaktionen im Gesundheitshaus am Standort Hastener Straße 15 an. Erst- und Zweitimpfungen ohne Termin gibt es vom 16. bis 18. und 22. bis 24. November jeweils von 11 bis 18 Uhr. Auch Booster-Impfungen sind möglich.

Standpunkt: Freitag um 22 Uhr

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber @rga.de

Allen Beteiligten der Pressekonferenz in der Sporthalle West am 1. Oktober war die Erleichterung anzumerken, einen Schlussstrich unter das Kapitel Impfzentrum ziehen zu können. Rathaus-Spitze, Krisenstab, Feuerwehr oder Gesundheitsamt gingen davon aus, dass nach der gemeinsamen logistischen Meisterleistung eine Impfaktion dieser Größenordnung unter einem Dach nicht mehr nötig sein werde. Doch getäuscht. Kaum, dass die letzten Stellwände abgebaut sind, wird ein Teil des Equipments bald an seinen nächsten Einsatzort in Remscheid gefahren werden. Die Strategie, weitere Erst-, Zweit- und Drittimpfungen alleine in die Hände der niedergelassenen Mediziner zu legen, ist überholt, kaum nachdem sie formuliert worden war. Einen „Freedom Day“ wird es nicht geben. Corona geht weiter, die Fallzahlen klettern. Welche Überraschung. So werden die Kommunen gefordert bleiben und neuer Richtlinien aus Düsseldorf harren. Und nach 20 Monaten Routine darin, sei es Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus erlaubt, wenn er spitz dazu sagt: „Wahrscheinlich treffen diese am Freitag um 22 Uhr per Mail ein.“

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