Sorge in Einzelhandel und Gastronomie

Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“

Die Maske gehört bei Shoppen längst dazu – bald braucht es auch noch einen 2G-Nachweis. Nelson Vlijt, Michael Wenge und Markus Kärst (v.o.) fürchten Nachteile für Gastronomie und Einzelhandel. Archivfotos: Roland Keusch/ Michael Schütz/ Peter Klohs
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Die Maske gehört bei Shoppen längst dazu – bald braucht es auch noch einen 2G-Nachweis.

Feuerwerker sprechen vom „Todesstoß“ für ihre Branche.

Von Sven Schlickowey

Nelson Vlijt, Manager des Allee-Centers

Remscheid. Nach der Ministerpräsidentenkonferenz bereitet sich der Einzelhandel in Remscheid auf 2G vor. Ungewöhnlich schnell hatte die Landesregierung am Freitagnachmittag eine neue Fassung der Coronaschutzverordnung veröffentlicht, die am Samstag bereits in Kraft tritt. Mit ihr bleibt den Betrieben eine Übergangsfrist bis Mittwoch, bevor sie kontrollieren müssen, dass nur noch Geimpfte und Genesene ihr Lokal oder ihr Geschäft betreten.

Das sei – mal wieder – eine echte Herausforderung, sagt Nelson Vlijt, Manager des Allee-Centers. Zwar treffe die Entscheidung die Branche keinesfalls unerwartet: „Wir wussten ja schon lange, dass 2G droht.“ Doch wie genau die Kontrollen aussehen werden, müsse sich in vielen Fällen erst noch zeigen. Sicher sei aber, dass es im Center keine Einlasskontrollen an den Haupteingängen geben werde. Auch, weil einige Geschäfte, darunter dm, die Apotheke und Tee Geschwendner, von der 2G-Regel gar nicht betroffen sind.

„Erneut trifft es uns im Advent, der sonst umsatzstärksten Zeit des Jahres.“

Gastronom Markus Kärst

Es gebe Überlegungen, ähnlich wie auf dem Weihnachtsmarkt, Armbänder für Genesene und Geimpfte auszugeben, sagt Vlijt. „Das wäre aber nur sinnvoll, wenn das auch entlastet.“ Schließlich müssten ja auch die Bändchen kontrolliert werden. Viele Einzelhändler und ihre Mitarbeiter hätten Verständnis für die Maßnahme, berichtet der Center-Manager. Trotzdem herrsche nun Sorge ums Weihnachtsgeschäft. Auch weil Erinnerungen an das Vorjahr und den Lockdown Mitte Dezember geweckt würden.

Michael Wenge. Hauptgeschäftsführer IHK

Große Sorgen um den Umsatz in der für den Einzelhandel und die Gastronomie wichtigsten Zeit des Jahres hat auch die Bergische IHK. „So wichtig und richtig es ist, den Druck auf die Ungeimpften zu erhöhen, so problematisch sind die neuen Regeln für Einzelhandel und Gastronomie“, sagt deren Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Das unsolidarische Verhalten der ungeimpften Minderheit gefährde die Existenz vieler Unternehmen. „Wenn umfangreiche Informationen und Appelle offensichtlich nicht ausreichen, dann bleibt als letztes Mittel nur noch die Impfpflicht.“

„Das unsolidarische Verhalten der ungeimpften Minderheit gefährdet die Existenz vieler Unternehmen.“

Michael Wenge, IHK

IHK-Vizepräsidentin Katrin Becker, im Hauptberuf Vlijts Kollegin in den Wuppertaler City-Arkaden, erwartet durch die neue Regelung eine weitere Verschiebung zugunsten des Online-Handels: „Hinterher wird dann mit Fördergeldern wieder versucht, die Innenstädte attraktiver zu machen, um Kunden zurückzuholen.“ Das sei so wenig sinnvoll. „Erneut trifft es uns im Advent, der sonst umsatzstärksten Zeit des Jahres“, sagt Gastronom Markus Kärst, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands in Remscheid. Auch er habe grundsätzlich Verständnis für Schutzmaßnahmen, so Kärst, aber die Lasten müssten gerechter verteilt werden.

Markus Kärst, Dehoga-Vorsitzender

Noch härter als 2G den Einzelhandel und die Gastronomie trifft das angekündigte Böllerverbot sicherlich die Feuerwerkshersteller. Und damit auch den Remscheider Standort von Nico Europe. Beim drittgrößten deutschen Hersteller von Raketen und Co. war das Geschäft schon im vergangenen Jahr nahezu komplett ausgefallen – nun droht das gleiche Schicksal erneut. Pressesprecher Marco Finessi erklärt, dass man derzeit noch keine Aussagen zur Zukunft der Firma treffen könne. Und verweist auf eine Stellungnahme des Verbandes der pyrotechnischen Industrie. Der spricht vom „Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“. Voraussichtlich würden nun alle 3000 Beschäftigten ihren Job verlieren.

Hintergrund

Die Zahl der Corona-Toten in Remscheid steigt weiter. Erneut sind zwei 76 Jahre alte Remscheider an oder mit Covid-19 gestorben. Somit gibt es seit Beginn der Pandemie 197 Covid-Todesfälle. In den Krankenhäusern sind 29 Covid-Patienten, drei sind intensivpflichtig.

Standpunkt: Jetzt erst recht

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Man wisse aus Erfahrung, dass Einschränkungen wie die 2G-Regel die Menschen abschrecken, sagten Vertreter von Einzelhandel und Gastronomie, auch die Geimpften und Genesenen. Und natürlich ist es lästig, jedes mal an der Tür das Mobiltelefon und den Personalausweis zu zücken oder einen anderen Nachweis. Doch davon, dass trotzdem möglichst viele Menschen vorbeikommen, werden große Teile der regionalen Wirtschaft in den kommenden Wochen angewiesen sein. Und man kann das ja auch anders betrachten: Durch die neue Regel ist das Einkaufen, das ohnehin schon verhältnismäßig sicher war, jetzt sogar noch sicherer geworden. Übrigens kann man auch mit Maske und 2G-Nachweis leckere Mahlzeiten im gastfreundlichen Ambiente und die Vorzüge des stationären Einzelhandels – persönliche Beratung, Atmosphäre, Ware zum Anfassen, direkte Verfügbarkeit – genießen. Vor allem aber kann man lieber jetzt ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen als später in verödete Innenstädten zu stehen.

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