Unterschiedliche Auswirkungen

Remscheid blickt besorgt in die Ostukraine

In Kiew demonstrieren Menschen gegen die Invasion im Osten ihres Landes. Foto: Bryan Smith/ZUMA Press Wire/dpa
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In Kiew demonstrieren Menschen gegen die Invasion im Osten ihres Landes.

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat Auswirkungen bis Remscheid.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Welt schaut derzeit gebannt in die Ostukraine, wo offenkundig russische Truppen Teile des Landes besetzt haben. Auch viele Remscheiderinnen und Remscheider verfolgen die Geschehnisse in den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Neben zahlreichen persönlichen und familiären Verbindungen gibt es auch einige geschäftliche Beziehungen in die Region.

Zwar sind Russland und die Ukraine für die exportorientierte bergische Wirtschaft im Ganzen keine überragend wichtigen Märkte, laut IHK hat der Handel mit ihnen nur einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich für die bergischen Unternehmen, bei einzelnen Firmen sieht das aber zum Teil anders aus.

„Derzeit erarbeiten wir Pläne für unterschiedliche Szenarien.“

Dr. Jens Wichtermann, Vaillant

Vaillant zum Beispiel engagiert sich schon seit einigen Jahren verstärkt in beiden Ländern. 2006 gründete der Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik-Spezialist sowohl in Russland als auch in der Ukraine neue Tochtergesellschaften. „Die Region zählt für uns schon heute zu den wichtigsten Märkten“, ließ die damalige Geschäftsführung verlauten. Und auch in den folgenden Jahren machte Vaillant im Osten Europas meist gute Geschäfte – oft mit jährlichen Steigerungsraten im zweistelligen Prozentbereich. Der Bedarf an umweltfreundlicher Heiztechnik sei auch in diesen Ländern groß, hieß es.

Nachrichten-Ticker zu den aktuellen Ereignissen

Entsprechend besorgt beobachte man nun die Situation vor Ort, berichtet Dr. Jens Wichtermann, Pressesprecher von Vaillant: „Die jüngsten Entwicklungen geben Anlass zur Sorge, dass sich der Konflikt weiter zuspitzt.“ Abhängig von dem Geschäft sei man aber nicht, betont er: „Wirtschaftliche Einschränkungen in diesen Märkten hätten begrenzte Auswirkung auf die Vaillant Group und wären nicht geschäftskritisch.“ Zumal die derzeit beschlossenen und diskutierten Sanktionen keine Vaillant-Produkte betreffen würden.

Auch deswegen seien die Auswirkungen aufs Geschäft aktuell beherrschbar, so Wichtermann: „Derzeit erarbeiten wir Pläne für unterschiedliche Szenarien, um schnell und flexibel auf eine mögliche Veränderung der Lage reagieren zu können.“ Ziel sei es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Geschäftsprozesse aufrechtzuerhalten. Dazu stehe man sowohl mit den Kollegen in der Ukraine als auch in Russland „in sehr engem Kontakt“.

Seit 2016 ist auch Edscha in Russland vertreten, der Automobilzulieferer eröffnete damals ein Werk in Togliatti, etwa 1000 Kilometer südöstlich von Moskau. Für die spanische Gestamp-Gruppe, zu der Edscha seit 2010 gehört, war es bereits die vierte russische Niederlassung. Schon damals sprach Torsten Greiner, Vorsitzender der Edscha-Geschäftsführung, von einer „angespannten Situation in Russland“, zeigte sich aber überzeugt, langfristig die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das Unternehmen fertigt in Togliatti Tür-, Heckklappen- sowie Hecktürscharniere für den russischen Markt.

„Wir beobachten die Situation bei Gestamp und Edscha derzeit sehr genau und machen uns ein detailliertes Bild von der Lage“, heißt es nun aus der Firmenzentrale an der Hohenhagener Straße. Konkrete Maßnahmen seien bisher aber keine beschlossen worden. Man werde die Krise aufmerksam verfolgen.

Derweil rechnet die IHK damit, dass die Krise selbst dann Auswirkungen auf Unternehmen im Bergischen haben könnte, wenn die gar keine Geschäftsbeziehungen mit Russland oder der Ukraine pflegen. Der Konflikt könnte nämlich die ohnehin schon hohen Energiepreise noch weiter nach oben treiben. Und das merken dann alle.| Standpunkt

Hintergrund

Waren für mehr als 23 Milliarden Euro exportierten deutsche Unternehmen 2020 nach Russland, das damit auf Platz 15 der größten Abnehmer für deutsche Produkte liegt. Exportiert wurden vor allem Autos und Autoteile, Maschinen, Elektrotechnik und Chemie. Trotz der Sanktionen nach der Krim-Annexion und trotz Corona investierten deutsche Firmen in den letzten fünf Jahren etwa sieben Milliarden Euro in Russland.

Standpunkt: Nur gefühlt weit weg

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Gefühlt ist die UkraineKrise ziemlich weit weg, doch in Wirklichkeit liegt sie quasi vor unserer Haustür. Nicht nur weil der Flug von Düsseldorf in die Hauptstadt Kiew keine drei Stunden dauert, also kaum länger als zum Beispiel nach Korfu, sondern weil dieser Konflikt Auswirkungen auf unser aller Leben haben kann. Ein Krieg, ein erneuter muss man ja nach der Besetzung der Krim 2014 eigentlich sagen, in Europa kann niemanden kalt lassen. Auch deswegen nicht, weil Russland im Budapester Memorandum von 1994, genau wie die USA und Großbritannien, die territoriale Unversehrtheit der Ukraine versichert hatte – im Gegenzug für einen kompletten Nuklearwaffenverzicht des Landes. Die erneute Erfahrung, dass eine solche Zusicherung quasi nichts wert ist, könnte die weltweite Eindämmung von Atom-Waffen empfindlich stören. Und Europa so in eine längst vergessen geglaubte Vergangenheit zurückwerfen. Es besteht wirklich Grund zur Sorge. Denn die Ukraine-Krise ist eben nur gefühlt ziemlich weit weg.

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