Jubiläum

Bökerhöhe ist nicht nur für Senioren ein Paradies

Vor der Info-Tafel auf der Wiese am Elisabethplatz: Werner Ballsieper und Sandra Wirths-Rocholl mit dem Jubiläumsbuch.
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Vor der Info-Tafel auf der Wiese am Elisabethplatz: Werner Ballsieper und Sandra Wirths-Rocholl mit dem Jubiläumsbuch.
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Die Siedlung feierte ihren 100. Geburtstag. Wer einmal hier wohnt, will nicht mehr weg.

Von Andreas Weber

Remscheid. „Die Bökerhöhe muss ein besonderes Fleckchen Erde sein“, stellte Werner Ballsieper in seiner Rede zum 100-jährigen Bestehen der Siedlung fest. Ein wenig Pathos ist erlaubt, denn im August feierte das Jahrhundertwerk ein Jubiläum, das seinen Namensgeber Moritz Böker stolz gemacht hätte.

Der Ingenieur und spätere Generaldirektor der Bergischen Stahl-Industrie (BSI) hatte sich vor und nach dem 1. Weltkrieg für bezahlbaren Wohnraum seiner Arbeiter eingesetzt. Auf der Bökerhöhe kaufte der Visionär mit der sozialen Ader Grundstücke, die den Boden für die erste Stadtrandsiedlung bereiteten, die sukzessive wuchs und heute 651 Menschen eine Heimat bietet. Ein Begriff, der zuträfe, sagt Ballsieper: „Wer hier wohnt, will nie wieder weg.“ Von Generation zu Generation wird oft weitervererbt.

Die Bökerhöhe muss ein besonderes Fleckchen Erde sein.

Werner Ballsieper, Anwohner

Reiner und Ute Quanz besitzen eine Urkunde vom Kaufvertrag seiner Großeltern, des Rangierers Fritz Quanz und dessen Frau Alma, die am 15. Dezember 1929 über den Siedlungsverein das Grundstück in der Damaschkestraße 5 erwarben, eines von 129 Häusern. Bis heute leben die Quanz' dort. Am 13. August 1922 wurde der Grundstein beim Haus Kleine in der Straße Neuland (heute Doddestraße 15) gelegt, im April 1923 waren die ersten, schlichten Gebäude bezugsfertig, die vermietet wurden.

Bis heute gibt es nur eine offizielle Zufahrt zu diesem nicht nur aufgrund seiner Historie bemerkenswerten Dorf. Von der B 229 führt ein Weg über die enge Eisenbahnbrücke rein und raus. Bökerhöhe, das sind – verteilt auf 69 Hektar – die Damaschke- und Doddestraße, Zur Bökerhöhe, der Gustav-Michel-Weg und mittendrin der Elisabethplatz.

Zum 100-Jährigen hat sich der Bürgerverein Gemarke Bökerhöhe auf der Wiese eine neue Info-Tafel an zentraler Stelle gegönnt, die neben dem Maskottchen der Bökerhöher, der von Ernst Fuchs gezeichneten „Susi Sonnenschein“, die neuesten Nachrichten präsentiert. Aktuell angeschlagen steht, dass auf 30 der 230 Vereinsmitglieder am morgigen Samstag im „Torbogen“, dem Siedlungsheim, ab 17.30 Uhr ein Oktoberfest wartet, als Ersatz für die ausgefallene Seniorenfahrt. Senioren leben viele auf der Bökerhöhe. Die attraktive, sehr lesenswerte Chronik, die Werner Ballsieper zum Jubiläum zusammengestellt hat, macht Angaben zur Bevölkerungsstruktur. Danach sind 51,3 Prozent über 50 Jahre alt, fast jeder siebte Bewohner hat das 75. Lebensjahr erreicht.

Auf der Bökerhöhe lässt es sich prima alt werden, findet Ballsieper. In seiner Festrede zählte er die Gründe auf: „Gute, frische Luft, rundherum Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, wenig nah gelegene Industrie mit Krach und Gestank, kein Durchgangsverkehr und Autobahn und Eisenbahn, die trotz ihrer Nähe meist nicht stören.“ Die Größe der Grundstücke verhindere zudem gesteigerten Fernsehkonsum: „Stattdessen steht Gartenarbeit mit Rasen mähen, Unkraut jäten, Hecken und Bäume schneiden an.“

Am allerwichtigsten aber sei die Nachbarschaft: „Hier reden wir miteinander, man kennt sich, duzt sich, trifft sich, hilft sich gegenseitig und feiert miteinander.“ Letzteres wurde über die 100 Jahre großgeschrieben. Zusammenhalt ist Trumpf. Am intensivsten beim Sommerfest, das seit 1972 auf dem Festplatz hinter dem Haus Zur Bökerhöhe 7 am und auf dem Spielplatz stattfindet, der 1977 durch eine Spende über 70 000 Mark von Gustav Mäuler zu seinem 70. Geburtstag angelegt werden konnte. Die Siedlungsgemeinschaft trifft sich aber auch beim Martinszug, Weihnachtsfeiern für Senioren und Jugendliche, Eier- und Wurstlotten, bei der Vatertagswanderung oder Seniorenfahrten.

Viele Vereine in der Siedlung wie der Sportverein, der Männergesangsverein oder die zahlreichen Kegelclubs gehören der Vergangenheit an. Übriggeblieben sind die „Frunsis“ (Frauen unter sich) und die Dartfreunde, fünf Ehepaare, die sich jeden Freitagabend im „Torbogen“ treffen.

Sandra Wirths-Rocholl zog als Vierjährige 1978 mit ihrer Familie in die Damaschkestraße 17 – wie viele andere Immobilien ist sie geteilt in zwei Hälften mit a und b. Die Bökerhöhe gab ihr schon als Kind Geborgenheit. „Ich habe mich immer sicher gefühlt. Sobald ich von der Bushaltestelle losmarschiert bin, wusste ich, hier kann mir nichts passieren.“ Sie freut sich, dass es bis heute ein „behütetes Dorf“ geblieben ist.

Auch Wirths-Rocholl wohnt noch da, wo sie vor 46 Jahren eine Heimat fand. Und seit kurzem hat die 50-Jährige in der Hausnummer 17b auch ihre ergotherapeutische Praxis eingerichtet.

Jubiläumsbuch

Das Jubiläumsbuch „Bökerhöhe – Ein Jahrhundertwerk“ hat 92 Seiten, kostet 14 Euro. Herausgeber ist der Bürgerverein. Wer bestellen möchte, melde sich bei Werner Ballsieper, Tel. 34 92 94.

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