Wahrzeichen

Blauer Mond: „Illuminator“ sorgt für Licht

Per Hebebühne montieren die Beleuchtungsexperten die Halterungen für die LED-Schläuche am „Blauen Mond“ auf dem Aldi-Parkplatz.
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Per Hebebühne montieren die Beleuchtungsexperten die Halterungen für die LED-Schläuche am „Blauen Mond“ auf dem Aldi-Parkplatz.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Martin Gerhardts montiert 120 Meter LED-Schläuche am Mannesmann-Denkmal – Aufrichtung kostet Verein extra.

Remscheid. Eine hydraulische Hebebühne reicht aus, um den Mond anzufassen - möglich ist das allerdings nur im Südbezirk. Denn hier schwebt nicht nur ein Mond am Himmel, sondern einer liegt auch auf dem Aldi-Parkplatz an der Burger Straße: der Kopf des Mannesmann-Denkmals, liebevoll „Blauer Mond“ genannt.

Der „Illuminator“ und sein „Hölpes“: Martin Gerhardts (r.) und Franco Finelli sorgen für die Beleuchtung. Im Hintergrund der Turm.

Nachdem das Vier-Tonnen-Teil in den letzten Wochen unter der Regie des Eigentümers Aldi auf der Seite liegend unter einem Zelt gesandstrahlt und neu lackiert wurde und auch der Turm nebenan eine Frischekur erhielt, bewegte sich der „Mond“ am Freitagmorgen nach oben. Ein Kranfahrer sorgte für eine sichere Mondlandung auf Holzstützen, Spanngurte mit Metallankern sichern das riesige „MW“, das aus der neuen Perspektive nun wie ein Riesen-Rhönrad aussieht, zu den Seiten. Denn der Kopf des Denkmals misst sieben Meter im Durchmesser. So dagestanden hat der „Blaue Mond“ schon seit sieben Jahren nicht mehr.

Prof. Dr. Horst A. Wessel muss für die Aufrichtung des Kopfes noch einmal 7200 Euro sammeln. „Das schaffen wir jetzt auch noch.“

Jetzt biegt er auf seine Zielgerade ein: Am Mittag konnten der „Illuminator“ Martin Gerhardts und sein „Hölpes“ Franco Finelli endlich loslegen, nachdem es zuletzt einige Verzögerungen in der Umlaufbahn gegeben hatte. Seitdem fahren die beiden Männer mit ihrer Hebebühne um den sieben Meter großen „Mond“ und montieren die Halterungen, in denen später die 120 Meter LED-Lichtschläuche gelegt werden. Die Abstände müssen dabei genau ausgemessen werden. „Der ,Blaue Mond bekommt auf jeder Seite LED-Lichtschläuche, die in der Mitte zusammengeführt werden. Wenn der Kopf auf den Turm gesetzt wird, wird die Leitung 60 Meter tief von oben nach unten durch den Turm gezogen“, erklärt Gerhardts.

Es ist eine Ausnahmemission für den Beleuchtungsexperten: Er hat zwar schon Schriftzüge vom Grillardor bis zur Küchenwelt vom Stein in Szene gesetzt, aber ein Mond war noch nicht dabei. Daher ziert das „MW“ nun nicht nur sein T-Shirt, sondern auch sein Werbeplakat.

Bernd Schützeberg kämpft gemeinsam mit seiner Frau Riet seit sieben Jahren für das Leuchten.

Bis Montagnachmittag werden der „Illuminator“ und sein „Hölpes“ voraussichtlich noch am „Mond“ arbeiten. Die Hochzeit von Kopf und Turm ist dann für kommende Woche Sonntag, 24. Juli, geplant. Dann soll der „Blaue Mond“ endlich wieder über Bliedinghausen aufgehen. Das freut vor allem die Mitglieder des Fördervereins um Prof. Dr. Horst A. Wessel, die Interessengemeinschaft um Riet und Bernd Schützeberg und Unternehmer Ernst Blissenbach. Denn er darf als großer Förderer auf den Beleuchtungsknopf drücken. Knackpunkt ist noch die Stromversorgung am Boden. Früher kam sie vom alten Vereinsheim. Das gibt es nicht mehr. „Aber da wird uns schon was einfallen“, sagt Wessel.

Auch in anderer Hinsicht muss sich der Verein noch etwas einfallen lassen: Die Mond-Aufrichtung samt Kran, Ankern und Spanngurten kostet nun noch einmal 7200 Euro extra. Über 25 000 Euro wurden bereits gesammelt. Der Verein hat das Geld nun erst mal vorgeschossen - muss es aber wieder reinholen.

Jutta Heinze half beim Unterschriftensammeln. Sie hat eine emotionale Verbindung zum „Mond“.

Wenn der „zweite Mond“ wieder am Himmel über dem Südbezirk aufgeht, werden auch Jutta Heinze, ihre Mutter und ihre Tochter Janine dabei sein. Letztere hat ihn noch nie leuchten gesehen. Jutta Heinze, die ebenfalls Unterschriften zum Erhalt des Industriedenkmals gesammelt hat, hat eine ganz besondere Beziehung zum „Mond“: Ihr Vater, ihr Schwiegervater und ihr Onkel arbeiteten bei Mannesmann, sie wuchs mit dem Unternehmen auf, das für sie wie eine Familie war. Ihr Mann arbeitet heute noch dort. „Als ich den ,Blauen Mond‘ so schön gestrichen hier sah, hatte ich Tränen in den Augen“, erzählt sie. Für die Mannesmänner ist die Metallkonstruktion viel mehr als nur ein Industriedenkmal - es ist ein Symbol für Heimat. Und das stolze Zeichen für eine bahnbrechende Entdeckung, die 1886 genau hier gelang: das nahtlose Rohr. Heute gäbe es kein Fahrrad, kein Auto, keine Ölleitungen ohne diese Errungenschaft der Brüder Mannesmann.

Remscheid: Woran der „Blaue Mond“ erinnert

Der Rohrturm mit dem MW-Zeichen, ein Entwurf des Industriedesigners Peter Behrens, steht in der Nähe des Mannesmannröhren-Werkes auf dem heutigen Aldi-Parkplatz Burger Straße. Der Mannesmann-Turm ist übrigens der erste seiner Art. Er stand ursprünglich auf dem Messegelände in Hannover, wo die deutsche Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ihre wiedergewonnene Stärke erstmals wirkungsvoll präsentierte. Der Turm wurde Ende der 1950er-Jahre durch einen wesentlich höheren, heute noch dort vorhandenen Rohrturm ersetzt. Als technisches Bauwerk, das 2002 auf Wunsch der Stadt unter Denkmalschutz gestellt wurde, inkorporiert der Turm das Leitprodukt der Mannesmannröhren-Werke, das nahtlose Stahlrohr. Denn im Südbezirk wurde in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1886 das erste Rohr nach dem revolutionären und bis heute weltweit betriebenen Mannesmann-Verfahren aus dem massiven Stahlblock allein durch Walzen gefertigt. Dieses Verfahren hat die Herstellung von Stahlrohren grundlegend verändert.

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