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BMX-Fahrer bauen die Lines selbst

Henry Monz (v. l.), David Jansen und Marcel Gratza an einem der von den Jugendlichen konzipierten und gebauten Sprunghügel. Foto: Peter Klohs
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Henry Monz (v. l.), David Jansen und Marcel Gratza an einem der von den Jugendlichen konzipierten und gebauten Sprunghügel.

Vor 15 Jahren wurde die BMX-Anlage im Holz eröffnet.

Von Peter Klohs

Remscheid. Wenn man die Unterhölderfelder Straße bis zum Ende hinunterfährt und sein Kfz auf dem kleinen Parkplatz abstellt, geht man noch 100 Meter in den Wald und stößt auf ein halbfußballplatz-großes Areal, auf dem auffällige Hügel gebaut wurden. Man hat die BMX-Anlage Holz erreicht. Früher nannte man den BMX-Sport landläufig Querfeldeinfahren. Heute hat sich die englische Abkürzung BMX für Bicycle Motorcross durchgesetzt.

Der Sport hat sich mit dem Namen verändert. Verschiedene Tricks und Stunts werden auf den speziellen Fahrrädern ausgeführt. „Die Geschichte dieser Anlage begann mit einer Anzeige“, sagt Michael Ketterer von der Remscheider Jugendförderung schmunzelnd. „Wir wurden informiert, dass Jugendliche illegal eine BMX-Anlage im Wald Rath gebaut hätten. Der damals noch für die Stadt Remscheid tätige Streetworker Hans-Gerd Zimmer widmete sich dieser Angelegenheit und erwirkte, dass die Jugendlichen einen Platz im Holz für ihre Zwecke bebauen durften. So entstand diese BMX-Anlage.“

Seit 2019 ist Marcel Gratza Streetworker in Remscheid. „Der Charme dieser Anlage ist, dass die Jugendlichen sie selbst konstruiert haben und sie nach wie vor in Eigenregie betreiben. Um nötige Arbeiten wie Grünschnitt kümmern sich die TBR. Und benötigtes Werkzeug wird von der Stadt finanziert. Alles andere machen die BMX-Fahrer“, weiß er zu berichten.

„In den ersten Jahren hat sich die Anlage stark verändert.“

David Jansen, BMX-Fahrer

Dass dies sehr zeitaufwendig ist, kann David Jansen bestätigen. Er ist begeisterter und engagierter BMX-Fahrer und von Anfang an dabei. „Von der Erschließung bis zur Einweihung durch die damalige Oberbürgermeisterin Beate Wilding haben wir 5000 Arbeitsstunden benötigt. Man darf sich das auch nicht so vorstellen, das BMXler zu uns kommen und hier den ganzen Tag über Hügel fahren und Tricks einüben. Normalerweise sieht das anders aus: Zwei Teile Arbeit, ein Teil Fahren. Und glauben Sie mir: Buddeln macht genau so viel Spaß wie Fahren.“

Mit Buddeln meint David Jansen den Bau der speziellen Hügel oder sonstiger Hindernisse, die im Fachjargon Lines genannt werden. Die Lines sind extrem pflegeintensiv und leiden unter Starkregen ganz besonders. Deshalb werden sie in den Zeiten ohne Fahrbetrieb mit Planen abgedeckt. Aber trotzdem sind immer wieder Ausbesserungsarbeiten von Nöten. Manche Lines werden auch neu gestaltet, oder das Gefälle eines Hügels wird angepasst. Darum kümmert sich zurzeit Henry Monz, der durchschnittlich an zwei bis drei Tagen in der Woche dafür sorgt, dass die Fahrer zum Beginn der Saison wieder loslegen können.

Henry Monz lebt in Wuppertal, wo es ein vergleichbares Areal nicht gibt, und hat vor zehn Jahren von der BMX-Anlage Holz gehört. Seit drei Monaten schon bringt er die Anlage für den Sommerbetrieb in Form. „In den ersten Jahren hat sich die Anlage stark verändert“, erinnert sich David Jansen. „Zahlreiche Gäste, auch aus der Schweiz und den USA, haben uns besucht. Eine Delegation aus Willich hat sich bei uns schlaugemacht, weil sie in ihrer Stadt etwas Ähnliches aufbauen wollten. Wenn alles auf der Anlage erst einmal passt, stagniert es eine Weile. In den Jahren 2014 bis 2017 war ich alleine hier auf der Anlage. Danach hat der Besuch wieder zugenommen. Heute kommen zur Hochsaison pro Tag ungefähr 60 Fahrer ins Holz.“

Das Gelände wurde von der Stadt Remscheid als Spielplatz klassifiziert und wird daher zu Kontrollzwecken wöchentlich von den TBR besucht. „Im ersten Lockdown war die Anlage daher, wie alle Spielplätze in Remscheid, geschlossen“, erklärt Michael Ketterer. Nun besteht die Anlage seit 15 Jahren. Noch verbieten sich jegliche Feierlichkeiten. Aber wenn sie wieder dürfen, steht ein Treffen der Fahrer auf der Anlage an: mit Essen, Trinken, Fahren – und Buddeln.

BMX-Anlage

Die Einweihung der rund 2000 Quadratmeter großen BMX-Anlage Holz übernahm im Jahr 2006 die damalige OB Beate Wilding. In diesem Jahr wurde wetterbedingt noch nicht offiziell gefahren. Dazu war die Witterung zu nass. Die BMX-Fahrer hoffen auf den Juni. Für echte BMXler ist das Um- oder Neubauen der sogenannten Lines ebenso wichtig wie das Fahren.

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