Landgericht

Prozess um vorgetäuschten Unfall - Beide Angeklagten schweigen

Im Landgericht Wuppertal findet ein Prozess gegen einen Solinger statt.
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Das Landgericht hatte einen Polizisten als Zeugen geladen, der verhindert war. Der Prozess wurde daraufhin vertagt.

Zwei Remscheider werden beschuldigt, einen Unfall vorgetäuscht zu haben.

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einer ersten Verhandlung war ein Polizist erkrankt und für eine Zeugenaussage nicht erreichbar, im zweiten Anlauf wird der Prozess ebenso schwierig: Zwei inzwischen 25 und 26 Jahre alte Angeklagte aus Lennep müssen sich wegen Verdachts des Versicherungsbetrugs verantworten. Sie sollen einen Verkehrsunfall mit einem scheinbaren Rechts-vor-Links-Verstoß abgesprochen haben. Vor dem Landgericht in Wuppertal wehren sie sich gegen Geldstrafen von mehreren 1000 Euro, zu denen das Remscheider Amtsgericht sie nicht rechtskräftig verurteilt hat. Der Polizist, der beim ersten Mal fehlen musste, war zum neuen Termin wieder nicht da – diesmal lag es an einem Versehen beim Landgericht.

Laut den früheren Feststellungen des Amtsgerichts fiel der angebliche Unfall vom 6. Januar 2018 mit Blechschaden im fünfstelligen Euro-Bereich sofort bei der Aufnahme am Hasenberg durch die Polizei auf: Die beiden angeklagten Fahrer sollen sich völlig entspannt gezeigt haben, obwohl der eine dem anderen soeben die Vorfahrt genommen und in dessen älteren Sportwagen gefahren sein sollte. Einschätzung eines Polizisten: „Die wirkten, als hätten sie schon zig Unfälle hinter sich.“ Erst recht wurden die Beamten hellhörig, als sie sahen, dass der angebliche Unfallverursacher mit einem Mietwagen vor Ort war, mit einer teuren Versicherung ohne Selbstbeteiligung.

Bei dem Zusammenstoß sollte der Fahrer des BMW an einer T-Kreuzung auf den Talsperrenweg Richtung Innenstadt eingebogen sein. Der zweite Angeklagte sei mit seinem gemieteten Golf in die linke Seite gefahren. Die Stelle gilt durch Hecken als schlecht überschaubar.

Es gab noch weitere Auffälligkeiten

Die weiteren Auffälligkeiten: Die Angeklagten hätten ihre Autos vor dem Eintreffen der Polizei zur Seite gefahren. Die Situation nach dem Zusammenstoß war damit verändert. Ein Unfall-Sachverständiger untersuchte Spuren an den Fahrzeugen und kam anhand der Form von Kratzern zu dem Schluss: Beide hätten nicht gebremst. Ein Teil der Schäden am BMW sei erkennbar alt gewesen sein. Das soll der Fahrer bei seiner Meldung an die Versicherung verschwiegen haben. Die zahlte nicht. Es folgte eine Kette von Prozessen. Dabei sollen die Angeklagten jeweils vergeblich behauptet haben, es habe sich um einen Unfall gehandelt.

Im Strafprozess vor dem Landgericht schweigen sie. Bei einem ersten Verhandlungsstart im September 2021 legte die Verteidigung Wert darauf, den älteren und erfahreneren Polizisten von der Unfall-Aufnahme zu befragen, der damals nicht erreichbar war. Zur neuen Verhandlung hatte das Landgericht versehentlich zuerst einen anderen Beamten mit gleichem Nachnamen geladen, der Dienst in Essen versieht. Inzwischen ist der richtige Zeuge gefunden, er war aber zum Termin verhindert. Der Vorsitzende Richter kommentierte gleich zu Sitzungsbeginn: „Wir werden also heute nicht weiter kommen als beim letzten Mal. Aber beim nächsten Termin kann dann auch der Zeuge.“ Das Landgericht will am 14. Dezember 2021 weiter verhandeln.

Auch interessant: Zwei Remscheider akzeptieren Geldstrafe wegen Betrugs.

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