21 Monate Bauzeit

Berufskolleg wird rechtzeitig fertig

Im Foyer des neuen Berufskollegs (v. l.): Projektleiter Stefan Stolz, Gebäudemanager Dirk Deutemann und OB Burkhard Mast-Weisz.
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Im Foyer des neuen Berufskollegs (v. l.): Projektleiter Stefan Stolz, Gebäudemanager Dirk Deutemann und OB Burkhard Mast-Weisz.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Das 30-Millionen-Objekt am Hauptbahnhof wird wie geplant nach 21 Monaten Bauzeit zum Schulbeginn 2022/23 fertig.

Remscheid. Wenn Schulleiterin Cornelia Berghaus-Biermann die Baustelle des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung am Hauptbahnhof betritt und sich den rasanten Fortschritt anschaut, ist sie überwältigt: „Ich bin immer wieder sprachlos.“ Nach den Sommerferien wird der topmoderne Standort an der Schmalkalder Straße in Betrieb genommen, 1400 Schüler und 70 Lehrer beherbergen.

Berghaus-Biermann wird dann nicht mehr dabei sein. Mit 63 Jahren geht sie in Ruhestand. Der Ferienbeginn am 24. Juni ist ihr letzter Schultag – noch im alten, maroden Gebäude an der Stuttgarter Straße. Ab August erhält das Kolleg adäquate Unterrichtsmöglichkeiten durch die erste größere Baumaßnahme in Remscheid nach der Fertigstellung der Sophie-Scholl-Gesamtschule vor 26 Jahren. 30 Millionen Euro verbaut die Stadt in ein Kolleg mit Gleisanschluss.

Der Hauptbahnhof ist direkt nebenan. Viele Großprojekte verzögern sich, das dreigeschossige Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung nicht. Dirk Deutemann (städtisches Gebäudemanagement) und Stefan Stolz (Projektleiter bei der Industriebaufirma Imetaal, einer Tochter des Generalunternehmers Ten Brinke) bestätigen, dass der Einzugstermin nach 21 Monaten Bauzeit wie geplant gehalten wird. Auch pandemisch bedingte Lieferengpässe haben nicht am Zeitplan gerüttelt.

Das Berufskolleg bekommt auch einen Schulgarten

Zwischen 80 und 100 Mitarbeiter auf der Baustelle sorgen täglich dafür, dass es vorwärts geht. Nicht nur drinnen, auch draußen. Auf der Seite zum Nachbarn Cinestar ist das Pflaster für den Schulhof gelegt. Auf der riesigen Freifläche entstehen Hochbeete, werden Bäume gepflanzt, Sitzmöglichkeiten geschaffen, ein Basketballkorb aufgehängt. Die dreireihige Sitztribüne am Ende ist fertig, dahinter wird ein Schulgarten angelegt.

Neben Stellflächen für Fahrräder wird ein Teil der 76 Parkplätze am Schulhof ausgewiesen, wo heute die Baucontainer stehen. Der Rest der Parkplätze ist 155 Meter entfernt am anderen Ende des schlauchförmigen Neubaus, wo die Lehrer ihren Eingang haben und im 2. OG des Westflügels ihr Lehrerzimmer.

In der Berufsschule gibt es keine Aula

Bei einer Besichtigung diese Woche überzeugte sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, dass am Hauptbahnhof sein Credo voll aufgeht: „Bildung ist das Thema der Zukunft.“ Das neue Berufskolleg sei die Antwort für all diejenigen, die meckern, in Remscheid passiere nichts, meint der OB. Nach Jahren des baulichen Stillstands kann die Stadt wieder viel Geld in die Hand nehmen und gestalten. Das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung wird, auch ohne Luxusausstattung, all das haben, was Schüler- und Pädagogenherzen höherschlagen lässt. Nur die Aula fehlt – aber für größere Events wird das Cinestar einen großen Kinosaal zur Verfügung stellen können. Für mittelgroße Veranstaltungen wird es im Foyer eine Bühne geben und die Möglichkeit, viele Stuhlreihen aufzustellen.

Worauf viele andere Schulen sehnsüchtig warten, im Kolleg bricht das digitale Zeitalter an. „Das Haus bekommt stadteigenes Netz, zusätzlich wird es von der Telekom angeschlossen“, erklärt Deutemann. 51 Klassenzimmer entstehen, hinzu gesellen sich Differenzierungsräume, zum Zurückziehen und für Gruppenarbeit.

Die Klassenzimmer haben alle ein Waschbecken, sind technisch voll erschlossen und werden Türen mit einer schmalen Glasfront am Rand haben, die von außen einen Blick erlaubt, ob die Räume belegt sind. Auf jeder Etage gibt es EDV-Räume.

Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist.

Cornelia Berghaus-Biermann, Schulleiterin

Zu den pädagogischen Konzepten, die das Kollegium einbrachte, zählen die Lehrmittel-Plusräume, die angesichts der langen Distanzen, die in den Gängen zurückgelegt werden müssen, ein Boxenstopp für das Lehrpersonal ermöglichen. Materialien können dort untergebracht werden, Lehrer Schüler zum Gespräch bitten. Alles wurde bedacht: Auch die Fachkräfte für Lagerlogistik erhalten ein Übungslager.

Für Cornelia Berghaus-Biermann erfüllt sich am Ende ihrer 37 Dienstjahre ein Traum. Einmal eine Schule mitgestalten – für die Lenneperin die Erfüllung. Deshalb ist sie nicht gram, dass nun ihr Abschied naht: „Es heißt doch: Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist.“

Politiker diskutieren über Nachnutzung des Berufskollegs in der Stuttgarter Straße

Dach erhält große Photovoltaikanlage

Blick vom Dach auf den Schulhof des Berufskollegs: im Hintergrund (v. l.) Gewag-Hochhaus, Cinestar und Hauptbahnhof.

Auf dem 10 681 Quadratmeter großen Grundstück wartete nur eine Überraschung. 350 000 Euro mussten zusätzlich investiert werden, um eine 110 Meter lange und bis zu 3,50 Meter hohe Stützmauer am Hang zur Bebauung an der Freiheitstraße zu ziehen. Das öffentlich nicht zugängliche Dach mit fantastischem Ausblick wird begrünt. Die Lüftungsanlagen, an die jeder Klassenraum angeschlossen ist, sind oben installiert. Sie erlauben, dass die Schüler nicht ihre Klassenfenster öffnen müssen. Auf das Dach kommt eine Photovoltaikanlage mit 60 Kilowatt-Peak. Der Innenausbau schreitet mit riesigen Schritten voran. Im Mai werden 18 Sattelschlepper mit dem kompletten Mobiliar erwartet.

Lesen Sie auch: Kommt in Remscheid bald Strom vom Denkmal-Dach?

Standpunkt: Bauen macht Spaß

Ein Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Auch das ist Remscheid. Die Stadt, die sich mit der Weiterentwicklung ihrer Innenstadt so schwer tut, kann auch Großprojekte. Jahrelang waren Verwaltung und Politik die Hände gebunden bei Neuinvestitionen. Am Hauptbahnhof fließen sie derzeit mit 30 Millionen Euro in einer Größenordnung, die lange Zeit nicht ansatzweise vorstellbar gewesen wäre. Bauen macht Spaß. Zum einen, weil Geld, das in Schulen und Kitas fließt, immer beim Richtigen ankommt, zum anderen, weil der Neubau des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung fast geräuschlos über die Bühne geht. Die fast obligatorischen zeitlichen Verzögerungen hat es nicht gegeben, auch Pandemie, Lieferengpässe und Kostensteigerungen machten keinen Strich durch die Rechnung. Bei Letzterem hat die Stadt das große Glück, einen Festpreis vereinbart zu haben. Sonst wäre diese Baumaßnahme ein wesentlich teureres Vergnügen geworden. In diesem Sinne soll es weitergehen. Denn die nächsten Großinvestitionen werden ab 2023 angegangen. Der Rathaus-Anbau wird kommen und die Turnhalle an der Albert-Einstein-Schule ebenso.

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