Allgemeinmediziner gehen in den Ruhestand

Hausarztpraxen: Politik will früher reagieren als bei Kinderärzten

Der Beruf des Hausarztes wird für junge angehende Mediziner zunehmend unattraktiv; zumindest, wenn es darum geht, eine Einzelpraxis zu führen. In Remscheid gibt es zurzeit aber noch keinen Mangel an Hausärzten. 
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Der Beruf des Hausarztes wird für junge angehende Mediziner zunehmend unattraktiv; zumindest, wenn es darum geht, eine Einzelpraxis zu führen. In Remscheid gibt es zurzeit aber noch keinen Mangel an Hausärzten. 

Die SPD regt an, sich rechtzeitig um Nachfolgeregelungen zu bemühen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Kaum ist die Kuh bei den Kinderärzten so gut wie vom Eis, wirft die Politik in Remscheid einen Blick auf die hausärztliche Versorgung. Mit einer Anfrage im Sozialausschuss wollte die SPD unter anderem in Erfahrung bringen, wie viele Remscheider Allgemeinmediziner in den kommenden Jahren in Ruhestand gehen werden. Auch, um diesmal etwas früher reagieren zu können als bei den Kinderarztpraxen, wie Burhan Türken, Sprecher der SPD im Ausschuss, betonte.

Bei den beiden pädiatrischen Praxen, die übergangsweise zusammen mit dem Sana-Klinikum und der Diakonie Bethanien betrieben werden und zum 1. Oktober ganz von der Stadt übernommen werden sollen, hatten Politik und Verwaltung nur Monate Zeit, um die medizinische Versorgung von rund 3000 Kindern und Jugendlichen sicher zu stellen. Ähnliches wollen die Sozialdemokraten bei den Hausärzten vermeiden.

Hausärzte finden nicht mehr so leicht Abnehmer für ihre Praxis

Doch die Antwort war wenig erhellend. Zwar rechne man damit, dass „in den nächsten Jahren zahlreiche zurzeit noch ärztlich tätige Praxisinhaber aus der kassenärztlichen Versorgung altersbedingt ausscheiden werden“, teilte die Verwaltung mit. Aber: „Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da der Eintritt in das Rentenalter nicht automatisch mit einer Praxisaufgabe verbunden ist.“ Zahlreiche Praxen würden über das Rentenalter des Inhabers hinaus betrieben. Und grundsätzlich falle das Thema ohnehin in die Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

„Wir brauchen ja nicht die Namen, wir wollen nur wissen, wann wie viele Praxen abgegeben werden sollen.“

Burhan Türken, Sprecher der SPD im Ausschuss wünscht eine Umfrage

Das allerdings hätte genauso grundsätzlich eigentlich auch für die beiden kinderärztlichen Praxen gegolten, die KV hatte aber keine Nachfolger gefunden. In der Pädiatrie ist dieses Problem besonders weit verbreitet. Der Frauenanteil in der Facharztausbildung ist hoch und junge Medizinerinnen bevorzugen noch mehr als ihre männlichen Kollegen die Arbeit im Angestellten-Verhältnis, in vielen Fällen gerne auch in Teilzeit. Eine eigene Praxis mit Arbeitszeiten von mehr als 60 Wochenstunden passt da nicht rein.

Doch auch Hausärzte finden nicht mehr so leicht Abnehmer für ihre Praxis wie noch vor einigen Jahren. Immer mehr Mediziner würden sich für Facharztausbildungen, die nicht für „eine flächendeckende ambulante Versorgung der Bevölkerung“ benötigt werden, entscheiden, sagt die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Stadt: Eine Versorgungslücke in der hausärztlichen Versorgung gibt es noch nicht

Und bei einer Praxis-Übernahme warten nicht nur lange Arbeitszeiten auf die Ärzte, sondern auch hohe Investitionen. Der Kaufpreis einer hausärztlichen Praxis liegt im Schnitt nur knapp unter 100 000 Euro, weitere Kosten entstehen bei der Neuanschaffung von Geräten. All das wird in der Regel problemlos finanziert, dafür gibt es unter anderem die genossenschaftliche Apotheker- und Ärztebank, die Raten drücken aber das Betriebsergebnis in den ersten Jahren – und senken damit das Einkommen des Inhabers.

Noch habe man das Problem im Griff, betont die Verwaltung: „Eine Versorgungslücke in der hausärztlichen Versorgung in Remscheid ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.“ Eine Garantie für die Zukunft sei das aber nicht: „ Da das Interesse an der Übernahme eines Hausarztsitzes in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, kann langfristig nicht ausgeschlossen werden, dass freiwerdende Kassenarztsitze auch im hausärztlichen Bereich aufgrund einer mangelnden Nachfrage nicht neu besetzt werden können.“

Deswegen regte die SPD an, dass die Stadt proaktiv regiert. Zum Beispiel mit einer Umfrage unter den aktuellen Inhabern, wie lange sie ihre Praxis voraussichtlich noch betreiben wollen, gerne auch zusammen mit der KV, wie Burhan Türken im Sozialausschuss anregte: „Wir brauchen ja nicht die Namen, wir wollen nur wissen, wann wie viele Praxen abgegeben werden sollen.“ In diesem Sinne solle die Verwaltung noch einmal das Gespräch mit der KV suchen.

Hintergrund

Weil sich immer häufiger keine Nachfolger für Arztpraxen finden, gibt es inzwischen auch alternative Betriebsformen. Die beiden Kinderarztpraxen der Stadt sollen zum Beispiel als Regiebetrieb laufen, in anderen Regionen werden Haus- und Facharztpraxen in Genossenschaften organisiert.

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