Kultur

Den Bergischen Symphonikern droht die Kurzarbeit

Wenn kein Ton erklingt, klingelt auch kein Cent in der Kasse: Das bergische Orchester der Städte Remscheid und Solingen nimmt derzeit keine Drittmittel ein. Es laufen Verhandlungen mit dem Verband. Archivfoto: Roland Keusch
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Wenn kein Ton erklingt, klingelt auch kein Cent in der Kasse: Das bergische Orchester der Städte Remscheid und Solingen nimmt derzeit keine Drittmittel ein. Es laufen Verhandlungen mit dem Verband.

Ohne Spielbetrieb fehlen der Orchester GmbH Einnahmen. In den Theatern wird indes weiter gearbeitet.

Von Melissa Wienzek und Philipp Müller

Remscheid. Eigentlich sollten kommende Woche am Dienstag in Solingen und am Mittwoch in Remscheid die 8. Philharmonischen Konzerte unter dem Titel „Böhmische Konzerte“ auf dem Spielplan stehen. Doch der Geschäftsführer der Orchester GmbH der Bergischen Symphoniker, Stefan Schreiner, muss sich dann auf anderem Parkett bewegen. Es ist das Juristische. Das Thema Kurzarbeit ist auch bei den klassischen Profimusikern ein Thema, wenn auch noch nicht akut. In den beiden Spielstätten der Symphoniker, dem Remscheider Teo Otto Theater und dem Solinger Theater und Konzerthaus, können die Mitarbeiter weiterhin voll eingesetzt werden.

Warum das für die Symphoniker nicht gilt, erklärt Stefan Schreiner so: Die GmbH, deren Angestellte die Musiker sind, muss wirtschaftlich denken. Zwar laufe der Zuschuss aus den beiden Städten, die das Orchester gemeinsam tragen, weiter. Auch sei die Überweisung von Honoraren aus den Abnahmeverpflichtungen der beiden Kultureinrichtung nicht gefährdet, weil die Teil des Finanzkonzepts der GmbH seien. Aber die Drittmittel, die etwa durch Vermietungen des Orchesters erzielt werden, die fließen jetzt nicht. Da heißt es bedingt durch Corona gnadenlos: Kein Ton erklingt, kein Cent klingelt in der Kasse.

Mit der Mitarbeitervertretung werde aber noch nicht über eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit verhandelt, erklärt der Geschäftsführer. Dennoch liefen Verhandlungen mit dem Orchesterverband und den Gewerkschaften auf Bundesebene. „Ziel ist es, dass dabei eine einheitliche Regelung für alle Orchester entsteht“, sagt Schreiner. Kenne man deren Bedingungen und Auswirkungen, werde man rechnen, wie man den Drittmittelausfall durch Kurzarbeit kompensieren könne. Daher könne er noch keine Prognose abgeben, wie groß der Umfang der Arbeitszeitreduzierung und deren Dauer sei.

Den Mitarbeitern im Remscheider Teo Otto Theater droht derzeit noch keine Kurzarbeit, sagt Geschäftsführer Lutz Heinrichs. „Kurzarbeit im öffentlichen Dienst ist zurzeit natürlich ein Thema. Es wird auch im Rathaus geprüft.“ Aber auf der Basis des Tarifvertrages seien erst interne Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit zu führen, ehe man den Kurzarbeit-Gedanken weiter verfolge.

20 Mitarbeiter im Teo Otto Theater besetzen 17 Vollzeitstellen

Auch wenn das Theater bis 24. Mai geschlossen ist, gehen die Arbeiten hinter verschlossener Tür weiter. „Wir fühlen uns alles andere als arbeitslos“, sagt Heinrichs. 20 Mitarbeiter besetzen 17 Vollzeitstellen. Hinzu kommen 20 Aushilfen für den Schließ- und Garderobendienst. Man überlege derzeit, wie man kleinere Veranstaltungen „irgendwie hinkriegen könnte“, falls diese bald wieder erlaubt seien. Zum Beispiel mit eingeschränkter Zuschauerkapazität und Abstandsregelungen. Die erste Veranstaltung nach diesem coronabedingten Konzept könnte das 9. Philharmonische Konzert der Symphoniker am 27. Mai sein. Der künstlerische Leiter Sven Graf sei derzeit in Gesprächen, auch mit dem Orchester.

Zudem sei man gerade dabei, die Erstattungen für ausgefallene Veranstaltungen abzuarbeiten. Erstaunlich: Viele Remscheider möchten das Geld an das Teo Otto Theater spenden. Das komme wiederum dem Gastspieletat zugute.

Kurzarbeit sei auch im Solinger Theater und Konzerthaus gar kein Thema, berichtet Lutz Peters, Pressesprecher der Klingenstadt. Das Haus habe 80 Mitarbeiter, die zusammen in Teil- und Vollzeit 37 volle Planstellen besetzten. Sechs Mitarbeiter seien zurzeit dem Kommunalen Ordnungsdienst zugeteilt, der zur Überwachung der Corona-Schutzverordnung stark aufgestockt wurde. Drei Mitarbeiter seien ins Gesundheitsamt versetzt worden, einer in die Klinik Bethanien. Auch der Rest ruhe sich nicht aus: Sitzungen der politischen Gremien und der Verwaltung, die im Haus stattfinden, werden durch Beschäftigte des Theaters und Konzerthauses ins Internet übertragen. Zudem werden kleine Kulturevents aufgezeichnet und auf Video-Plattformen gestreamt.

SPIELPLAN-PROBLEME

VERANSTALTUNGEN Der künstlerische Leiter des Teo Otto Theaters, Sven Graf, rotiert. Eigentlich ist die neue Spielzeitplanung längst fertig. „Aber der eine oder andere Termin fliegt einem da wieder um die Ohren“, sagt Geschäftsführer Lutz Heinrichs. Der Spielplan sei „auf Kante genäht“, Verschiebungen kaum möglich. Eine gute Nachricht: Götz Alsmann, der im Mai auftreten sollte, wird seinen Auftritt im Oktober nachholen.

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