Verkehr

Blitzer hat sich schon fast ausgezahlt

Dieser Blitzer steht zumeist an der Freiheitstraße. Sein Einsatz ist unberechenbar, weil er versetzt werden kann. Foto: Roland Keusch
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Dieser Blitzer steht zumeist an der Freiheitstraße. Sein Einsatz ist unberechenbar, weil er versetzt werden kann.
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Mobile Anlage brachte seit Mai Bruttoeinnahmen in Höhe von 230.000 Euro.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Michael haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung den grauen Kasten getauft, der seit Mai 2020 am Straßenrand platziert wird, um die Geschwindigkeit von Autos und Motorrädern zu messen. Seinen Kaufpreis in Höhe von 220.000 Euro hat er bereits erwirtschaftet. Dank seiner Dienste kamen schon 230.000 Euro an Verwarn- und Bußgeldern zusammen. „Das ist jedoch ein Bruttowert, von dem wir zahlreiche Einsatzfahrten der Feuerwehr, Krankenwagen und der Polizei abziehen müssen. Sie werden auch geblitzt und müssen von der Gesamtberechnung abgezogen werden“, erklärt Ordnungsamtschef Jürgen Beckmann. „Und auch nicht jedes Foto ist scharf genug, um den Fahrer ermitteln zu können.“

Dennoch: Michaels Einsatz scheint sich im Kampf gegen Raserei zu lohnen. 8000 Aufnahmen schoss der Kasten seit Mai – vor allem an der Freiheitstraße, wo zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 gilt. Anwohner sollen mit dem Tempolimit vor Lärm geschützt werden. Der Kasten soll helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Im Gegensatz zu den fest montierten Starenkästen – etwa an der Neuenkamper- oder Solinger Straße – ist Michael unberechenbar, weil ihn die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes versetzen können. So wechselt er nicht nur seinen Standort an der Freiheitstraße, sondern ist auch zwischendurch in anderen Remscheider Ortslagen im Einsatz.

An zwölf unterschiedlichen Punkten schoss das Gerät bislang Aufnahmen – etwa an der Hardt-, der Mühlen- und Kölner Straße in Lennep oder auch im Bereich der Hofschaft Karlsruhe in Bergisch Born. „Also dort, wo es einen Grund und ein besonderes Anliegen gab“, beschreibt Beckmann das Vorgehen gegen Raserei. An der Kölner Straße wurde Michael 2020 platziert, nachdem es massive Beschwerden gegen die Poser-Szene gab, die mit aufheulenden Motoren bei den Nachbarn für Angst und Schrecken sorgte.

Die semistationäre Anlage ist Teil der Gesamtstrategie, mit der die Stadt Remscheid den fließenden Verkehr überwacht. Unter anderem stehen den Außendienstmitarbeitern zusätzlich drei Messfahrzeuge zur Verfügung, mit denen sie kreuz und quer im Stadtgebiet unterwegs sind. Hinzu gesellen sich die stationären Starenkästen – etwa an der Solinger Straße.

Remscheid: Drei Millionen Euro kommen pro Jahr zusammen

Rund drei Millionen Euro pro Jahr kommen durch die Verstöße im fließenden und ruhenden Verkehr für die Stadt zusammen. Diesen Betrag erwartet Jürgen Beckmann auch für die Gesamtbilanz 2020. „Auch wenn die Kollegen wegen der vielfältigen Corona-Einsätze weniger Geschwindigkeitskontrollen vornehmen konnten.“ Blitzer Michael sorgte dank seines Einsatzes, diese Mindereinnahmen zu kompensieren.

Obwohl das Gerät offenbar durchaus profitabel ist, will die Stadt vorerst darauf verzichten, ein zweites Exemplar anzuschaffen. „Das ist derzeit nicht angedacht“, sagt die zuständige Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke. Auch der Aufbau weiterer Starenkästen sei aktuell nicht vorgesehen.

Denn hierbei gehe es nicht darum, der Stadtverwaltung eine zusätzliche Einnahmequelle zu eröffnen. Die Blitzanlagen seien an Voraussetzungen geknüpft. „Zum Beispiel, wenn es sich um einen Unfallhäufungspunkt handelt – wie im Fall der Ortslage Forsten. Oder wenn wir Anwohner vor Lärm schützen müssen, wie an der Lenneper Straße“, erklärt die Dezernentin, die aktuell keinen Handlungsbedarf im Remscheider Stadtgebiet sieht. Zuletzt wurde ein Gerät an der Grundschule Goldenberg aufgestellt, das dazu beitragen soll, Autofahrer in diesem sensibelen Bereich zu bremsen.

Remscheid: An der Neuenkamper Straße kommt Lasertechnik zum Einsatz

Es war zuvor an der Neuenkamper Straße im Einsatz, wo 2020 die Anlage modernisiert wurde. Dort kommt nun die Laser-Methode zum Einsatz. Investitionen an den vorhandenen Standorten will Barbara Reul-Nocke auch künftig nicht ausschließen, wenn dies wegen der Technik erforderlich sei.

Hintergrund

Die Freiheitstraße ist Teil der Bundesstraße 229 und eine Hauptverkehrsader Remscheids. Aufgrund des Lärmschutzes gilt hier seit Anfang 2019 Tempo 30 zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Ein Großteil der Autofahrer missachtete jedoch die Einführung der Maximalgeschwindigkeit: In den ersten Wochen waren 85 Prozent der Autofahrer viel zu schnell unterwegs – mit über 50 Stundenkilometern in der Nacht. Das ergaben Messungen, die in einer Eingewöhnungszeit von mehreren Monaten vorgenommen wurden, aber zunächst keine Bußgelder nach sich zogen.

Standpunkt

frank.michalczak@rga-online.de

Ein Kommentar von Frank Michalczak

Es ist keine Überraschung, dass sich die neue Blitzanlage schnell auszahlen würde. Schließlich wurde Michael, wie das Gerät getauft wurde, 2020 vor allem an einer Hauptverkehrsader platziert, auf der nach Jahrzehnten plötzlich Tempo 30 in der Nacht gilt, weil die Anwohner vor Krach geschützt werden müssen. Das haben Messungen ergeben, die im Lärmaktionsplan der Stadt zu dieser Konsequenz führten. Wenn aber die Einhaltung der Maximalgeschwindigkeit nicht kontrolliert wird, ändert sich nichts an den heulenden Motoren und Tempoverstößen. Ähnliches gilt für Tempo-30-Zonen an Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen, wo vor allem die Blitz-Fahrzeuge der Stadt im Einsatz sind. Wer hier zu schnell ist, muss mit Konsequenzen rechnen. Ebenso an Unfallschwerpunkten wie in Forsten, wohin immer wieder die Rettungskräfte nach Kollisionen ausrücken mussten. Dort sind Kontrollen notwendig. Aber: Sie sollten an diesen Stellen tatsächlich einen Schwerpunkt bilden und nicht auf irgendwelchen Straßen in der freien Landschaft, wo sich weder Fußgänger noch Radfahrer verirren.

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