Meine erste Platte

Beim „Abendsegen“ geht dem Pastor immer noch das Herz auf

Pastor André Carouge zeigt seine erste Platte: die Opernversion von „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Foto: Michael Schütz
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Pastor André Carouge zeigt seine erste Platte: die Opernversion von „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck.

André Carouges erste Platte war die Oper „Hänsel und Gretel“ – Er wollte selbst Musik studieren

Von Peter Klohs

Remscheid. Dieser Pastor ist für eine Überraschung gut. Denn wer hätte gedacht, dass André Carouge einen solchen Musikgeschmack hat? „Ich weiß ja nicht, was Sie erwartet haben“, sagt der Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in der Friedenskirche, eingangs im Gespräch mit dem RGA zum Thema „Meine erste Platte“. „Vielleicht die Beatles oder die Rolling Stones?“, mutmaßt er – und hat damit durchaus recht. „Aber damit kann ich nicht dienen.“

Und dann präsentiert er seine erste Langspielplatte, die ein buntes Cover ziert: die Opernversion von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, an der Anna Moffo, Christa Ludwig und Dietrich Fischer-Dieskau mitgewirkt haben. Namen, die einem Klassikliebhaber noch heute wohlige Schauer bescheren.

Der 1970 in Solingen geborene Carouge genoss in seiner Jugend eine klassische Ausbildung, die mit dem Erlernen der C-Flöte ihren Anfang nahm. Sein Hauptinstrument wurde jedoch die Violine. Er genoss die Ausbildung von drei Geigenlehrern, die „auch von den Bergischen Symphonikern kamen. Schon in Grundschulzeiten habe ich auf der Violine vorgespielt“, erinnert er sich. Grundsätzlich hatte der junge André überlegt, später Musik studieren zu wollen. Und trotz einschneidender musikalischer Erfahrungen kam es am Ende doch ganz anders.

„Ein großes Erlebnis war, dass wir in der Grundschule eine Aufführung eben von ,Hänsel und Gretel‘ im Solinger Theaterhaus besuchten“, berichtet Carouge. „Dieses Zusammenspiel von Handlung, Gesang, Musik und die zu spürende Wucht des Orchesters haben mich schon stark beeindruckt. Da hörte ich zum ersten Mal die versammelte Kraft, die die Blechbläser der Bergischen Symphoniker entfachen können.“ Später spielte er selbst beim Jugendorchester der Stadt Solingen. Ein weiteres Erlebnis war der Besuch eines Konzertes auf der größten Kirchenorgel der Welt, die in Passau zu bestaunen ist.

Die Oper von Engelbert Humperdinck gefällt ihm auch heute noch. „Beim ‚Abendsegen’ geht mit immer noch das Herz auf“, erzählt der Pastor. „So wurde diese Oper meine erste Langspielplatte. Ich habe sie selbst gekauft, vermutlich im Bertelsmann-Laden an der Kölner Straße. Meine Eltern hatten ein Abo, da musste man immer für einen bestimmten Betrag einkaufen.“

Apropos Eltern: Die haben André Carouge immer unterstützt, zunächst in der Hinwendung zur Musik, später dann auf dem Weg zum Theologen. Warum kam es so? „Das war eine Frage der Berufung“, antwortet Carouge. Als Theologe hört er natürlich gerne Bach und Mendelssohn, aber auch Händel und Haydn. „Mit Rock oder Pop habe ich mich nie beschäftigt“, erzählt der auch als Notfallseelsorger tätige Pastor. „Zu Hause lief kein Radio, und die Hitparade habe ich nie gesehen. Aber dafür das Neujahrskonzert aus Wien. Ich sag mal so: Würde ich bei Günther Jauch sitzen, bräuchte ich bei Pop- oder Rockfragen den Publikumsjoker.“

Auf einem solchen Konzert war Carouge noch nie. „Ich war im Einsatz beim Love-Parade-Konzert in Duisburg, das so tragisch endete. Aber da blendet man die Musik natürlich aus.“ Mittlerweile hört er dank seiner Tochter hin und wieder doch aktuelle Hits. „Ich ertrage das“, sagt er. „Ich höre aber lieber Deutschlandradio Kultur.“

Von der Violine zur Geige

Die Violine hat das musikalische Leben von André Carouge beeinflusst. „Irgendwann habe ich damit aufgehört“, erzählt er, „und am Ende des Theologie-Studiums wieder angefangen. Erst 2021 habe ich mir wieder eine Geige gekauft und übe. Das macht mir viel Freude.“ Seine Tochter lernt ebenfalls ein Instrument: Harfe. „Aber ich muss die immer stimmen“, sagt Carouge.

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