Ausbildung

Berufskolleg gewinnt an Strahlkraft

Schlüsselübergabe im Berufskolleg: (v.l.) Burkhard Mast-Weisz, Stefan Stolz, Benjamin Thoss, Cornelia Berghaus-Biermann sowie Elke Ittig, Dirk Deutemann vom Gebäudemanagement.
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Schlüsselübergabe im Berufskolleg: (v.l.) Burkhard Mast-Weisz, Stefan Stolz, Benjamin Thoss, Cornelia Berghaus-Biermann sowie Elke Ittig, Dirk Deutemann vom Gebäudemanagement.
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Besondere Feier: Abschied der Schulleiterin fällt mit der Schlüsselübergabe im Neubau zusammen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Wer die stolze Summe von 30 Millionen Euro verbaut, hat ein Recht auf eine doppelte Feier, befand der Oberbürgermeister großzügig. Burkhard Mast-Weisz kündigte deshalb am Freitagmorgen bei der Schlüsselübergabe im Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung (BWV) noch eine offizielle Einweihung nach den Sommerferien an. Mit dem Wechsel von der Stuttgarter in die Schmalkaldener Straße dürfen sich Kollegium und Schüler in einem hochmodernen „Berufskolleg mit Gleisanschluss“ wohlfühlen.

844 Tage, nachdem der Projektvertrag mit dem Generalunternehmer, der Ten Brinke Group, unterzeichnet wurde, erfährt der Schulstandort Remscheid eine Aufwertung. Götz Nafe, Vorsitzender des Kolleg-Fördervereins, nennt Standort, Räumlichkeiten wie technische Ausstattung inklusive kompletter Digitalisierung einen Riesenschritt, um das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung zu einer leuchtenden Ikone mit Strahlkraft über das Bergische hinaus zu etablieren.

Hochbegabt bedeutet nicht gestört und crazy

Der Steinhaus-Geschäftsführer fordert: „Im Kampf um die Talente müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die junge Menschen begeistern.“ Wenn sich Unternehmer um Azubis bemühen, spiele die Schule eine große Rolle. Und im BWV finden sie nun eine Ausbildungsstätte par excellence. Dass sich das pädagogische Konzept des Kollegs in dem Millionen-Projekt widerspiegelt, daran hatte Benjamin Thoss entscheidenden Anteil. Der Lehrer leitete hochengagiert die „Baugruppe“, die die Ideen des Kollegiums beim Architektenbüro SSP erfolgreich platzieren durfte.

Cornelia Berghaus-Biermann kämpfte seit 2008 für Neubau

Diejenige, die seit 2008 für einen Neubau gekämpft hat, wird das neue Zeitalter nicht mehr aktiv erleben. Die Dienstzeit von Schulleiterin Cornelia Berghaus-Biermann läuft zwar bis 31. Juli, gestern aber wurde sie verabschiedet. Zuvor war sie mit ihrem Mann von Burkhard Mast-Weisz daheim in Lennep zu ihrem letzten öffentlichen Auftritt abgeholt worden. Friedhelm Haun aus dem Lehrerrat charakterisierte Berghaus-Biermann als zurückhaltenden Menschen, der „keine überschwänglichen Jubelarien“ auf der Zielgerade ihres Berufslebens benötige. Dass ihr Kolleg nach über 25 Jahren den ersten Schulneubau in Remscheid beziehen darf, ist ihr schönstes Abschiedsgeschenk.

Das schmale, längliche Grundstück am Hauptbahnhof hatte sich nach zähem politischen Ringen gegen zwei weitere Varianten in der Neuenkamper- und der Alleestraße durchgesetzt. Da ein Festbetrag vereinbart war, konnten die Kosten für die Stadt nicht explodieren.

Mehrausgaben entstanden nur durch die in der Corona-Zeit notwendig gewordenen Handwaschbecken in jeder Klasse, die Hangabstützung zur angrenzenden Bebauung an der Freiheitstraße und Lüftungen im ganzen Haus, die nachrüstbar sind für Filter. Auch zeitlich gab es nach dem Spatenstich im Dezember 2020 und der Grundsteinlegung im Juni 2021 keine Verluste. Stefan Stolz (Industriebau Imetaal, eine Ten-Brinke-Tochter) sprach im Foyer des Neubaus vor den 100 geladenen Gästen, die Probleme an, die unterwegs auftauchten.

Vorneweg Corona. Bei Subunternehmern brach zwischenzeitlich das Personal weg, was für Verzögerungen sorgte. Durch Material- und Lieferengpässe gibt es noch ein paar Sachen im neuen Kolleg zu regeln. „Den Unterricht wird das aber nicht beeinträchtigen“, kündigte Stefan Stolz an.

Historie

Die Historie des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung reicht bis 1906 zurück. Das Gebäude an der Stuttgarter Straße 13 ist zwar von außen stattlich, aber zu klein, heutigen Schulstandards nicht mehr entsprechend und in weiten Teilen renovierungsbedürftig. 1400 Schüler besuchen das BWV, das Kollegium besteht aus 60 Lehrkräften.

Standpunkt von Andreas Weber: Schule für kluge Köpfe

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Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. Man muss ihnen den Nährboden bereiten, die entsprechende Ausbildung anbieten. Mit dem neuen Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung ist ein beachtlicher Schritt in die richtige Richtung getan worden. Der städtische 30-Millionen-Invest wird sich auszahlen.

Am Bahnhof entstand eine Schule, die in der dualen Ausbildung den idealen Sparringspartner für die Unternehmen spielen kann. Die Lebensmittelfirma Steinhaus hat dies erkannt, setzt seit 2015 auf Top-Ausbildung mit Kolleg-Unterstützung. Bei Steinhaus sollen die Lehrstellen von 30 auf 60 verdoppelt werden.

Geschäftsführer Götz Nafe will dies wagen, weil er weiß, dass seine jungen Mitarbeiter am Kolleg über die Fachhochschule des Mittelstands einen Hochschulabschluss erwerben können, ab sofort in Wohlfühlatmosphäre mit modernem Studienzentrum. „Uns fehlen kluge Köpfe“, mahnte OB Mast-Weisz bei der Schlüsselübergabe. Im Kolleg können sie nach dem Umzug mehr denn je reifen.

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