Geschichtsverein

BGV holt Hermann Hasenclever ans Licht

BGV-Vorsitzender Alfons Ackermann, Hermann Hasenclevers Urenkelin Regina Harlfinger und Historiker Jörg Holtschneider (v. l.) mit den Informationstafeln, die in direkter Nachbarschaft zum Denkmal Hermann Hasenclevers errichtet wurden. Foto: Michael Schütz
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BGV-Vorsitzender Alfons Ackermann, Hermann Hasenclevers Urenkelin Regina Harlfinger und Historiker Jörg Holtschneider (v. l.) mit den Informationstafeln, die in direkter Nachbarschaft zum Denkmal Hermann Hasenclevers errichtet wurden.
  • Melissa Wienzek
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Mit Hilfe der Urenkelin errichtete der Verein zwei Tafeln neben dem Denkmal – Tuchmacherweg wird für 30 940 Euro erweitert

Remscheid. Lange Zeit ist Historiker Jörg Holtschneider immer wieder am Ehrenmal Reinshagen vorbeigejoggt, ohne zu wissen, was sich etwa 200 Meter weiter im Gebüsch verbarg: der Gedenkstein Hermann Hasenclevers. Auf einen Hinweis von Hasenclevers Urenkelin Regina Harlfinger hin und im Auftrag des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) machte sich Holtschneider auf die Suche – und fand einen großen Stein samt Antlitz und Inschrift. „Es war wie eine dunkle Höhle, völlig zugewachsen von Eiben“, erzählt der freiberufliche Historiker von Via Temporis. Also rückte der Leiter des Stadtforstamtes, Markus Wolff, in den Schimmelbusch aus und legte den Gedenkstein wieder frei.

Nun ist nicht nur die Inschrift „Hermann Hasenclever schenkte Bismarck zu Ehren den bergischen Wald. Ihm zu danken setzte die Stadt den Stein.“ wieder zu lesen und der Kopf des einstigen Kommerzienrats auch wieder vollständig vorhanden, sondern auch zwei neue Informationstafeln des BGV, die zeigen: Eigentlich hätte an jener Stelle ein riesiger Park entstehen sollen.

„Gute Luft war den Menschen schon vor über 100 Jahren wichtig.“

Jörg Holtschneider

Denn Hermann Hasenclever und seine Frau Milly schenkten der Stadt Remscheid das 85-Morgen-Areal am 1. Oktober 1912, dem Tag ihrer Silbernen Hochzeit. 85 Morgen, das sind etwa 34 Hektar oder anders gesagt: etwa 48 Fußballfelder. Als Angehörige der bekannten Kaufmannsfamilie Hasenclever, die seit dem 17. Jahrhundert weltweit Handel trieb, gehörte das Paar zu den führenden Persönlichkeiten Remscheids. „Sie haben viel für das Gemeinwesen getan und sich für ihre Stadt engagiert“, erklärt Jörg Holtschneider. Die Hasenclevers vermachten der Stadt das Areal – unter der Bedingung, dort aufgrund der Luftverschmutzung der Industriestadt einen öffentlichen Park zu errichten. Sie gaben ihm den Namen Bismarck-Park, eingebettet in eine umliegende „Garten-Stadt“. „Es war ursprünglich geplant als neues Stadtviertel. Hier sollte für die südliche Stadtgegend neben dem Stadtpark ein weiterer Park entstehen. Gute Luft war den Menschen schon vor über 100 Jahren wichtig“, sagt Holtschneider. Der Kölner Gartenbaudirektor Fritz Encke und der Essener Architekt Georg Metzendorf, der auch die Krupp-Siedlung in Essen geplant hatte, sollten die Pläne ausführen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Das Denkmal Hermann Hasenclevers wurde freigelegt. Die Informationstafeln und das Denkmal befinden sich etwa 200 Meter neben dem Ehrenmal Reinshagen am Waldweg.

Der 1. Weltkrieg verhinderte die Umgestaltung. Trotzdem entstand im Laufe der Zeit ein beliebtes Erholungsgebiet, das von Joggern, Spaziergängern und Hundebesitzern gern genutzt wird. 1934 errichtete die Stadt den Gedenkstein. „Meine Mutter war als Elfjährige noch dabei“, erzählt Regina Harlfinger. „Für mich war es bislang nur ein nackter Stein. Jetzt, nach der Recherche des BGV, ist so viel ans Tageslicht gekommen“, freut sich die Urenkelin Hermann Hasenclevers. Zwei Informationstafeln weisen nun darauf hin. „Anlässlich unseres 100-jährigen Bestehens möchten wir den Bürgern diese Tafeln schenken“, erklärt der BGV-Vorsitzende Alfons Ackermann.

Und damit nicht genug: Das nächste große Projekt steht bereits in den Startlöchern. Für insgesamt 30 940 Euro wird der BGV den Tuchmacherweg in Lennep erweitern. Dafür hat der Verein eine beachtliche Fördersumme in Höhe von 15 470 Euro aus dem NRW-Heimatfonds erhalten, die Stiftung der Stadtsparkasse Remscheid gibt 10 000 Euro hinzu, den Rest teilen sich die Stadt Remscheid und der BGV. Die 20 Tafeln mit Bildern, Texten und Karten zu historisch bedeutsamen Orten der Lenneper Textilgeschichte sollen bis November aufgearbeitet werden. Danach werden 30 zusätzliche Tafeln errichtet. „Das ist auch im Hinblick auf das geplante DOC eine lohnenswerte Aufwertung“, sagt Ackermann.

Der Verein

Der Bergische Geschichtsverein Abteilung Remscheid wurde am 3. November 1921 gegründet – er feiert dieses Jahr 100-jähriges Bestehen. Aktuell zählt er rund 300 Mitglieder. Der Vorstand überlegt derzeit, ob er die große Jubiläumsfeier auf 2022 verschiebt. Geplant ist aber ein öffentlicher Stadtrundgang. Die nächste Jahreshauptversammlung samt Vorstandswahlen ist für 5. Oktober in der Klosterkirche angesetzt. Die Versammlung 2020 musste wegen Corona ausfallen.

bgv-remscheid.de

Das DOC sorgt auch in Lennep weiter für Gesprächsstoff. 165 Millionen Euro sollen in den Bau investiert werden.

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