Individuelle Wünsche für die letzte Ruhestätte

Bestattungen werden immer persönlicher

Viele Kunden von Steinmetz Michael Schurg entscheiden sich noch für eine klassische Grabgestaltung. Immer häufiger geht er jedoch auf individuelle Wünsche der Hinterbliebenen ein.
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Viele Kunden von Steinmetz Michael Schurg entscheiden sich noch für eine klassische Grabgestaltung. Immer häufiger geht er jedoch auf individuelle Wünsche der Hinterbliebenen ein.

Neue Formen für Grabsteine und QR-Codes: Steinmetz Michael Schurg verzeichnet mehr individuelle Wünsche seiner Kunden.

Von Peter Klohs

Remscheid. Im letzten Jahrzehnt hat sich besonders viel verändert, da ist sich Steinmetz- und Bildhauermeister Michael Schurg sicher. Die Wünsche der Hinterbliebenen für die Bestattung ihrer verstorbenen Familienmitglieder werden immer individueller, die Beisetzung persönlicher. Und die Technik macht es möglich.

Die Digitalisierung hat sich besonders in Bezug auf die Grabsteine in die Branche gedrängt. Durch moderne Technik sind Formen und Schriften möglich, die noch vor Jahren als unrealisierbar galten. Vor Schurgs Unternehmen stehen mehr als 100 Grabsteine: runde, eckige, Steine in der Form eines Buches, eines Herzens oder eines Yin-Yang-Zeichens, matte, glänzende, von einer Burg gekrönte, solche in Engelsgestalt. Die Neuerungen kämen den Wünschen nach einer individuellen Grabsteingestaltung sehr entgegen. Michael Schurg berichtet von Grabsteinen mit integrierten QR-Codes, die beispielsweise mit einer extra für die Verstorbenen angelegten Trauerseite im Internet verbunden sind. „Obwohl: Die gediegenen Formen sind nach wie vor vorherrschend“, sagt der Steinmetz von der Wallburgstraße.

Dennoch gibt es ihn, den Wandel im Bestattungswesen in Remscheid. „Man hat seit einigen Jahren auch viele Möglichkeiten der Bestattung, die es zuvor nicht gab“, führt Michael Schurg aus. „Da gibt es Wahlgräber, Reihengräber, teilanonyme oder ganz anonyme Bestattungen. Ein Urnenwahlgrab ist recht beliebt geworden, ein Platz von der Größe eines Quadratmeters, der sich auch als Familiengrab eignet, da bis zu vier Urnen dort beerdigt werden können. Auch Kolumbarien sind seit etwa zehn Jahren beliebter geworden, trotz des fehlenden Raums für Blumen oder andere Gegenstände. Andere lehnen Kolumbarien völlig ab. Trauer braucht Raum“, sagt der Bildhauermeister.

„Der Verstorbene soll im Mittelpunkt stehen, nicht Gott und die Religion.“

Peter Hrabar, Bestatter

Neue Geschäftsfelder ergeben sich auch für Peter Hrabar vom Bestattungshaus Ernst Roth. Christliche Beisetzungen seien deutlich zurückgegangen, weil viele Menschen aus ihren Kirchen ausgetreten seien. Weltliche Bestattungen sind an ihre Stelle getreten, „Bestattungen, bei denen der Verstorbene im Mittelpunkt steht und nicht Gott und die Religion.“

Ganz besonders deutlich zeigt sich die Veränderung in den vielen individuellen Wünschen der Hinterbliebenen. „Das hat extrem zugenommen“, sagt Peter Hrabar. „Da werden Wünsche nach besonderen Musikstücken geäußert, die bei der Trauerfeier gespielt werden sollen, Lieder, die die Verstorbenen geliebt haben, auch Pop- und Rocksongs, da werden Erinnerungsreden von Angehörigen gehalten, Bilder der Verstorbenen gezeigt, da wird der Wunsch geäußert, bei der Vorbereitung der Bestattung aktiv mitzuhelfen, was zum Beispiel bei der hygienischen Versorgung möglich ist. Die individuelle Trauer ist den Hinterbliebenen sehr wichtig geworden.“

Mehr Menschen wünschen sich eine Feuerbestattung

Hinzu komme, so der Bestatter, dass es eine deutliche Zunahme an Feuerbestattungen gibt. „Heute sind es schon annähernd 80 Prozent der Bestattungen. Die traditionelle Erdbestattung tritt deutlich zurück.“ Das liege auch daran, so Hrabar, dass die Hinterbliebenen pflegefreie Grabstellen wünschen. Auch naturnahe Bestattungen nehmen zu: im Wald oder zu Wasser – was an wenigen Stellen in der Nord- und der Ostsee möglich ist. Anonyme Bestattungen seien nach wie vor möglich, allerdings nur auf den kommunalen Friedhöfen.

Der allerneueste Trend, berichtet Peter Hrabar, sei der Wunsch nach einer ökologischen Beisetzung, bei der darauf geachtet werde, dass alle Stoffe von der Natur schadstofffrei abgebaut werden können. Auch ist es seit wenigen Jahren problemlos möglich, aus dem Fingerabdruck oder fünf Gramm Haaren der Verstorbenen Schmuckstücke anzufertigen. „Die Digitalisierung macht vieles möglich.“

Totensonntag

Am Sonntag, 20. November, wird der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Der Toten- oder Ewigkeitssonntag ist ein stiller Gedenktag, an dem fröhliche und laute Veranstaltungen untersagt sind. Totensonntag ist der letzte Sonntag im nun endenden Kirchenjahr. lho

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