Erinnerung

Bildungsstätte Pferdestall: Fotos dokumentieren Leiden der Opfer

Hans Heinz Schumacher, Andrea Blesius und Klaus Blumberg (v.r.) begrüßen Malte Grünkorn, Viola Meike, Aya Zarfati, Sarah Baldy und Katharina Menschick bei der Übergabe der Dokumente.
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Hans Heinz Schumacher, Andrea Blesius und Klaus Blumberg (v.r.) begrüßen Malte Grünkorn, Viola Meike, Aya Zarfati, Sarah Baldy und Katharina Menschick bei der Übergabe der Dokumente.

Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall arbeitet mit den Arolsen Archives zusammen und übergibt Dokumente.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall dient als Verein der Erinnerungskultur im Sinne einer kritischen – und auch schonungslosen – Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, wobei das Wirken sich zur Hauptsache auf die Vorkommnisse während der Nazi-Zeit in Remscheid konzentrieren. Die Bildungsstätte hat ihren Sitz im ehemaligen Pferdestall des Polizeikomplexes am Quimperplatz.

Durch die 2020 vom Verein durchgeführte Ausstellung zur Deportation der Remscheider Sinti und Roma in Vernichtungslager wurden die Arolsen Archives auf die Remscheider Institution aufmerksam; der Kontakt war hergestellt. Die Arolsen Archives sind ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit sowie den Holocaust. Das im nordhessischen Bad Arolsen beheimatete Archiv verfügt mit rund 30 Millionen Dokumenten über eine der größten Sammlungen von Unterlagen über Opfer der Nazi-Herrschaft weltweit. Die Zusammenarbeit zwischen der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall und den Arolsen Archives wurde nun vertieft.

Anlass war die vom Archiv ins Leben gerufene Initiative „Last Seen“. Im Zentrum stehen dabei die Bilder der Deportationen, die das Deutsche Reich zwischen den Jahren 1938 und 1945 durchführte. Diese Fotografien zeigen die letzten Augenblicke, bevor die Deportierten aus der Gesellschaft herausgerissen wurden, und sind in Weise geeignet, die Wirkungsmechanismen des Nationalsozialismus zu vermitteln. Aktuell sind etwa 550 dieser Fotografien von 50 Orten bekannt, jedoch nicht systematisch zusammengeführt und als Sammlung zugänglich gemacht.

Da im Pferdestall ein tief ergreifendes Bildnis dieser Art vorliegt, kontaktierte Andrea Blesius, Vorstandsmitglied des Vereins, die Arolsen Archives und wies auf eben dieses Foto hin, auf dem zahlreiche Remscheider Sinti und Roma zu sehen sind, die über die Freiheitsstraße den ins Vernichtungslager Auschwitz antreten mussten.

Unter den Deportiertenwaren 49 Kinder

Die offizielle Übergabe der entsprechenden Unterlagen fand am Mittwoch statt. Von den Arolsen Archives waren Katharina Menschik und Malte Grünkorn angereist. Der Reisegruppe hatte sich Aya Zarfati vom Haus der Wannseekonferenz in Berlin angeschlossen. „Es ist wichtig“, sagte Andrea Blesius im Rahmen der Veranstaltung, „dass alle zu diesem Thema zusammenarbeiten: kleine Archive, große Archive, eben alle. Der Austausch ist und bleibt wichtig, zwischen Remscheid und Bad Arolsen, aber auch unter den bergischen Städten Remscheid, Wuppertal und Solingen.“ Nach all den Jahren noch immer bewegt, wies Blesius auf die im Foto zu sehenden zahlreichen Kinder hin. „Es waren insgesamt 84 Menschen, die deportiert wurden“, weiß sie. „Davon waren 49 Kinder.“

Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall, lobt die exzellente Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Parteien inklusive des Remscheider Stadtarchivs, deren Leiterin Viola Meike anwesend war. „Es ist und bleibt für uns auch immens wichtig, dass dem Leid der Sinti und Roma in Remscheid mit dem Denkmal im Wald am Blaffertsberg ein sichtbares Zeichen der Erinnerung und Mahnung gesetzt wurde.“ Auch Katharina Menschik von den Arolsen Archives schätzt die gute Zusammenarbeit. „Das ist für uns unglaublich wichtig und eine nicht hoch genug zu schätzende Ergänzung.“

Hintergrund

Die Geschichte der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall begann im Jahr 2015. Im Juni 2018 wurde der Trägerverein von der Geschichts-AG des EMMA-Gymnasiums, Stadt Remscheid, Bergischem Geschichtsverein, jüdischer Kultusgemeinde Wuppertal sowie den christlichen Kirchen und die IG Metall.

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